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Die Heizung in der Lehmplatte

Tüfteln für das Wohlbefinden

Jan Grünewald sorgt dafür, dass seine Kunden sich wohl­fühlen: Er lädt sie zum Probewohnen in ein Musterhaus ein. Dort können sie auch sein neues, preisgekröntes Heizsystem testen.

 - Wohnbereich mit Ambiente: Die Treppe wurde bewusst versetzt, die Balken des Fachwerkhauses im Original erhalten. Moderne Möbel treffen auf altes Bauwerk.
Wohnbereich mit Ambiente: Die Treppe wurde bewusst versetzt, die Balken des Fachwerkhauses im Original erhalten. Moderne Möbel treffen auf altes Bauwerk.
Foto: Privat

Wer in diesem Haus gewohnt hat, will wahrscheinlich nie wieder ausziehen. Das ist das erklärte Ziel von Jan Grünewald. Der Unternehmer aus Scheden bei Göttingen hat das alte Fachwerkhaus seines Vaters in ein Musterhaus umgebaut. Auf drei Etagen hat Grünewald mit seinem Team aus Bauhandwerkern, Architekten und Bauingenieuren zahlreiche Extras in Sachen Sanierung, Renovierung, Heizung, Smart Home, Technik und Design verbaut.

 - Das moderne Bad im Erdgeschoss des Musterhauses von Jan Grünewald.
Das moderne Bad im Erdgeschoss des Musterhauses von Jan Grünewald.
Foto: Jahn

Das Bad im Untergeschoss ist ein gutes Beispiel - es könnte auch in einem noblen Penthouse einer Weltmetropole stehen: Der Boden besteht aus schwarzen hochglänzenden Glasplatten, auch die Wände sind teilweise damit verkleidet. Im Kontrast dazu stehen weiße Glaswände, der moderne Waschtisch, eine große weiße Badewanne mit Whirlpool. Ein vor der Wand fast unsichtbarer Fernseher sorgt für Unterhaltung beim Baden. Das Wasser aus der bodengleichen Dusche kommt wahlweise von der Seite, von oben oder aus der Brause.

Ein krasser Gegensatz dazu ist das Bad im Obergeschoss: Es ist ganz im Landhaus-Stil gehalten mit großen geblümten Fliesen, einer frei stehenden Badewanne und einem klassischen Waschbecken mit gewölbtem Wasserhahn. Hier wird das kalte und das warme Wasser noch separat aufgedreht.

Weitere Highlights: ein Soundsystem, das durch jeden Raum geht. Die Boxen und die Beleuchtung in allen Zimmern sind per Smartphone oder Tablet bedienbar. Alles, was das Smart Home von heute zu bieten hat, findet man in diesem Haus wieder. „Die Sanierung im Bestand ist ein großes Thema bei vielen Kunden. Wir wollen zeigen, was alles möglich ist“, sagt der 38-jährige Bauingenieur. Bewusst habe er Extras eingeplant, die so vielleicht niemand in Wirklichkeit kombinieren würde.

Seit einiger Zeit bietet Jan Grünewald seinen Kunden auch an, auf Probe in dem Musterhaus zu wohnen. „Sie sollen ausprobieren, was ihnen gefällt und was sie sich selbst in ihrem Haus vorstellen können“, betont der Unternehmer.

Vom Fliesen- zum Baubetrieb
In den elterlichen Betrieb eingestiegen ist Grünewald im Jahr 2005. „Damals war es ein reiner Fliesenlegerbetrieb. Dann kam die Baukrise und die Meisterpflicht wurde aufgehoben. Viele neue Betriebe drängten in den Markt“, erinnert er sich. Damit war klar, dass er sich von der Konkurrenz abheben wollte und musste. Deshalb bietet „Grünewald Planen.Bauen.Leben“ heute ein breites Spektrum von Dienstleistungen an. Der Betrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern hat sich ein Netzwerk aus Partnern aufgebaut und liefert Bauleistungen aus einer Hand.

Prämiertes Heizsystem
Aber noch ein Thema beschäftigt Grünewald: Die Entwicklung einer Lehmplatte für Decken und Wände, in der eine Heizung verläuft. An dem Produkt hat der Bauingenieur mehrere Jahre getüftelt. Seit der Marktreife hat er das Heizsystem nicht nur in seinem Musterhaus, sondern auch bei Kunden verbaut. „Eine Heizung dieser Art gibt es so noch nicht“, betont Grünewald. In den Lehmplatten sind Stromleitungen befestigt. Dadurch verteilt sich die Wärme im Raum – und konzentriert sich nicht mehr nur in den Bereichen rund um die Heizkörper.

Montiert werden kann die Heizung wahlweise in der Decke oder in den Wänden. Wartungskosten, wie an normalen Heizungsthermen, entfallen, sagt Entwickler Grünewald.

Die Neuheit hat auch Nicht-Handwerker überzeugt: Die Region Göttingen verlieh Grünewald und seinem Partner 2016 den Innovationspreis in der Kategorie „Gründer und Jungunternehmer“. Für den Vertrieb der Hybrid-Heizung gründeten sie das Unternehmen ArgillaTherm.

Aktuell sucht Grünewald Handwerker, die Interesse an seiner Heizung haben und auch ihren Kunden anbieten wollen. Ein Trainingszentrum für die Schulung zu dem Produkt ist in Göttingen bereits vorhanden. Bis das Heizsystem Kfw-förderfähig ist, wird es noch eine Weile dauern. Aber Grünewald versichert: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“

(ja)

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