Hohe Trinkgelder gehören in die Gemeinschaftskasse. Sonst gibt es Ärger!
Foto: VRD - stock.adobe.com

Recht

Trinkgeld und Gefälligkeiten – annehmen oder nicht?

Zufriedene Kunden servieren gerne mal Kaffee und belegte Brötchen. Und sie drücken den Handwerkern Trinkgeld in die Hand. Was kann man bedenkenlos annehmen und wann wird es eventuell kritisch?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Bei Chefs fällt die Annahme von Trinkgeld steuerlich ins Gewicht, bei Angestellten nicht.
  • Kaffee, Kuchen und belegte Brötchen sind Gefälligkeiten, die genauso behandelt werden.
  • Es gibt keine Höchstgrenze für echte Trinkgelder an Mitarbeiter, doch bei großen Summen kann das Finanzamt misstrauisch werden (wenn es davon erfährt).
  • Durch die Annahme großer Gefälligkeiten kann ein Verpflichtungsgefühl auf Seiten des Betriebes entstehen. Das sollten Sie vermeiden!
  • Bei Trinkgeld und Geschenken ist Fingerspitzengefühl gefragt. Deshalb müssen klare Regeln der Geschäftsleitung her.

Eine Tasse Kaffee hier, ein Stückchen Kuchen da, am Schluss ein Scheinchen in die Hand – viele Kunden möchten den bei ihnen beschäftigten Handwerkern Gutes tun. Werden dabei bestimmte Grenzen überschritten, lauern Fußangeln. Die sollten Sie als Chef kennen!

Chefs müssen Trinkgeld versteuern, Mitarbeiter nicht

Rechtsanwalt Dr. Martin Wulf ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Er weist auf ein Problem hin, das meist unter den Tisch fällt: „Als Betriebsinhaber müssen Sie Trinkgeld versteuern. Es gilt rechtlich als Einnahme.“ Für die angestellten Mitarbeiter bestehe dagegen Steuerfreiheit für die erhaltenen Scheinchen.

Verwandt mit dem Trinkgeld seien Aufmerksamkeiten durch den Kunden, die nicht aus Geld bestehen. „Kaffee, Kuchen, belegte Brötchen und Geschenke werden ähnlich behandelt – für solche Aufmerksamkeiten wird das Finanzamt aber auch beim Chef keine Versteuerung verlangen.“

Diese 4 Kundentypen sollten Sie kennen!

Mit manchen Kunden wird man einfach nicht warm. Ein falsches Wort genügt, schon war es das mit dem Auftrag. Dabei geht es auch anders: So erkennen Sie die 4 wichtigsten Kundentypen sofort und kommen sicherer zum Abschluss.
Artikel lesen >

Wie viel Trinkgeld ist erlaubt?

„Die Höhe des steuerfreien Trinkgeldes ist ungeregelt und nach oben hin offen“, sagt Wulf. Dennoch sei es riskant, bei größeren Angeboten zuzugreifen. „Erhält das Finanzamt Kenntnis von höheren Summen und sehr teuren Geschenken, kommt schnell Misstrauen auf.“

Es werde dann überprüft, ob die Geldgaben vielleicht ein versteckter Anteil des Auftragslohns sein könnten, erläutert der Jurist. „In Einzelfällen gibt es findige Firmenchefs, die durch die Ausweisung von Arbeitslohn als Trinkgeld Steuern sparen wollen.“ Auch deshalb empfiehlt er, es bei der Entgegennahme „üblicher kleiner Aufmerksamkeiten“ zu belassen.

Vermeiden Sie Verpflichtungsgefühle

Knigge-Expertin Katharina Höchemer sagt: „Der eigentliche Sinn von Aufmerksamkeiten besteht darin, dass sich der Kunde charmant für gute Handwerksleistungen bedankt.“ Dazu gehöre auch das Bewirten von Handwerkern mit Getränken und kleinen Snacks. „Dauern Aufträge etwa bei Privatkunden länger, gehören die Handwerker manchmal schon fast zur Familie.“ Und diese Vertrauensbasis werde im Normalfall durch Speisen und Getränke gefördert.

Seien die Geschenke zu groß, entstünden jedoch leicht Irritationen. „Wenn Ihnen ein Kunde plötzlich Opernkarten im Wert von Tausend Euro schenken möchte, ist Vorsicht angesagt.“ Denn durch eine solche Gabe entstehe automatisch ein Verpflichtungsgefühl. „Vielleicht erhofft sich der Kunde, dass dann weniger Stunden auf den Zettel geschrieben werden.“

Eine ähnliche Erfahrung hat der Malermeister Jörg Tischler aus dem nordrhein-westfälischen Steinhagen vor einiger Zeit gemacht. „Mein Team war zu einem Festpreis bei einem Kunden. Der Auftrag zog sich über mehrere Tage hin.“ Die Ehefrau habe eine besonders fürsorgliche Ader gehabt. „Sie lud unsere Mitarbeiter in die Küche ein, kochte Kaffee und servierte belegte Brötchen.“ Es schien alles in Ordnung zu sein bis zum Auftragsabschluss. „Der Mann kam zu mir und wollte den für Bewirtung und Zeit in der Küche entstandenen Betrag von der Rechnung abziehen.“

Geschenke, die zum Anlass passen

So beschenken Sie Kunden richtig

Welche Geschenke sind für Geschäftskontakte gut geeignet – und worauf ist steuerlich zu achten? Eine Knigge-Fachfrau und ein Steuerberater verraten mehr.

Steuern

Diese 5 Steuerregeln für Kundengeschenke sollten Sie unbedingt beachten!

Steuerlich günstig sind Geschenke für Kunden in keinem Fall. Machen Sie jedoch diese Fehler, steigt die Steuerlast schnell auf 60 Prozent und mehr.

Steuern

Entschieden: Brötchen sind kein steuerpflichtiges Frühstück!

Unbelegte Brötchen und Heißgetränke für die Mitarbeiter sind kein Frühstück und damit nicht lohnsteuerpflichtig. Ein Urteil schafft Klarheit.

Steuern

Sind Kaffee und unbelegte Brötchen ein Frühstück?

Spendiert der Betrieb den Mitarbeitern ein Frühstück, kann das ein lohnsteuerpflichtiger Sachbezug sein. Doch was ist aus steuerlicher Sicht ein Frühstück?