Ein Bauunternehmer hält ihn deshalb für befangen. Doch das OLG Rostock sieht die Sache anders.
Foto: Zerbor - stock.adobe.com

Gutachten vom Sachverständigen

Spricht die Bezeichnung "Pfusch am Bau" für Befangenheit?

In einem Gutachten bezeichnet ein Sachverständiger die Arbeiten eines Betriebs abschließend als „Pfusch am Bau“. Der wittert Befangenheit. Zu Recht?

Manchmal streiten sich Kunden und Betriebe über die Qualität von Bauleistungen. Dann sind die Dienste von Sachverständigen gefragt, die das Werk unparteiisch begutachten. Doch eine einzige Formulierung im Gutachten kann ausreichen, dass Zweifel an der Neutralität von Sachverständigen aufkommen, wie dieser Fall zeigt.

Vorgaben des Auftraggebers: Wer haftet für Baumängel?

Ein Betrieb führt Arbeiten so aus, wie es der Auftraggeber vorgibt. Die Folge sind Baumängel. Dafür muss das Unternehmen haften.
Artikel lesen >

Der Fall: Ein Kunde moniert, dass die auf seinem Grundstück verbaute Versickerungsgrube Mängel aufweist. Ein Gutachter nimmt das Werk deshalb unter die Lupe. Im achtseitigen Gutachten benennt er die festgestellten Mängel und fasst die Ergebnisse abschließend zusammen. Dabei schreibt er: „Die Arbeiten können mit einer nichttechnischen Begrifflichkeit als Fusch [sic] am Bau bezeichnet werden.“ Aufgrund dieser Formulierung hält der Baubetrieb den Gutachter für befangen.

Das Urteil: Das Oberlandesgericht (OLG) Rostock sah das anders. Die Richter wiesen zwar darauf hin, dass „grobe Fehlgriffe in der Wortwahl, Unsachlichkeiten und abfällige, herabwürdigende oder gar beleidigende Äußerungen des Sachverständigen (…) durchaus die „Besorgnis der Befangenheit begründen“ können. Ein salopper Tonfall oder eine umgangssprachliche Redewendung reiche aber dafür nicht aus. Eine Bemerkung müsse immer im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.

Genau das machte das OLG auch im vorliegenden Fall. Ergebnis: Bei der Formulierung „Pfusch am Bau“ handle sich nicht um eine „abfällige und auf Parteilichkeit hindeutende Äußerung“ sondern um eine „laienmäßige Zusammenfassung“ der Ergebnisse.

OLG Rostock, Beschluss vom 26. August 2020, Az. 4 W 30/20

Auch interessant:

Schädlingsbefall im Dachstuhl nicht erkannt: Handwerker haften

Wenn Dachdecker oder Zimmerer erkennbaren Schädlingsbefall im Dachstuhl übersehen oder den Bauherren nicht darauf hinweisen, müssen sie haften.
Artikel lesen >

Fehlendes CE-Kennzeichen muss kein Mangel sein

Verwendung von Produkten ohne CE-Kennzeichnung am Bau? Ein Gericht hat jetzt klargestellt, warum das nicht unbedingt ein Mangel sein muss.
Artikel lesen >

Leistungsbeschreibung: Vorsicht vor diesen Haftungsfallen

Baumängel können aus Fehlern in der Leistungsbeschreibung resultieren. Das kann für Handwerker teuer werden. Diese 5 Haftungsfallen sollten Sie kennen.
Artikel lesen >

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.