Die Formulierung „coole Typen“ ist laut Arbeitsgericht Koblenz nicht diskriminierend.
Foto: Maksym Yemelyanov - stock.adobe.
Die Formulierung „coole Typen“ ist laut Arbeitsgericht Koblenz nicht diskriminierend. Ungeschoren davon kam der angeklagte Betrieb dennoch nicht.

Urteil

Stellenanzeige: Dürfen Betriebe nach „coolen Typen“ suchen?

Per Stellenanzeige sucht ein Betrieb nach „coolen Typen“. Eine Bewerberin fühlt sich davon diskriminiert und klagt auf 10.200 Euro Schmerzensgeld. Zu Recht?

Der Fall: In der Stellenanzeige eines Betriebs steht die Formulierung „Wir suchen coole Typen – Anlagenmechaniker – Bauhelfer“. Eine transsexuelle Elektrotechnikerin bewirbt sich per E-Mail. Der Geschäftsführer leitet die Bewerbung per Whatsapp an eine Kundin weiter und kommentiert sie mit den Worten „Was läuft da nur falsch“ sowie einem Smiley mit heruntergezogenen Mundwinkeln. Als die Elektrotechnikerin davon erfährt, verklagt sie den Betrieb und fordert eine Entschädigung – wegen Alters- und sexueller Diskriminierung.

Teurer Fehler: Diskriminierung bei der Stellenbesetzung

Wenn abgelehnte Bewerber bei einer Stellenbesetzung diskriminiert werden, können sie auf Entschädigung klagen – und das kann teuer werden.
Artikel lesen

Das Urteil: Das Arbeitsgericht Koblenz entschied, dass eine Benachteiligung gemäß § 1 AGG vorliege. Die Bewerberin sei wegen ihres Geschlechts diskriminiert worden, eine Altersdiskriminierung liege jedoch nicht vor. Aus der Formulierung „coole“ Typen lasse sich nicht entnehmen, dass der Betrieb nur junge Bewerber suche. Cool könnten Personen, Verhaltensweisen, Ereignisse oder sonstige Umstände sein.

Auch am Wort „Typ“ hatte das Gericht nichts auszusetzen, da der Begriff „inhaltlich geschlechtsunspezifisch“ ist. Zum Verhängnis wurde dem Betrieb, dass er in der Stellenausschreibung die Wörter „Anlagenmechaniker“ und „Bauhelfer“ verwendete. Das lege nahe, dass er tatsächlich männliche Typen suche. Zudem habe der Arbeitgeber mit der Whatsapp an die Kundin gegen den Datenschutz verstoßen. Deshalb muss er insgesamt 6.000 zahlen. (Urteil vom 9. Februar 2022, Az. Ca 2291/21)

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!

Auch interessant:

Stellenanzeigen: Jüngere wollen Gendersternchen

Aktuelle Umfrage ergibt: Vor allem Jüngere legen Wert auf das Gendersternchen in Stellenanzeigen. Und es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Artikel lesen

Gesucht: Cooler Typ für Hammerjob

Schenk Haus nutzt für seine Stellenanzeigen besondere Fotos und einen pfiffigen Slogan. Das Ziel: langfristiger Erfolg.
Artikel lesen

Diskriminiert „junges Team“ ältere Bewerber?

Wer eine Stelle ausschreibt, darf niemanden benachteiligen. Reicht die Aussage „junges, hoch motiviertes Team“ um ältere Bewerber zu diskriminieren?
Artikel lesen

„Junges und dynamisches Unternehmen“ diskriminiert niemanden

Ein junges Unternehmen darf sich in einer Stellenanzeige auch so beschreiben, urteilte ein Gericht. Es wies die Klage einer abgelehnten Bewerberin zurück.
Artikel lesen

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Handwerk Archiv

Archiv

Stellenanzeigen - die Lizenz zum Klagen

Die Angst geht um in vielen Handwerksbetrieben - die Angst vor der nächsten Stellenanzeige: Haben Sie alles richtig gemacht, oder droht auch Ihnen eine Schadenersatzklage? So senken Sie das Risiko, ins Visier der Kläger zu geraten.

    • Archiv
Handwerk Archiv

Gleichbehandlungsgesetz

AGG: Noch mehr Regelungen für Chefs

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kommt. Ein Download von Haufe beantwortet knifflige Fragen.

    • Archiv
Handwerk Archiv

Archiv

Weniger Geld für jüngere Mitarbeiter ist zulässig

Wer älteren Mitarbeitern mehr Lohn zahlt, muss sich nicht vor Klagen wegen Altersdiskriminierung fürchten. Arbeitgeber dürfen Lebens- und Berufserfahrung honorieren.

    • Archiv
Gendersternchen in Stellenausschreibungen diskriminieren mehrgeschlechtlich geborene Menschen nicht, urteilte ein Gericht.

Recht

Sind Gendersternchen in Stellenausschreibungen diskriminierend?

Eigentlich sollen Gendersternchen Diskriminierung verhindern. Doch das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holsteins musste über die Klage einer Bewerberin entscheiden, die das anders sah.

    • Recht