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Foto: Denny Gille
Unternehmensgründer Edgar Ritter im Showroom: Kunden sehen hier etwa die Wirkung einer geölten Tischlerplattenkante und gefräster Griffe.

Strategie

Tischlerei Edgar Ritter: Vielseitigkeit in Perfektion

Mit vier Geschäftsführern und einem ungewöhnlichen Leistungsspektrum formt die Tischlerei Edgar Ritter große Vielseitigkeit zu einem Geschäftsmodell. Dass das gelingt ist kein Zufall.

  • Vier Geschäftsführer, breites Angebot: Die Tischlerei Edgar Ritter hat sich auf technische Lösungen für die Industrie und gehobene Wohnideen spezialisiert.
  • Die Erweiterung der Geschäftsführung auf vier Mitglieder sollte auch helfen, gute Personal zu binden und für die Nachfolge vorzusorgen.
  • Für Industriekunden baut das Unternehmen unter anderem Mockups. Das sind Hartschaum-Modelle im 1-zu-1-Maßstab, die Auftraggebern zum Beispiel helfen Designentscheidungen zu treffen.
  • Im großen Showroom zeigt der Betrieb, was er in Sachen Möbelbau leistet. Zu den besonderen Kennzeichen der Hamburger zählen in Türen und Schubladen gefräste und geölte Griffe.

Im Stadtteil Finkenwerder zeigt sich Hamburg von seiner ländlichen Seite. Fachwerkhäuser und ein ungetrübter Elbblick schaffen die perfekte Umgebung, um einen Gang herunterzuschalten und sich in den gehobenen Wohnideen der Tischlerei Edgar Ritter zu verlieren. Vor fünf Jahren hat die Tischlerei hier ihren geräumigen Neubau bezogen. Die 1800 Quadratmeter Fläche nutzen die Tischler für ansprechende Büro- und Ausstellungsräume und eine moderne Fertigung mit einem großen Maschinenpark. „Wir gehen nicht auf Masse, sondern konzentrieren uns auf Einzelstücke, Kleinserien und viel Beratung“, sagt Firmengründer Edgar Ritter.

Vier Köpfe und ihre Aufgaben

Edgar Ritter ist mit Andreas Uhlisch, Volker Diethe und Stefan Kahler einer von vier Geschäftsführern des Unternehmens. Die Führungsstruktur hat sich in zwei Schritten entwickelt. „Ich hatte nach der Unternehmensgründung über zehn Jahre so viele Stunden gearbeitet, dass ich einfach einen richtigen Tunnelblick bekommen habe“, erzählt Edgar Ritter. Über einen Aushang in einer Meisterschule hat er Andreas Uhlisch gefunden. Fortan teilten sich beide die Kunden auf. Später holten sie ihre Angestellten, den Tischlermeister Volker Diethe und Holztechniker Stefan Kahler in die Geschäftsführung. Die wertvollen Mitarbeiter sollten so – nicht zuletzt mit Blick auf die Betriebsnachfolge – in einer verantwortungsvollen Position an das Unternehmen gebunden werden.

„Wir alle sind für unterschiedliche Aufgaben zuständig, haben aber auch Überschneidungen“, sagt Ritter. Andreas Uhlisch und Stefan Kahler arbeiten vornehmlich für die Industriekunden. Mit seinem Digitalisierungswissen ist Kahler zudem für Fertigungsstrategien zuständig und kümmert sich um die reibungslose Kommunikation zwischen CAD-Programm und Maschinen. Die Betreuung von Privat- und Gewerbekunden inklusive Teilnahme an Ausschreibungen fällt in den Zuständigkeitsbereich von Volker Diethe. „Und ich betreue parallel natürlich auch meine Kunden – und bin außerdem unser ISO-Beauftragter“, sagt Ritter. Einmal im Monat setzen sich die vier Chefs zur Geschäftsführerversammlung zusammen, wo sie Investitionen, Aufträge und Organisatorisches besprechen.

Gute Beratung gehört zum Kerngeschäft des Unternehmens. Das Herzstück der Kundenberatung ist der Showroom, in den der Firmengründer besonders viel Liebe zum Detail gesteckt hat. Im Obergeschoss der Tischlerei finden Kunden auf rund 200 Quadratmetern Fläche Einrichtungsideen zum Schlafen, Essen, Wohnen und Arbeiten in unterschiedlichsten Stilen. Hier erleben sie, wie eine gekonnte Fräsung manchen Möbelbeschlag überflüssig macht, welche Vorzüge Schubladen haben, die auf Gehrung schließen und wie geölte Tischlerplatten im Möbelbau eine besondere Wirkung entfalten. „Wenn ein Kunde die Hochwertigkeit im Möbelstück selbst entdeckt, ist er auch bereit mehr Geld auszugeben“, erklärt Ritter.

Großer Umsatzbringer: die Industrie

Die Ausstellung nutzt vor allem dem Privatkundengeschäft, das etwa 15 Prozent des Unternehmensumsatzes ausmacht. Aber auch bei der Zusammenarbeit mit Planern und Architekten – dieses Segment macht rund 35 Prozent des Umsatzes aus – hilft die Ausstellung, Partnerschaften zu stärken. Was der größte Umsatzbringer des Betriebs ist, lässt ein kleiner Bereich im Showroom erahnen: Ein großer Bogen mit Bullauge deutet die Außenhülle eines Flugzeugs an. Die Konstruktion steht stellvertretend für die sogenannten technischen Sonderlösungen, die die Tischlerei Edgar Ritter Auftraggebern aus der Industrie anbietet.

Ein wichtiges Beispiel dieser Sonderlösungen sind die sogenannten Mockups: Modelle im 1-zu-1-Maßstab, die etwa bei Designentscheidungen helfen. Ein Kunde, für den die Hamburger in dem Bereich regelmäßig arbeiten, ist Airbus. „Die Mockups fräsen wir aus einem Schaum, den wir anschließend weiß lackieren“, sagt Ritter. Wird etwa der Küchenbereich eines Flugzeugmodells überarbeitet, lässt sich so das neue Design zu erschwinglichen Kosten in Lebensgröße zeigen und begehen. Auch Fertigungsmittel wie Rollkästen oder Arbeits- und Montageböden, die sich leicht montieren und wieder demontieren lassen, gehören zu den Sonderlösungen der Tischler.

Dass der Betrieb seinen Auftraggebern ein zuverlässiger Partner ist, zeigt nicht zuletzt die Zertifizierung des Qualitätsmanagements nach DIN EN ISO 9001. Beim Weg durch die Fertigungs- und Lagerräume wird schnell deutlich, wie gut das Unternehmen strukturiert ist. Ein Beispiel: Von der Montagehalle geht ein Raum ab, dessen Wände vom Boden bis zur Decke mit einem Regalsystem ausgekleidet sind. Hier lagern in gut beschrifteten gelben Boxen verschiedenste Kleinkomponenten wie Beschläge und Verbinder. „Wir haben unser Lager systematisch optimiert, was uns eine effektive Lagerhaltung ermöglicht und Suchzeiten enorm verkürzt hat“, erklärt Ritter.

Optimierte Fertigung

Ähnlich durchdacht ist die Produktion. Im Erdgeschoss sind die am häufigsten verwendeten Maschinen vom Kantenanleimer bis zur Formatkreissäge untergebracht. In einer Linie sind hier auch Plattenlager, Vakuumheber, Plattenaufteilsäge und die größere der beiden CNC-Maschinen zusammen mit einem Montageplatz angeordnet. Sinn des Layouts: „Unser Ziel war es, dass ein Mitarbeiter hier allein ein Möbelstück fertigen kann“, erklärt Edgar Ritter.

Nach der Corona-Zeit wollen die vier Chefs wieder mehr Besucher vor Ort von ihren Qualitäten überzeugen. Ihren Unternehmenssitz haben die Tischler für Netzwerkveranstaltungen mit eigener Küche und zahlreichen Sitzmöglichkeiten im Showroom optimiert. „Wir haben schon einige Veranstaltungen mit Partnern und Kunden gemacht und wollen das bald wieder stärker nutzen“, erzählt Ritter.

Betrieb

  • Firmenname: Edgar Ritter Holzdesign
  • Ort: Hamburg
  • Mitarbeiterzahl: 20 (davon 4 Auszubildende)
  • Gründung: 1989
  • Spezialität: Möbelbau und technische Lösungen
  • Internet: edgar-ritter.de
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Hilfreicher Vakuumheber. Hier sollen Mitarbeiter ein Möbelstück auch allein fertigen können.
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Andreas Uhlisch kontrolliert frisch gefertigte Montageböden. Sie dienen beispielsweise Monteuren im Flugzeugbau als temporäre Böden.
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Unternehmensgründer Edgar Ritter im Showroom: Kunden sehen hier etwa die Wirkung einer geölten Tischlerplattenkante und gefräster Griffe.
Foto: christian isacu - nullnull3, Montage: Gille

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