Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Archiv

Tischzeit für Torjäger

Mittags im Betrieb, abends in der Kneipe, zu Hause oder im Verein – die Deutschen sind heiß auf Kickern wie noch nie.

Mittags im Betrieb, abends in der Kneipe, zu Hause oder im Verein die Deutschen sind heiß auf Kickern wie noch nie.

Von Manfred Fischer

Rotzfrech sieht er aus, dieser Maxl. Wie der schon grinst. Und dann die Nasenflügel: So breit, als hätte er den größten Torriecher überhaupt. Der Gipfel aber sind die abstehenden Ohren. Viel fehlt nicht, und er könnte den Ball damit fangen. Von so einem den Kasten vollhauen lassen? Nein, dann schon eher von dem anderen Maxl. Der hat wenigstens Ähnlich-keit mit einem richtigen Fußballer und wirkt konzentriert. Warum aber mit Kopfschutz? Das ist eine Soccer-Figur, die Figur ohne Mütze ist zum Kickern, stellt Schreinermeister Andreas Fiedler die beiden vor. Soccer? So sagen´s international zum Profi-Tischfussball, erklärt der 32-jährige Niederbayer.

Fiedler ist technischer Leiter der Schreinerei Leonhart. Seit bald 50 Jahren baut der Betrieb in Harburg bei Deggendorf Kicker. Die Figuren mit den Segelfliegerohren sind gleichsam Markenzeichen nach dem geschwungenen L des Firmenlogos. Mehr als 100 000 Tische haben bis dato die Werkstatt verlassen. Landauf, landab werden Leonharts geschätzt, sogar aus dem Ausland kommen Bestellungen. Dabei sind im Geschäftsverkehr sprachliche Gepflogenheiten zu beachten. Der Österreicher etwa sagt Wuzlen statt Kickern, der Schweizer spricht von Töggelen, der Amerikaner hat seinen Wortschatz um Foosball bereichert. Der Norddeutsche natürlich krökelt, den Maxl ruft er offiziell Puppe.

Nirgendwo lässt sich mehr sagen, dass Kickern nur ein Spiel für verrauchte Kneipen ist. Der Kundenkreis ist stark gewachsen, betont Helga Fiedler. Die Mutter

des Schreinermeisters und Geschäftsführerin des 25-Mann-Unternehmens freut sich vor allem über eine steigende Nachfrage nach Heimgeräten. Büros, Kantinen, Jugendzentren, Hobbykeller überall zieht es die Leute an die Tische, allen Moorhühnern und Gameboys zum Trotz. Diesen Trend spürt der Betrieb schon mehrere Jahre. Aber seit sechs Monaten übertrifft die Kickerleidenschaft alle Erwartungen. Wir kommen mit der Produktion zurzeit kaum nach, sagt die 54-jährige Chefin.

Das Fußball-WM-Fieber geht soweit, dass sich die alte Morbidelli in der Werkstatt zuweilen eine Verschnaufpause gönnt. Das Bearbeitungszentrum fräst die Korpusteile der Kicker und bekommt ab Sommer Verstärkung von einer Fünf- Achs-Maschine. Die zahlreichen anderen Maschinen der Schreinerei dagegen halten dem WM-Druck locker Stand. So viel Technik für Kickerkästen? Das sind Möbelstücke, stellt Andreas Fiedler klar und zeigt zum Beweis eine Front: Dick Massivholz. Um sie extra stabil zu machen, sind die Holzplatten auf beiden Seiten mit Span beschichtet.

Ein entscheidender Faktor ist zudem das Grün, betont der bayerische Schreinermeister. Die Spielfläche der Kicker besteht aus Resopal hauchdünne, in Harz gegossene Papierschichten. Bevor der Ball darauf rollt, wird das Grün speziell behandelt. Was die Schreiner genau machen, bleibt Betriebsgeheimnis. Klar ist nur, bei Leonhart ist Grün nicht gleich Grün. Der Soccer-Belag ist schneller, bis zu 70 Stundenkilometer bekommt der Ball drauf, wenn ein Könner abzieht. Ein weiterer spielbestimmender Faktor: Je nach Ausführung haben die Kicker entweder Stahlrohr- oder Vollrohrstangen.

Drei Kickerlinien stellt Leonhart her. Der Klassiker heißt Turniersieger. Die anderen Soccer und Starlinie. Preis? Kneipenkicker mit Münzautomat gibt es ab etwa 1200

Euro. Heimgeräte kosten zwischen 700 und 800 Euro, sagt Fiedler. Das Vergnügen leisten sich auch immer mehr Kicker, die vereinsmäßig auf Torjagd gehen. Sie spielen mit den Soccer-Maxl auf ganz eigene Weise. Die nehmen den Ball von hinten und schießen sofort. Und der Kicker-Maxl? Die Figur ist zum Tricksen da, sagt Fiedler, angelt sich die Kugel und knallt sie mit einem raffinierten Bandenschuss ins Gehäuse. Der Schreinermeister hält mit vielen Tur-nierspielern einigermaßen mit. Vor ein paar Jahren aber hat er gegen den Weltmeister gespielt. Dessen Torhunger war riesig: Ruck, zuck 64:0.

Fotos: Fischer

Die Schreinerei Werner Seemüller verleiht ihren Designs aus Holz die Optik und Haptik von Metall, Stein oder kohleartigen Substanzen.
Foto: Babian Nockel, Montage: Gille

Strategie

Starke Oberflächen: Der Schreiner für Stein und Eisen

Exklusive Möbel mit Oberflächen aus Basalt, Eisen oder Kohle gehören zur Spezialität der Schreinerei Seemüller. Das ist nicht nur was fürs Auge.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Archiv

Die Reitstiefel bleiben zuhause

Axel Milkau hat alle Hürden übersprungen. Nicht nur als Bäckermeister ist er erfolgreich, sondern auch als Springreiter. Der Unternehmer organisiert die Braunschweiger Löwen Classics.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

„München wird 3 : 1 gewinnen“

Wenn Effe nicht den Elfer versiebt hätte ...

Die Würfel sind gefallen: Bronko alias Kai Zedler ist der neue KickKlick-Monatsgewinner. Mit eher mäßigen zehn Punkten hat der Fliesenlegermeister seinen hauchdünnen Vorsprung am 29. Spieltag ins Ziel gerettet.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Virale Aktionskunst

Bunte Bewegung

Was fangen Menschen mit einer Information an, die keine ist? Ein Schreinermeister hat es ausprobiert, für viel Verwirrung gesorgt - und eine erstaunliche Erfahrung gemacht.

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.