Foto: beeboys - stock.adobe.com

Urteil

Teilzeit-Azubis: Gekürzte Vergütung ist zulässig

Wer eine Ausbildung in Teilzeit absolviert, bekommt auch weniger Geld als ein Vollzeit-Azubi. Ob das rechtens ist, entschied jetzt das Bundesarbeitsgericht.

Eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, kann für junge Leute eine Chance sein. Gerade wer für Kinder verantwortlich ist, hat Probleme, Vollzeit zu arbeiten. Ist es aber in Ordnung, dass Tarifverträge eine anteilige Vergütung entsprechend der Stundenzahl vorsehen? Darüber entschied jetzt das Bundesarbeitsgericht.

5 potenzielle Zielgruppen für Ihre Mitarbeitersuche

Studienabbrecher, Quereinsteiger oder Menschen mit Behinderung: Wer Fachkräfte sucht, muss sich bewegen und in Menschen investieren. Oft zahlt es sich aus.
Artikel lesen >

Der Fall: Eine Auszubildende des öffentlichen Dienstes absolvierte ihre Ausbildung in Teilzeit und arbeitete statt 39 Stunden nur 30 Stunden pro Woche. Den Blockunterricht der Berufsschule von 28 Sunden pro Woche nahm sie komplett wahr. Nach Tarifvertrag erhielt die Auszubildende eine gekürzte Ausbildungsvergütung, angepasst an 30 Stunden Wochenarbeitszeit, auch während der Berufsschulzeit. Die Frau klagte aus mehreren Gründen: Es gebe keine entsprechende Regelung im Tarifvertrag, zudem sei sie während der Berufsschulzeiten gegenüber Vollzeit-Azubis benachteiligt.

Das Urteil: Das Bundesarbeitsgericht entschied gegen die Klägerin. Der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes sehe durchaus eine Anpassung der Ausbildungsvergütung entsprechend der Wochenstunden vor und verstoße mit dieser Regelung auch nicht gegen das Berufsbildungsgesetz, so die Richter. Bei der Ermittlung der Ausbildungsvergütung blieben die Zeiten des Berufsschulunterrichts außer Betracht.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks begrüßte das Urteil. Es verschaffe den Betrieben mehr Rechtssicherheit im Umgang mit Teilzeitausbildungen.

BAG, Urteil vom 1. Dezember 2020, Az. 9 AZRU 104/20

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt anmelden!

Auch interessant:

Darf ein Azubi zu viel gezahlten Lohn behalten?

Ein Betrieb überweist einem Auszubildenden versehentlich zu viel Ausbildungsvergütung. Als das Versehen bemerkt wird, soll der Lehrling 3.490 Euro zurückzahlen. Doch der sieht das nicht ein. Aber wer hat recht?
Artikel lesen >

7 Tipps: So verhindern Sie Ausbildungsabbrüche vor Ausbildungsbeginn

Erster Arbeitstag und der neue Azubi kommt doch nicht. Wie können Handwerksbetriebe Vertragsauflösungen vor Ausbildungsbeginn vermeiden? Wir haben 7 Tipps für Sie!
Artikel lesen >

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.