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Nachfolge

Tipp: Gemeinsame Betriebsführung

So nutzen Sie die Vorteile einer schrittweisen Betriebsübergabe. Ein Expertentipp der Unternehmensberaterin Maria Wirtz, von der tms-Unternehmensberatung in Köln.

"Schritt für Schritt, so geht's am besten"

Die Diplom-Betriebswirtin Maria Wirtz ist Beraterin bei der tms-Unternehmensberatung AG in Köln.

von Maria Wirtz

"Will der Übergeber von heute auf morgen aus dem Unternehmen aussteigen? Oder reduziert er seine Arbeitszeit Schritt für Schritt und steht seinem Nachfolger noch mit Rat und Tat zur Seite? Für diese Fragen gibt es kein Patentrezept. Stimmt beispielsweise die Chemie zwischen Übergeber und dem Übernehmer nicht, können durch eine schnelle Übergabe mögliche Konflikte von vornherein vermieden werden. Hat der Nachfolger hingegen noch einige Qualifikationslücken, die er schließen möchte, sollte ihm der Übergeber in der ersten Zeit noch tatkräftig unter die Arme greifen.

Diese Form der schrittweisen Übertragung hat sich aus Sicht des Unternehmens am besten bewährt: In aller Regel profitiert der Betrieb von der engen Zusammenarbeit von Alt und Jung. Jahre lange Erfahrung auf der einen und innovative Ideen sowie engagierter Tatendrang auf der anderen Seite können äußerst positive Effekte ergeben. Vor allem die intakten Kundenbeziehungen, die ja einer der wichtigsten Säulen des unternehmerischen Erfolgs sind, können auf diese Weise reibungslos übergeben werden. Das Risiko, dass Kunden aufgrund des "Chefwechsels" abspringen, kann reduziert werden, wenn der Nachfolger nach und nach eingeführt wird.

Auch die Mitarbeiter und der dritte Partner im Bunde die Kreditinstitute können sich besser umstellen. Vor allem letztere sehen bei einem langsamen Übergang die Kontinuität der Unternehmensführung gewährleistet und haben deshalb kaum Anlass, sich aus der Finanzierung des Betriebs zurückzuziehen.

Allerdings muss die Kommunikation zwischen den Beteiligten stimmen. Sollten sich die Übertragungspartner nicht einig sein, werden gewiefte Kunden schnell dahinter kommen und Senior und Junior bei Preisverhandlungen gegeneinander ausspielen. Ebenso können Mitarbeiter im stillen Zwist zwischen Übergeber und Übernehmer die Chance zur persönlichen Vorteilsnahme sehen und dadurch erhebliche Unruhe in den Betrieb bringen.

Für die Zeit der gemeinsamen Tätigkeit im Betrieb hat es sich bewährt, wenn Übergeber und Übernehmer gemeinsam einen schriftlichen und verbindlichen Terminplan erarbeiten, auf den sich beide Seiten verlassen können. So werden Missverständnisse vermieden, und es kann gleichzeitig kontrolliert werden, ob der Übertragungsfahrplan noch im Zeitrahmen ist.

Noch ein Tipp am Rande: Als untere Grenze für die Zeit einer gemeinsamen Unternehmensführung sollte circa ein Jahr veranschlagt werden. Als obere Grenze sind maximal fünf Jahre anzusetzen - der Übernehmer will ja schließlich in absehbarer Zeit auf eigenen Füßen stehen können."

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