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Sinnvoller Austausch

Unternehmer-Netzwerke: Von anderen lernen

Guter Rat ist (oft) teuer, deshalb scheuen viele Unternehmer die Kosten für fachlichen Rat. Netzwerke sind eine gute Alternative. Hier trifft der Macher den Macher. Und theoretisches Wissen trifft auf praktische Erfahrungen.

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Wer nicht fragt bleibt dumm. Diese Weisheit gilt auch für Unternehmer, die jede Woche vor vielen Herausforderungen stehen. „Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat“, sagt Unternehmer Michael Wendt. Er übernahm mit 21 Jahren einen insolventen Maschinenbau-Betrieb. Als er selbst praktisch noch keine Erfahrung hatte, wie ein Betrieb zu führen ist, profitierte er von einem bundesweiten Netzwerk junger Unternehmer. Heute hat Wendt 120 Mitarbeiter und arbeitet eng mit einem niederländischen Partner in seiner Branche zusammen. Den lernte er über das Netzwerk grenzenloser Maschinen- und Anlagenbau kennen. Ein neues, regional verwurzeltes Netzwerk hob Wendt gerade mit aus der Taufe.

Diese Möglichkeiten stecken in Netzwerken:

  • Von der Erfahrung anderer profitieren: Michael Wendt fragte als junger Unternehmer vor allem nach „dem richtigen Umgang mit Banken“ oder ließ erfahrene Unternehmer seinen Businessplan prüfen. „Dabei habe ich meine Blauäugigkeit verloren und viel über perfekte Vorbereitung gelernt.“ In Netzwerken geht es immer auch darum, von den Besten zu lernen.
  • Wissen, wer was macht: „Wir hatten mal einen Kunden aus der Nachbarschaft, der Maschinenbauteile jahrelang aus Bayern bezog, obwohl wir sie in 150 Meter Entfernung auch herstellten“, erzählt Wendt. Nachdem man sich vorgestellt hatte, sparte der Betrieb sich die Transportkosten gerne. Gerade regionale Netzwerke helfen, solche Blindheit zu überwinden.
  • Kooperationen: Wenn einmal klar ist, was bekannte Betriebe besser oder anders machen, können sich daraus sinnvolle Kooperationen ergeben. So arbeitet Wendt eng mit der niederländischen Firma Boumann zusammen. Aufträge: Wendt kann große Aufträge auch dann annehmen, wenn die eigenen Kapazitäten schon ausgelastet sind. Sein niederländischer Partner übernimmt dann Teile des Auftrags. Auch anders herum funktioniert das so. Glücklich ist, dass beide Unternehmen zwar ähnlich arbeiten, aber unterschiedliche Kundenstämme haben. Klüger investieren: Beide Firmen sprechen sich inzwischen ab, wenn es um große Investitionen in den Maschinenpark geht. Aus ihrer Sicht ist es wenig sinnvoll, wenn beide Partner in die gleiche teure Maschine investieren. Wissen austauschen: Boumann ist Spezialist, wenn es darum geht, Edelstahlteile zu verschweißen, Wendt kann auch konstruieren. Hier lernten beide vom jeweils anderen. Unter anderem gab es auch Mitarbeiteraustausch.
Nächste Seite: auch diese 5 Vorteile können Sie als Netzwerker nutzen!

  • Innovationen: Nicht jeder kann alles, bei Betriebsführungen ist auch zu erfahren, wie andere nicht nur unternehmerische sondern auch technische Probleme lösen. Gerade branchenübergreifenden Netzwerke öffnen den Blick für interessante Lösungen.
  • Kunden und Lieferanten überprüfen: Wenn Unternehmer aufeinandertreffen, sprechen sie selbstverständlich auch darüber, wie zuverlässig Lieferanten und Kunden sind.
  • Personalkarussell: Ebenso unterhält man sich über Mitarbeiter. Muss ein Unternehmer in schwieriger wirtschaftlicher Lage Leute entlassen, kann er gute womöglich bei Kollegen unterbringen. Dieses Wissen nutzt beiden Seiten.
  • Ihr eigener Ruf: Indem Sie aktiv an einem Netzwerk in der Region teilnehmen, tun Sie auch etwas für Ihren Ruf. Daraus können Empfehlungen werden.
  • Gewicht: Verbände und Netzwerke können auch in politischen Angelegenheiten mehr mobilisieren als ein einzelner Unternehmer. Wendts Beispiel: Eine Demonstration vor dem Berliner Reichstag mit 1200 Unternehmern.

Achtung Trittbrettfahrer!

Nicht jedes Netzwerk funktioniert gut, nicht jeder kann Honig daraus saugen. Der Coach Lars Zimmermann warnt: „In fast allen Netzwerken gibt es wenige Aktivposten und viele Trittbrettfahrer.“ Er rät dazu, sich sehr genau bewusst zu machen, welche Hoffnungen und Erwartungen mit einem Netzwerk verbunden sind. Erfüllen sie sich nicht, sei das Netzwerk womöglich Zeitverschwendung. Auch Wendt hat positive wie negative Erfahrungen in Netzwerken gesammelt.

Nächste Seite: mit welchen Grundregeln Netzwerke am Besten funktionieren.

Etikette-Regeln für Netzwerke:

  • Zuhören: Alle Unternehmer nutzen Netzwerke, um zu sehen wo sie stehen. Trotzdem fällt es unangenehm auf, wenn jemand bei Betriebsbesichtigungen ständig äußert, was er besser macht. Es geht darum, zu lernen.
  • Keine Butterfahrt: Aus Netzwerken können sich geschäftliche Partnerschaften ergeben. Sie sind jedoch keine Verkaufsveranstaltung. Halten Sie sich zurück.
  • Vorbereitung: Je besser Unternehmer Sie sich auf Termine wie Betriebsbesichtigungen vorbereiten (zum Beispiel indem sie den Internetauftritt durchsehen), desto mehr können Sie auch daraus ziehen. Der besuchte Betrieb profitiert von Ihrem Feedback.
  • Sympathien: Netzwerke bieten den Vorteil, dass Menschen einander persönlich kennenlernen. Hier merken Sie automatisch, mit welchen Partnern sich neue Möglichkeiten auftun und welche Leute Sie lieber meiden.
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Vertrauen ist wichtiger als Verträge

Michael Wendt betont, dass er mit seinem engsten Partner nicht einen einzigen Vertrag geschlossen habe. „Der beste Vertrag nützt nichts, wenn sich keiner daran halten will“, sagt er. Andersherum: „Wenn man sich gut kennt und langfristig Geschäfte miteinander machen will, braucht man eigentlich keine Verträge.“ Seiner Meinung nach stehen sich gerade deutsche Unternehmer manchmal im Weg, indem Sie zu viel vertraglich regeln wollen.

Welches Netzwerk am besten zu Ihnen passt, können nur Sie selbst beantworten. Wichtig ist, dass Sie sich vorher Gedanken über den zeitlichen Aufwand und Ihre Ziele machen. Bei der Wahl helfen vielleicht auch folgende Fragen:

Brancheninterne oder branchenübergreifende Netzwerke?
Für Wendt ist der Blick über den Tellerrand hinaus besonders attraktiv.

Regionales Netzwerk oder bundesweites Netzwerk?
Hier spielt der zeitliche Aufwand eine große Rolle.

Treffen vor Ort oder virtuell?
Sind Sie besonders internetaffin, macht es für Sie vielleicht Sinn, Netzwerke wie Xing für sich zu nutzen.

(kö)

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