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Finanzkontrolle Schwarzarbeit

Tipps von der Innung

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit ist nicht gerade für ihr einfühlsames Auftreten bekannt. Doch es geht auch anders. In München arbeitet sie mit den Innungsfriseuren zusammen – und kann Fahndungserfolge vorweisen.

Genauer hinschauen! - Der bayerische Landesinnungsverband der Friseure arbeitet mit der FKS zusammen.
Der bayerische Landesinnungsverband der Friseure arbeitet mit der FKS zusammen.
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Von den teils martialischen Auftritten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit hält Friseurmeister Andreas Popp wenig: Beamte im Kampfanzug besetzen alle Ausgänge – so gehe das einfach nicht, beklagt Bayerns Landesinnungsmeister.

Dass es auch anders geht, zeige das Beispiel München:  „Wir arbeiten in München sehr intensiv und erfolgreich mit der FKS zusammen.“

Anfangs lief es allerdings auch in München nicht so gut, sagt Popp und berichtet von der ersten Großkontrollen der FKS rund um den Hauptbahnhof:  „80 Betriebe auf einen Schlag – und die Fahnder haben nichts gefunden.“ Danach hätten sie erst einmal mit seinem Landesverband gesprochen.

Der Landesverband gibt Tipps, die FKS greift ab.

Erfolgreich und sensibler

„Wir haben der FKS empfohlen, gezielter vorzugehen“, berichtet Popp. Die Fahnder sollten sich bei Kontrollen mal die Öffnungszeiten, das Anmeldebuch und die Zahl der Teil- und Vollzeitkräfte anschauen.

„Wenn ein Salon mit 10 Stühlen 60 Stunden in der Woche geöffnet hat und nur drei Teilzeitkräfte beschäftigt – wie soll das gehen? So viel kann der Inhaber alleine gar nicht abdecken.“

Außerdem sollten sich die Fahnder in solchen Salons nicht nur auf die Unterlagen verlassen, sondern gezielt mit Mitarbeitern sprechen. Dann hätten kreative Buchhalter keine Chance.

Seit diesem Gespräch habe FKS in München auch Fahndungserfolge vorzuweisen. Angenehmer Nebeneffekt aus Popps Sicht: Die Beamten träten bei Kontrollen seitdem auch „etwas sensibler“ auf.

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Vom Bau kennt man das inzwischen ja, aber auch bei den Gebäudereinigern, den Briefzustellern, den Wäschereien und den Sicherheitsdiensten: Gemäß den Vorschriften des Arbeitnehmerentsendegesetzes müssen diese Branchen tagesaktuell die Arbeitszeiten der Mitarbeiter aufzeichnen: Anfangszeiten, Endzeiten und Dauer der Arbeitszeit, damit also auch die Pausen. 

Wenn es keine Stundenzettel gibt
Im Friseurhandwerk sieht das derzeit etwas anders aus: Stundenzettel wie auf dem Bau sind eher unüblich. Die Inhaber vieler kleiner und mittlerer Betriebe notieren sich höchstens Abweichungen von der normalen Arbeitszeit, berichtet Popp.

 „Wir schreiben die Tagesarbeitszeiten auch nicht auf“, erzählt der Friseurmeister aus seinem Salon. „Wir haben einen Tarifvertrag, der die Arbeitszeiten regelt. Wir notieren nur, wenn es Abweichungen gibt.“ Außerdem gebe es das Anmeldebuch – „damit kann man die Stunden gut abschätzen“. Und ansonsten könnten die Beamten ja die Mitarbeiter befragen.

Auf der sicheren Seite? Nur mit Aufzeichnungen!

Am sichersten sind genaue Aufzeichnungen!

Ganz risikolos ist das allerdings nicht. „Wenn es keine Dokumentation der Arbeitszeiten und Pausen gibt, dann wird viel intensiver geprüft, dann werden Mitarbeiter ausführlicher befragt – das kostet alles Zeit und Geld“, weiß Rechtsanwalt Martin Schafhausen vom Deutschen Anwaltsverein. „Und am Ende wird vielleicht die tatsächliche Arbeitszeit geschätzt.“

Gesetzlich verpflichtet seien Friseure zwar nicht, solche Aufzeichnungen zu führen, sagt Schafhausen. „Aber wenn mich ein Friseur fragen würde, was er machen soll, dann würde ich ihm dazu raten, die Anfangs- und Endzeiten, die Pausen und die geleisteten Arbeitsstunden zu dokumentieren.“

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(jw)


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