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Training

Stark auch in der Krise

Misserfolge sind nicht nur ärgerlich, sie können Unternehmer auch nachhaltig belasten. Doch Misserfolge besser wegzustecken kann man in Resilienz-Trainings lernen. So lernen Sie, Ihre Widerstandskraft zu stärken.

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von Astrid Funck

Bertram Philipp erzählt, die letzten Jahre seien schwierig gewesen, er habe kaum noch Freizeit gehabt, kaum noch Zeit, sich vom beruflichen Alltagsstress zu erholen. Der Bauunternehmer aus Lautertal-Dirlammen. hatte Ärger mit Bauherren, die nicht zahlen wollten, die Gewinne brachen ein, und er arbeitete und strengte sich an, um das Ruder wieder herumzureißen.


Irgendwann entschloss er sich, an einem Seminar der Kasseler Beratungsfirma Müller + Partner teilzunehmen. In dem sogenannten Resilienz-Training sollte es darum gehen, die innere Widerstandskraft zu verbessern. "Meine Frau hat mich so ein bisschen geschubst, damit ich mir endlich mal Zeit für mich selbst nehme", sagt der Unternehmer.


Der Seminar-Ablauf
Zum eintägigen Training erschienen eine von etwa 20 Teilnehmern aus verschiedenen Berufszweigen.

Information: Als erstes stellte die Trainerin ihnen die "sieben Säulen der Resilienz" vor – gemeint sind Fähigkeiten wie Optimismus, Lösungs- oder Netzwerkorientierung, die ein Mensch braucht, um Krisen oder Veränderungen besser bewältigen zu können.

Selbsteinschätzung: Danach konnten die Teilnehmer anhand eines Fragebogens testen, wie es um ihre Resilienz bestellt war. Sie sollten zum Beispiel angeben, wie schnell sie bei Schwierigkeiten aufgeben, ob sie Misserfolge gut verdauen und ob sie andere Menschen um Hilfe bitten können.

Bertram sagt, er habe sich bei der Auswertung im unteren Bereich wiedergefunden. "Halten Sie sich vor Augen, dass es niemandem hilft, wenn Sie ständig grübeln, statt das Unabänderliche zu akzeptieren", lautete ein Tipp für ihn in der Auswertungstabelle.

Übungen: Nach der Selbstanalyse absolvierten die Teilnehmer verschiedene Übungen. An der Station zum Thema "Akzeptanz" sollten sie beeinflussbare und unbeeinflussbare "Energiefresser" aufmalen und nach einem neuen Umgang damit suchen. Eine weitere Aufgabe bestand darin, sein persönliches und berufliches Beziehungsnetz darzustellen. "Aufgrund dieser Schaubilder lässt sich dann unter anderem analysieren, bei welchen Beziehungen ein gutes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen besteht und welche ich unter Umständen auch abbrechen muss", erklärt Ilka Müller-Jastrzembowski, Geschäftsführerin von Müller + Partner.

Auch private Aspekte spielten da mit hinein: Menschen, die zusätzlich zu ihren beruflichen Belastungen eine Fernbeziehung führen, pflegebedürftige Eltern haben und weit entfernt lebende Freunde – oder gar keine mehr, weil ihnen die Zeit fehlt, sich mit ihnen zu treffen. "Viele machen in solchen Situationen alles mit sich selbst aus, statt sich Unterstützung zu suchen", meint die Beraterin.

Anregungen für den Alltag
An einem Tag wird natürlich niemand vom verzagten Grübler zum strahlenden Krisenmanager. Die Seminare können nur erste Anregungen geben.

Bauunternehmer Philipp bemüht sich nun, positiver zu denken und Rückschläge als ein Stück Normalität anzusehen, als Teil des Alltags. Er versuche jetzt auch bewusster, sich kleine Inseln der Erholung zu schaffen. Ein Spaziergang am frühen Morgen zum Beispiel, der Sonne entgegen, das sei für ihn so eine Insel.

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Die Sieben Säulen der Resilienz:



Deutsche Resilienz-Berater arbeiten unter anderem mit dem Sieben-Säulen-Modell, das die Buchautorin Micheline Rampe entwickelt hat:

1. Säule: Optimismus: Wer eine Krise bewältigen möchte, sollte fest daran glauben, dass Krisen zeitlich begrenzt sind und überwunden werden können.

2. Säule: Akzeptanz: Erst wenn man den schmerzlichen Tatsachen ins Auge geblickt hat, kann man weitere Schritte unternehmen.

3. Säule: Lösungsorientierung: Es gilt zu überlegen: Was sind mögliche Lösungen für die gegenwärtige Situation? Aber auch: Wie gehe ich mit dem Stress um, der eine akute Krise begleitet?

4. Säule: Die Opferrolle verlassen: Irgendwann kommt es darauf an, sich auf seine Stärken zu besinnen, die Realität angemessen zu interpretieren und wieder auf die Füße zu kommen.

5. Säule: Verantwortung übernehmen: Zum resilienten Verhalten gehört die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Allerdings sollte man sich auch nicht zum Sündenbock machen.

6. Säule: Netzwerkorientierung: Wichtig ist ein stabiles soziales Umfeld. Um dieses aufzubauen und zu pflegen, empfiehlt sich aktives Networking.

7. Säule: Zukunftsplanung: Hier geht es darum, sich durch gute Vorbereitung gegen die Wechselfälle des Lebens zu schützen.
Quelle: u.a. Micheline Rampe: "Der R-Faktor" (Fachbuch) und www.michelinerampe.de.


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Was bedeutet Resilienz?


Drei Fragen an Ilka Müller-Jastrzembowski, Resilienz-Beraterin

1. Was bedeutet das Schlagwort Resilienz?
Gemeint ist die psychische Widerstandskraft eines Menschen. Es geht um die Frage, ob und inwieweit er in der Lage ist, private und berufliche Krisen und Rückschläge unbeschadet zu überstehen und sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Diese Fähigkeit zeigt sich zum Beispiel, wenn jemand mit seinem Unternehmen ins Schlingern gerät, einen Karriereknick hinnehmen muss.

2. Welchen Nutzen hat es, sich mit der eigenen Widerstandskraft auseinanderzusetzen?
Menschen sind heute ständigen Veränderungen ausgesetzt und im Berufsalltag ist der Zeit- und Leistungsdruck häufig extrem groß. Betroffen sind sowohl die Unternehmer selbst als auch deren Mitarbeiter. Eine Erkenntnis aus der Psychologie ist nun, dass auch erwachsene Menschen noch lernen können, diesem Druck besser standzuhalten. Mit dem richtigen Handwerkszeug kann ich erkennen, wo genau meine Stolpersteine liegen und wie ich mein Resilienzpotenzial weiter ausbauen kann.

3. Was zum Beispiel ist so ein typischer Stolperstein?
Ein großer Knackpunkt ist die mangelnde Fähigkeit, eine schwierige Situation erst einmal zu akzeptieren. Sich zu sagen: Ja, der Großauftrag ist geplatzt. Ja, die Situation ist so schlecht, dass ich Insolvenz anmelden muss. Viele verschwenden ihre Energie darauf, sich über Dinge aufzuregen, mit denen sie einfach umgehen müssten, die sie managen müssten, weil sie daran nichts ändern können. Und so etwas lässt sich lernen.

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