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Leserstimmen

Tischler bildet nicht mehr aus: Das sagen die handwerk.com-Leser

Unterrichtsausfall in der Berufsschule und deshalb kein neuer Azubi? Die Lesermeinungen sind geteilt.

Auf einen Blick:

  • Ein Tischlermeister aus Halberstadt bildet wegen zu viel Unterrichtsausfall an der Berufsschule nicht mehr aus.
  • Viele Leser äußerten ihre Meinung.
  • Es gibt Verständnis, aber auch Kritik. Aber alle sind sich einig: Es muss sich etwas ändern.

Danny Perkampus, Tischlermeister aus Halberstadt, bildet zum ersten Mal seit Betriebsgründung keinen neuen Azubi aus. Sein Grund: Zu viel Unterrichtsausfall in der Berufsschule. Er könne so die im Ausbildungsvertrag eingegangene Verpflichtung nicht mehr sicherstellen, so der Handwerksmeister. Wir wollten von unseren Lesern ihre Meinung dazu wissen – und die sind geteilt.

Miese Berufsschule: Tischler bildet nicht mehr aus

Ein Drittel der Fachstunden fiel an der Berufsschule aus – da zog Tischlermeister Danny Perkampus einen Schlussstrich.
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Reaktion vollkommen verständlich

Viel Verständnis für sein Handeln bekommt Danny Perkampus von Holger Hentschel, Tischlermeister aus Burgdorf. Er müsse auch immer wieder feststellen, dass in der Berufsschule zu wenig vermittelt wird, schreibt Hentschel in seinem Leserbrief. Oft gebe es nur eine Lehrkraft für das gesamte Lernfeld und Lehrjahr. Allerdings nimmt er auch die Betriebe in die Pflicht: „Da werden Lehrlinge als Hilfsarbeiter benutzt, da lernt man natürlich auch nicht so viel“, schreibt der Tischlermeister. Es müsse sich dringend etwas ändern, „sonst gibt es wohl bald keine Ausbildung mehr und auch damit verbunden keine Gesellen“.

Da kann man nur den Kopf schütteln

Eine ganz andere Meinung vertritt Thomas Merz, Tischlermeister aus Elstorf: „Da kann man nur den Kopf schütteln, dass ein Kollege nicht ausbildet, weil die Schule ausfällt. Meiner Meinung nach ist die betriebliche Ausbildungszeit viel zu knapp bemessen.“ Sein Vorschlag: Den 2. Berufsschultag im 1. Lehrjahr abschaffen, indem Fächer wie Sport und Religion gestrichen werden.

Er sei froh gewesen, dass die Lehrlinge in der Corona-Zeit durchgängig im Betrieb waren, schreibt Merz. „Den theoretischen Schulstoff kann man sich auch zu Hause per E-Mail, Facebook oder durch das Internet zugänglich machen.“ Sein Fazit: „Wären die Rahmenbedingungen einfacher und (die Ausbildung, d. Red.) nicht mit so vielen Kosten verbunden, würden auch mehr Betriebe ausbilden.“

Fehlende Berufsschule nur einer von vielen Gründen

„Die mangelnde Berufsschulversorgung ist doch nur einer von vielen Gründen, warum Unternehmer nicht mehr ausbilden wollen“, meinen auch Mechthild und Rico Heinemann von der Heinemannufaktur in Elsfleth. „Das Problem ist doch, dass es immer weniger ausbildungsfähige und -willige Jugendliche für das Handwerk gibt.“

Der zweite Berufsschultag sei eingeführt worden, um Defizite der allgemeinbildenden Schulen auf Kosten der Unternehmer auszugleichen, kritisieren die Heinemanns. Sie wünschen sich eine Strategie und ein Konzept von Arbeitgeber- und weiteren -verbänden, „um das Handwerk so darzustellen, damit es jeder in der Gesellschaft respektiert und würdigt“. Optimistisch sind sie allerdings nicht: „Unsere Gesellschaft lebt in einer paradiesischen, sozialen Wohlfühloase, die u. a. wir, die morgens um 7 Uhr ins Hamsterrad springen, am Laufen halten. Wen interessiert das schon???“

Und das sagt der Schulleiter

Auch Klaus-Dieter Ahrent, Schulleiter der Berufsbildende Schulen „Geschwister Scholl“ in Halberstadt hat sich in einem Leserbrief geäußert. Er schreibt: „Herr Perkampus spricht von 580 erforderlichen Fachstunden, die zu erteilen gewesen wären. 193 davon seien ausgefallen (in drei Jahren, Anm. d. Redaktion). Tatsache ist, dass die Stundentafel des Tischlerberufs jährlich 320 Fachstunden enthält. (…) Bezogen auf das 3. Ausbildungsjahr im vergangenen Schuljahr 2019/2020 stellen wir fest, dass 96 Stunden nicht planmäßig erteilt werden konnten. Die Gründe dafür sind vielfältig (u. a. die Langzeiterkrankung eines Kollegen, Teilnahme von Lehrkräften an Fortbildungsveranstaltungen und auch ehrenamtliche Mitarbeit in Bildungs- und Prüfungsausschüssen der Kammern). Davon wurden jedoch 56 Stunden überwiegend fachgerecht vertreten (…). Damit verbleibt ein Realausfall von 40 Stunden - nicht schön, aber weit von der Darstellung des Herrn Perkampus entfernt. (…)

Im Artikel wird von Herrn Perkampus weiterhin behauptet, dass verschiedene Berufe aus Lehrermangel in Klassen gemeinsam beschult würden (Tischler und Holzmechaniker). Richtig ist, dass die gemeinsame Beschulung der beiden genannten Berufe auf Grundlage des „Fachklassenerlasses“ erfolgt. Dieser wurde in enger Abstimmung zwischen Bildungsministerium und den Kammern entwickelt und hat grundsätzlich das Ziel, die Auszubildenden so lange wie möglich wohnortnah zu beschulen. Eine gemeinsame Beschulung erfolgt nur, wenn die Ausbildungsinhalte vollständig identisch sind. Im Fall der Tischler (Handwerksberuf) und Holzmechaniker (Industrieberuf) trifft das für alle drei Ausbildungsjahre zu.“

Die Redaktion behält sich vor, eingesandte Leserbriefe zu kürzen.

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