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Unternehmerfrauen

Studie: Frauen im Handwerk kämpfen um Anerkennung

Die Rolle der Unternehmerfrauen in Handwerksbetrieben hat sich verändert. Das überrascht nicht. Aber es wird in der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen, ergibt eine aktuelle Studie – und gibt Handlungsempfehlungen.

Auf einen Blick:

  • Das Selbstverständnis der Unternehmerfrau im Handwerk hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Das ergibt eine aktuelle Studie.
  • Einige Ergebnisse: Die Unternehmerfrauen sind hoch qualifiziert und haben an Einfluss in handwerklichen Organisationen und in der Politik gewonnen.
  • Klare Empfehlung: Wenn die Frauen im Handwerk noch stärker wahrgenommen werden wollen, müssen sie ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern und Netzwerke intensivieren, raten die Wissenschaftler.

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von Martina Jahn

Wie erleben mitarbeitende Unternehmerfrauen im Handwerk Herausforderungen und Interaktionen im Betrieb sowie ihre Lebenssituation im Alltag? Diese Frage steht im Zentrum der Untersuchung „Die Bedeutung mitarbeitender Unternehmerfrauen für ein zukunftsfähiges Handwerk“.

Frauen, in erster Linie im Alter von 41 bis 60 Jahren und vorwiegend aus Bau- und Ausbaugewerken, haben an der Studie teilgenommen. Sie wurde vom Bundesverband der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) beauftragt. Umgesetzt hat sie das Institut für Technik der Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut e.V. (itb).

Den Wandel von der Unterstützerin zur Managerin meistern

Zentrales Ergebnis der Studie ist das veränderte Rollenverständnis der mitarbeitenden Unternehmerfrauen in Handwerksbetrieben. Die Unternehmerfrau ist dabei den Wandel von der Unterstützerin zur Managerin des Betriebs zu vollziehen.

Die Rollenverteilung in den Betrieben ist laut der Studie oft so geregelt, dass der Mann die fachliche Geschäftsführung und die Frau die kaufmännische Leitung inne hat. Frauen schreiben sich selbst Organisations- und Planungskompetenzen zu und üben den Part auch in der Geschäftsführung aus.

Mit der Stärkung der Frauenrolle hat sich in den Betrieben einiges geändert. Durch ihre Führungsambitionen erbringen sie den Beweis, dass sie nicht mehr dem gealterten Bild entsprechen, das ihrem Geschlecht gegenüber heutzutage noch oft besteht.

Empfehlung: Nach Einschätzung der Wissenschaftler müssen sich die Handwerksorganisationen stärker für die berufliche Förderung von Frauen und ­familien­freundliche Rahmenbedingungen in den Betrieben einsetzen. Die hohe Qualifikation der Frauen biete für das Handwerk großes Potenzial.

Eine Herausforderung werde es sein, das geänderte Rollenbild und den neuen Führungsanspruch in die Öffentlichkeit zu tragen, beispielsweise durch:

  • Den Ausbau bestehender Angebote
  • Starker Kommunikation von „Best-Practice-Beispielen“ in der Öffentlichkeit
  • Das Weiterdenken und die Stärkung bestehender Netzwerke und Austauschmöglichkeiten

An dem Einfluss und der Wahrnehmung der Unternehmerfrauen in der Öffentlichkeit müsse der Verband auch selbst stetig arbeiten und offen für Veränderungen sein, so lauten weitere Handlungsempfehlungen.

UFH profitieren vom Erfahrungsaustausch

Die Befragten Frauen schätzen vor allem den Erfahrungsaustausch untereinander. Dieser ist für sie ein Ausgleich zur „Alleinkämpferin“ – als welche sich laut der Studie viele Frauen fühlen. Und er ist auch Motivationsquelle für ihre Arbeit. Deshalb kommen den Weiterbildungsangeboten speziell für Unternehmerfrauen – wie dem Fach- und Betriebswirt – eine besondere Bedeutung zu.

Um mehr Mitglieder zu binden, sollte der Verband seine Zielgruppe möglichst in der Breite ansprechen, empfehlen die Forscher. Angebote für die jüngere Generation sind dabei besonders wichtig.

Folgenden Personengruppen wird besonders viel Potenzial für mehr Engagement zugeschrieben:

  • Unternehmerfrauen mit Interesse am Engagement im Verband
  • Jüngeren Verbandsmitgliedern
  • Unternehmerfrauen, die sich nicht im Verband engagieren möchten

Die Motivation und Einbindung neuer Mitglieder sei hier besonders wichtig. Ebenso sollten die bestehenden Mitglieder regelmäßig Feedback einholen und so den Bedürfnissen dieser Gruppen besser zu entsprechen.

Empfehlung: Die Angebote zum Austausch sollten seitens des UFH bundesweit Aufmerksamkeit erhalten und gestärkt werden.

Weitere Ergebnisse: Unternehmerfrauen sind hoch qualifiziert

  • Knapp zwei Drittel der befragten Frauen haben eine kaufmännische Ausbildung. 17 Prozent erlernten einen handwerklichen Beruf. Eine soziale Ausbildung haben 15 Prozent der Befragten absolviert und gut ein Zehntel der Frauen können einen Hochschulabschluss vorweisen.
  • Die Mehrheit der befragten Frauen (65 Prozent) arbeitet im Handwerksbetrieb ihres Partners, 13 Prozent sind Geschäftsführerinnen, weniger als 10 Prozent Mitinhaberinnen und ein Prozent Meisterinnen. An der Gründung des Betriebs waren ein Drittel der Befragten beteiligt.
  • 35 Prozent der Frauen haben einen Zusatzabschluss als Fachwirtin oder Betriebswirtin im Handwerk gemacht. Einen Meisterbrief haben etwa fünf Prozent.
  • Knapp drei Viertel aller Weiterbildungen absolvieren die Befragten innerhalb der Handwerksorganisationen (Innungen, UFH-Arbeitskreise). Die Hälfte der Frauen lernen im täglichen Berufsalltag dazu und mehr als 40 Prozent zehren vom Erfahrungsaustausch mit anderen Betrieben.

Fazit: Das Qualifikationsniveau hat sich verbessert und gewandelt. Für die Arbeit im Betrieb notwendige Fachkenntnisse eignen sich die UFH nicht mehr hauptsächlich per „learning by doing“ an – sondern erwerben sie durch qualifizierte Aus- oder Weiterbildungsaktivitäten. Bürotätigkeiten überwiegen. Vermehrt spiegelt sich im Tätigkeitsprofil der Frauen auch eine Führungsverantwortung wieder.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Hohe Beanspruchung außerhalb des Betriebs

Im familiären Bereich hat die Untersuchung gezeigt, dass sich eine zeitliche Belastung durch ehrenamtliches Engagement positiv auf das Fachwissen und die Nutzung von handwerklichen Verbänden als Weiterbildungskanal auswirkt.

Trotz nebenberuflicher Belastung – z.B. Kinderbetreuung, Pflege oder Ehrenamt - sind die meisten Unternehmerfrauen sehr zufrieden mit ihrer beruflichen Situation. Eine mögliche Erklärung dafür ist das hohe Selbstbewusstsein der Frauen. Das rührt auch durch den hohen Stellenwert, den sie sich selbst im Betrieb zuschreiben.

Soziale Absicherung: Deutlicher Nachholbedarf

  • Unternehmerfrauen in Führungspositionen sind deutlich häufiger ohne Sozialversicherungspflicht angestellt, dagegen aber seltener geringfügig oder unentgeltlich beschäftigt.
  • Ein Großteil der Befragten sorgt ausreichend für die Rente vor.
  • Was den sozialversicherungsrechtlichen Status angeht, hat sich zwar einiges getan: 70 Prozent der Unternehmerfrauen haben eine Statusfeststellung vollzogen. Dennoch hat sich der Anteil derer, die noch keine Statusprüfung absolviert haben, kaum etwas verändert.

Empfehlung: Die Organisationen des Handwerks müssen weiter Aufklärungs- und Informationsarbeit leisten, um auf die Risiken einer Nichtfestanstellung hinzuweisen.

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