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Auslandspraktikum

Über den Tellerrand

Land und Leute, deren Sprache, Arbeits- und Lebensweise kennen lernen - dafür lohnt sich ein Auslandspraktikum während der Lehrzeit. Auch die Arbeitgeber haben etwas davon.

von Astrid Funck

"Gjœr Det!", zu Deutsch "Mach es!", lautet der Name eines Lehrlingsaustauschprogramms der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Vierzehn Lehrlinge aus dem Kammerbezirk reisten im Spätsommer 2008 nach Norwegen, um dort in einem Handwerksbetrieb zu arbeiten. "Ich wollte mal was anderes sehen, andere Mentalitäten und Arbeitsweisen kennen lernen", sagt der 20-jährige Timo Rosenthal, Auszubildender der Kluth amp; Sohn Haustechnik GmbH in Buchholz in der Nordheide.

Drei Wochen lang hat Timo Rosenthal im norwegischen Trontheim in einem Drei-Mann-Betrieb gearbeitet, hat auf Baustellen Warmwasserspeicher angeschlossen oder Badezimmer mit eingebaut und zur Verständigung sein Schulenglisch mobilisiert. Uwe Kluth, Rosenthals deutscher Chef, war für eine Woche mit von der Partie, hat diverse Betriebe besichtigt, sich das norwegische Berufsbildungssystem erklären lassen und die Praktikanten an ihren Arbeitsplätzen besucht. "In Norwegen lassen sich die Handwerker mehr Zeit bei der Arbeit", meint Timo Rosenthal. Der Druck sei geringer als in Deutschland. Das gleiche hat auch Kluth beobachtet.

Austauschprogramme wie "Gj #156;r Det!" werden von Handwerkskammern, Berufsschulen und anderen Einrichtungen organisiert und aus den Fördertöpfen der EU bezuschusst, um die grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden und Berufsanfängern zu erhöhen. Die Nationale Agentur Bildung für Europa informiert unter www.na-bibb.de über Fördermöglichkeiten

Den grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch vorantreiben sollen auch zwei Internet-Portale: Beim Online-Dienst www.letsgo-azubi.de können sich "weltoffene Auszubildende im Handwerk" untereinander vernetzen. Sie können kostenlos Bilder, Bewertungen und Berichte zu ihrem Betriebspraktikum einstellen, Kontakte knüpfen und das übergreifende Informationsangebot nutzen. Über den Menüpunkt "Wer hilft?" gelangen sie auf die Website ww.letsgo-netz.de, wo die zuständigen Ansprechpartner bei den Handwerksorganisationen zu finden sind. Außerdem gibt es dort eine Praktikumsbörse zur Vermittlung kurzfristig frei gewordener Plätze.

Beide Online-Plattformen wurden von der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) konzipiert. "Das Handwerk muss sich mit seiner Ausbildung besser positionieren, gerade im Wettbewerb um die leistungsstarken Auszubildenden", sagt der Abteilungsleiter Berufsbildung der LGH, Thomas Waxweiler. Ein Auslandsaufenthalt könne da ein wichtiger Pluspunkt sein. Für Lehrlinge, die nicht an einem Austauschprogramm teilnehmen, sondern selbst einen Praktikumsbetrieb vorschlagen wollen, hat die LGH das Stipendienprogramm "let's go!" entwickelt. Wer sich für ein Einzelstipendium interessiert, kann sich an die zuständige Handwerkskammer oder an das "Let's go-Team" der LGH in Düsseldorf wenden. Die Berater helfen bei der Beantragung, Vorbereitung und Organisation des Praktikums.

Stipendienprogramm let's go!

Worum es geht: Auszubildende im Handwerk, die im Ausland Berufserfahrung sammeln möchten, können über das aus EU-Mitteln geförderte Programm "let's go!" ein Einzelstipendium für ein dreiwöchiges Praktikum beantragen. Die Stipendiaten bekommen einen Zuschuss von maximal 300 Euro für die Vorbereitung auf das Auslandspraktikum sowie länderabhängige Pauschalbeträge für Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung.

Wohin es geht: Gängige Zielländer von "let's go!" sind Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Spanien und die Türkei. Wer eigene Kontakte zu Kammern und Betrieben in weiteren EU-Ländern, in Island oder Liechtenstein geknüpft hat, kann auch dafür eine Förderung beantragen.

Wer alles geht: Das Stipendienangebot richtet sich an Auszubildende in Handwerksbetrieben, die zum Zeitpunkt der Ausreise mindestens 18 Jahre alt sind. Sie müssen selbst die Initiative ergreifen und sich mit ihrem Praktikumswunsch an die Kammern wenden. Der Ausbildungsbetrieb muss sich mit dem Auslandsaufenthalt einverstanden erklären.

Wie es geht: Interessierte können sich bei den Handwerkskammern beraten lassen und jederzeit ihre Bewerbung einreichen. Bis zum Beginn des Auslandspraktikums sollten die Bewerber allerdings eine Vorbereitungszeit von drei bis vier Monaten einkalkulieren.

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