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Personalführung

Mitarbeiter einbinden: Wer macht hier eigentlich die Arbeit?

Sie sind im Dauerstress und ständig stehen Mitarbeiter mit irgendwelchen Fragen auf der Matte? Da könnten Sie deren Arbeit doch gleich selbst erledigen. Oder geht es vielleicht auch anders?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Viele Chefs stehen sich im Stress selbst im Weg. Das kann viele Gründe haben.
  • Eine große Ursache ist, dass nur der Chef den Überblick hat und die Mitarbeiter nur wenig mit einbindet.
  • Doch wenn Handwerksunternehmer das ändern wollen, können sie kleine Veränderungen leicht umsetzen, indem Sie Prioritäten setzen, eine Planung für die Mitarbeiter erstellen und feste Gesprächstermine einplanen.
  • Wie das geht? Das erklären wir hier Schritt für Schritt.

Egal wie die Auftragslage ist: Unternehmer im Handwerk haben immer viel zu tun. Schön, wenn dann wenigsten die Mitarbeiter ihre Aufgaben erledigen, mitdenken und Probleme auch mal selbstständig lösen.

Doch in vielen Handwerksbetrieben sieht der Alltag anders aus. Ständig stehen die Mitarbeiter vor der Tür oder rufen an: „Chef, es gibt hier ein Problem ...“

Die schlechte Nachricht: Den Stress haben Sie mit verursacht!

In vielen kleinen Betrieben sorgen die Chefs selbst dafür, dass die Mitarbeiter unselbständig sind und bleiben. Die häufigsten Ursachen:

Fehler Nr. 1: Nur Sie haben wirklich Ahnung

Sie schauen Ihren Mitarbeitern ständig auf die Finger. Nichts ist wirklich gut genug für die Kunden. Und handwerklich kann Ihnen sowieso keiner das Wasser reichen. Oder sind es vor allem Ihre eigenen Vorstellungen, die Sie zum größten Kritiker der Mitarbeiter machen?

Fehler Nr. 2: Sie sind immer ansprechbar

Das ist vielleicht gut gemeint, doch es erzieht zur Unselbstständigkeit. Warum sollte sich ein Mitarbeiter selbstständig Gedanken über Problemlösungen machen, wenn Sie mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Wissen auf alles eine schnelle Antwort haben? Kurzfristig geht das vielleicht wirklich schneller, doch langfristig bremsen Sie so die Selbstständigkeit Ihrer Mitarbeiter aus.

Fehler Nr. 3: Nur Sie haben den Überblick

Schlecht informierte Mitarbeiter sind unselbstständige Mitarbeiter. Wer immer nur über den nächsten Auftrag Bescheid weiß, für den dreht sich alles nur um diese Aufgabe. Da werden dann auch Kleinigkeiten plötzlich zu großen Herausforderungen, die man nur zu gerne mit anderen teilt. Warum auch nicht? Wenn andere wichtige Aufgaben hätten, dann wüsste man das ja wohl.

Fehler Nr. 4: Sie schätzen Ihre eigenen Aufgaben nicht

Wer sich als Chef selbst vor allem als Hand-Werker sieht und die anderen Tätigkeiten im Büro als lästig empfindet, der darf auch von den Mitarbeitern keinen Respekt für Chefaufgaben wie Akquise oder Planung erwarten. Vielleicht denken Ihre Mitarbeiter sogar, sie würden Ihnen einen Gefallen tun, wenn sie stören.

Fehler Nr. 5: Sie stehen nicht vor Ihren Mitarbeitern

Ein Kunde beschwert sich über einen Mitarbeiter. Doch statt sich schützend vor den Gesellen zu stellen und im Zweifelsfall selbst die Verantwortung zu übernehmen, kanzelt der Chef seinen Gesellen gleich vor Ort ab. Wenn jeder Fehler öffentlich abgestraft wird, dann fragen die Mitarbeiter doch lieber bei jeder Kleinigkeit den Chef.

Die gute Nachricht: Kleine Veränderungen können Chefs einfach umsetzen!

Einfach ist es nicht, unter solchen Voraussetzungen einen Kurswechsel zustande zu bringen.

Doch die Mühe lohnt sich: Langfristig könnten Sie sich als Chef wahrscheinlich einen Herzinfarkt oder einen Bandscheibenvorfall ersparen.

Fangen Sie doch erst einmal mit drei Änderungen an:

1. Prioritäten setzen – Zeitfenster für den Chef

Planen Sie feste Zeiten für die Chefaufgaben ein - für Akquise, Kalkulation, Rechnungen schreiben usw. In diesen Zeiten lösen Sie keine Mitarbeiterprobleme, sondern kümmern sich um die Aufgaben, ohne die Ihr Betrieb nicht laufen würde.

Machen Sie deutlich, dass Sie in diesen Zeiten nur in Notfällen zu sprechen sind - also dann, wenn die Arbeit ohne Ihr Einschreiten zum Stillstand käme.

2. Planung und Überblick für die Mitarbeiter

Das funktioniert am besten, wenn die Mitarbeiter alles haben, was sie für die Arbeit benötigen.

Das fängt bei der Planung und beim Überblick an:

  • Welche Aufgaben / Aufträge stehen an – heute, morgen, die kommende Woche?
  • Welcher Kollege ist wo im Einsatz?
  • Welche Arbeiten sind beim jeweiligen Auftrag zu erledigen?
  • Welche Besonderheiten sind dabei zu beachten?
  • Welche Materialien und Werkzeuge benötigt der Mitarbeiter dort, und stehen die auch zur Verfügung?

Das bedeutet für den Chef zunächst mehr Aufwand in der Planung und Dokumentation von Aufgaben (Auftragsmappe) und in der Kommunikation.

Doch bedenken Sie, wie viel Zeit Sie sonst mit dem „Erzählen,“, „Erklären“, „Nachfragen“ und „Wiederholen“ solcher Infos verbringen, wenn Sie sie mündlich weitergeben.

3. Morgendliche Besprechungen und Gesprächstermine

Dabei darf der Austausch mit den Mitarbeitern natürlich nicht auf der Strecke bleiben. Doch dafür eignen sich zum Beispiel tägliche Teambesprechungen, bevor es auf die Baustelle geht:

  • Was steht heute an? Wer macht was? Wo könnte es Probleme geben und wie sind die zu lösen?
  • Darüber hinaus sollten alle Mitarbeiter die Möglichkeit haben, mit Ihnen Gesprächstermine zu vereinbaren – für die Themen, die nicht unbedingt sofort gelöst werden müssen. Also zum Beispiel für Stress mit Kollegen, Urlaubswünsche usw.
  • Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, sich vor solchen Gesprächsterminen selbst schon Lösungen zu überlegen.
  • Seien Sie nicht zu kritisch, wenn die Vorschläge nicht ganz Ihren Vorstellungen entsprechen. Überlegen Sie lieber, ob Sie und der Mitarbeiter so beide ihre Ziele erreichen.
  • Passt es einigermaßen, dann stimmen Sie zu. Denn wenn Sie zu viele Details ändern, dann verhindern Sie letztlich Eigeninitiative, statt sie zu fördern.

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