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Foto: Babian Nockel / Central Studios
Boris Sprenger (rechts) diskutiert mit Meister Thorsten Magel einen aktuellen Auftrag: Tür mit Zutrittskontrolle für einen überfallsicheren Raum.

Strategie

Neue Leistungen: So bleibt der Traditionsbetrieb erfolgreich

Das Unternehmen von Boris Sprenger ist alt wie die Glühbirne! Seine wichtigsten Standbeine aber sind aktuell und zukunftsfähig. Wie hat der Traditionsbetrieb das angestellt? 

  • Geht mit der Zeit: Boris Sprenger weiß sich neue Geschäftsmodelle zu erschließen, um seinen 140 Jahre alten Betrieb zukunftsfähig zu halten.
  • Das Frankfurter Unternehmen hat sich auf einige Angebote spezialisiert, für die es in der Region kaum Wettbewerb gibt.
  • Sein wichtigstes Geschäftsfeld ist die Arbeit mit dem Mineralwerkstoff Varicor, der insbesondere im Nassbereich öffentlicher und privater Gebäude zum Einsatz kommt.
  • Auch schwere Türen mit Sonderfunktionen wie zum Beispiel Zutrittskontrollsystemen gehören zu den wichtigen Standbeinen des Betriebs.

Wie bleibt ein Betrieb lange Zeit erfolgreich am Markt? Eine gute Antwort auf diese Frage findet man am besten in waschechten Traditionsunternehmen. Die Schreinerei Sprenger wurde im selben Jahr gegründet, in dem Thomas Edison die alltagstaugliche elektrische Glühlampe entwickelte: 1879! Gut 140 Jahre später ist das Ende der Glühbirne längst beschlossene Sache, die Frankfurter A. Sprenger GmbH aber passt sich auch im hohen Alter noch neuen Bedürfnissen am Markt an. Sie hat sich vom Schreiner für alles zum spezialisierten Fachbetrieb mit mehreren Kernkompetenzen entwickelt.

Punkten mit modernen Leistungen

Ihre letzte große Transformation vollzog die Schreinerei mit dem heutigen Geschäftsführer Boris Sprenger, der seit gut 25 Jahren den Betrieb leitet. Bis in die 80er Jahre, weiß der Unternehmer, hatten Schreiner in Frankfurt eine komfortable Position: „Die Stadt vergab Aufträge praktisch ausschließlich an lokale Unternehmen und jede Bank hatte ihren Hausschreiner.“ Als Holz im Innenausbau an Bedeutung verlor, öffentliche Projekte europaweit ausgeschrieben wurden und Trockenbauer manch typische Tischlerleistung günstiger anboten, musste Boris Sprenger neue stabile Einnahmequellen erschließen. Mit Erfolg: Heute steht die Sprenger GmbH auf drei Standbeinen und hat sich so weit spezialisiert, dass es für ihre Angebote kaum Wettbewerb in der Region gibt. Sein wichtigstes Geschäftsfeld hat der Unternehmer mit seiner Expertise im Umgang mit dem Mineralwerkstoff Varicor aufgebaut. „Das macht etwa 50 Prozent unseres Umsatzes aus“, erklärt Boris Sprenger. Mit Varicor ließen sich Oberflächen in beliebiger Farbe und Form realisieren. Eingesetzt werde der Stoff als Serienprodukt oder Unikat insbesondere im Nassbereich in öffentlichen wie privaten Gebäuden. Ein häufiger Anwendungsbereich: verschleißfeste, pflegeleichte Waschtischanlagen in individuellen Längen.

Wie aus einem Guss

Platten und Becken des Mineralwerkstoffs bestellt das Unternehmen entsprechend der jeweiligen Maßvorgaben des Kunden als Rohware beim Hersteller. Die angelieferten Halbzeuge werden dann professionell miteinander verklebt, geschliffen und poliert. „Am Ende sieht die Waschtischanlage aus wie aus einem Guss – da lassen sich weder Fugen ertasten, noch Klebestellen erkennen“, sagt Boris Sprenger. Bei den individuellen Varicor-Waschtischen ist das Unternehmen Partner des Fachhandels. „Die Sanitärhandwerker bestellen die Produkte beim Fachhandel und wir führen die Fertigung aus“, erklärt der Unternehmer. Besonders komplexe Wünsche, die nur vor Ort im Zuge der Montage zusammengefügt werden können, betreut das Unternehmen komplett selbst. Ein zweites Standbein hat sich das Unternehmen im Bereich Türen aufgebaut – mit wichtigen Alleinstellungsmerkmalen. „Den bloßen Einbau einfacher Zimmertüren können Trockenbauer natürlich viel günstiger anbieten als Schreiner“, stellt Sprenger fest. „Sobald eine Tür aber Sonderfunktionen bekommt, wird sie schwer. Die Trockenbauwände tragen sie nicht mehr und dann sind spezialisierte Fachbetriebe wie wir gefragt.“ Boris Sprenger ist damit aktiv den komplexer werdenden Anforderungen seiner Kunden gefolgt: Er und sein Team haben Lehrgänge besucht, Zertifikate bei den Herstellern gemacht und sich für immer anspruchsvollere Tätigkeiten qualifiziert. „Heute sind wir bei Holztüren so zu Hause wie bei der Stahltür und der Stahl-Aluminium-Rahmentür“, erklärt der Handwerker. Zum Fachgebiet der Frankfurter gehören Antriebssysteme, Fluchtwegtechnik, Barrierefreiheit und die mit komplexen Türen verbundene Verkabelung von Laserscannern, Radarsensoren, Rauchmeldern oder der Anschluss an Einbruch- und Brandmeldeanlagen. „Wir machen Einbau und Anschluss bis zur Funktionsprobe aus einer Hand“, betont Sprenger. „Wir können sogar die Stahlkonstruktionen schweißen und im Rohbau verbauen, um den Wänden die nötige Tragfähigkeit zu verleihen.“ Neben diesen Spezialisierungen rundet der Bereich Holz im Möbel- und Innenausbau die Leistung des Unternehmens als drittes Standbein ab.

Kosten senken durch Kooperationen

Im Zuge der Spezialisierung hat sich das Unternehmen seit Anfang der 90er Jahre von 20 Mitarbeitern auf heute acht verkleinert. „Wir hatten Mitarbeiter, die handwerklich super waren, denen man aber nichts mehr in Sachen CAD oder Elektronik beibringen konnte“, erläutert Sprenger. Sie schieden nach und nach aus, auf Kündigungen hat der Unternehmer weitgehend verzichtet. „Wer dazulernen wollte, wurde qualifiziert, inklusive mir selbst“, betont der Unternehmer.

Weil die Betriebsstärke viel Platz auf der 1.200 Quadratmeter großen Produktionsfläche ließ, hat sich das Unternehmen 2005 zwei Schreinereien als Untermieter hinzugeholt, mit denen es sich die Betriebskosten von Halle und Maschinenpark seitdem teilt. „Wir arbeiten alle in unterschiedlichen Schwerpunkten ohne uns in die Quere zu kommen“, berichtet Boris Sprenger. Die laufenden Kosten werden über einen Verteilungsschlüssel auf alle drei Unternehmen umgelegt. „Eine gute Schreinerwerkstatt ist kapitalintensiv“, weiß der Handwerker. „Wir sind für unsere jeweiligen Betriebsgrößen relativ gut ausgestattet und durch die gemeinsame Nutzung rechnet sich das auch.“ Damit die Zusammenarbeit weitgehend reibungslos funktioniert, hat der Unternehmer mit den anderen Schreinereien Verträge geschlossen, die die wichtigsten Eckpunkte der Kooperation regeln. Kommt es doch mal zu Konflikten, werde darüber gesprochen, um gegebenenfalls ­verbindliche Zusatzvereinbarungen zu treffen. So besteht die Kooperation stabil seit gut 15 Jahren. „Das ist kein Selbstläufer, man muss schon am Ball bleiben“, so Sprenger, „aber wir profitieren alle davon.“

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