Der VW Amarok Aventura macht auch abseits befestigter Straßen eine gute Figur.
Foto: Henrike Hamacher

Fuhrpark

VW Amarok Aventura im Praxistest

Eine Woche lang hat Jörg Lindemann seinen Firmenwagen gegen den VW Amarok Aventura getauscht und den großen Pick-up getestet. Wie der Testwagen sich geschlagen hat, lesen Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Der Testwagen: Mit 5,19 Meter Fahrzeuglänge ist der VW Amarok eine imposante Erscheinung. Wenn der Testwagen dann noch im markanten Ravennablau Metallic lackiert ist, fällt dieser Pick-up ganz besonders auf.
  • Der Tester: Jörg Lindemann ist Fliesenlegermeister in Hannover. Selbstständig arbeitet er seit 2009. Mit seinen drei Gesellen ist er überwiegend in der Region Hannover, mit einigen Kunden aber auch deutlich darüber hinaus unterwegs. In seinem Firmenfuhrpark finden sich sowohl der Trafic als auch Kangoos von Renault.
  • Top Verarbeitung, ein außergewöhnlich leistungsstarker Motor und eine sehr gute Übersicht im Verkehr stehen für den Testfahrer auf der Habenseite. Doch es gibt auch ein paar Punkte im Soll, die der Handwerksmeister bei den Testfahrten entdeckt hat.

5,19 Meter lang, 1,95 Meter breit (ohne die ausladenden Außenspiegel gemessen), Ravennablau Metallic lackiert – dieser Pick-up fällt auf. "Schon als VW den rausgebracht hat, hab ich davor gestanden wie ein kleiner Junge", sagt Jörg Lindemann. Der 53-jährige Fliesenlegermeister hat seinen Firmenwagen (Renault Trafic) für ein paar Tage gegen den VW Amarok getauscht. Sechs Zylinder verbauen die Nutzfahrzeugspezialisten aus Hannover unter der Haube des Pick-ups. Im Testwagen leisten die etwas mehr als 224 PS und sorgen für gewaltigen Vortrieb. Vor allem, wenn der Drehzahlmesser mehr als 3000 Touren anzeigt, wird der gewichtige Pick-up zum Eil-Laster. "Der zieht phantastisch an und hat selbst auf der Autobahn noch viele Reserven. Zudem kommt der Fahrspaß echt nicht zu kurz", lobt Lindemann. Daher gehe auch der im Bordcomputer angezeigte Durchschnittsverbrauch von knapp elf Litern noch in Ordnung. VW selbst gibt den Durchschnittsverbrauch für den Testwagen mit 7,8 Litern an. Und längere Strecken über Land mit sehr moderatem Gasfuß lassen die Verbrauchswerte auch tatsächlich unter 9 Liter rutschen. Dafür kann der Verbrauch im innerstädtischen Verkehr auch noch deutlich nach oben wandern. „Schade, dass da alle Hersteller so wenig ehrlich sind. Das dürften wir im Handwerk uns nicht erlauben“, moniert der Fliesenlegermeister.

Hoher Fahrkomfort, wenig Platz in der zweiten Reihe

Aufgefallen ist Lindemann bei diversen Fahrten zu seinen Kunden im Großraum Hannover und auch darüber hinaus die „sehr gute“ Verarbeitung. "Da quietscht nichts und die Federung ist super, selbst auf der inzwischen doch arg ramponierten Brabeckstraße. Man fährt fast wie in einer Sänfte", sagt der Unternehmer.

Dazu tragen nach Lindemanns Einschätzung auch die Sitze des Testwagens viel bei. Verstellt wird das lederbezogene Gestühl elektrisch. Es bietet guten Seitenhalt und gerade in der ersten Sitzreihe finden auch großgewachsene Fahrer sehr gut Platz. Enger geht es in der zweiten Sitzreihe zu. "Mein Sohn ist 1,94 Meter groß. Für ihn war die Rückbank zu klein", stellt Lindemann klar.

Gute Verarbeitungsqualität und tolle Übersicht

Ohne Tadel sei dagegen die Verarbeitungsqualität des gesamten Innenraums. "Für ein Nutzfahrzeug sticht das echt heraus", sagt Lindemann. So wie der Testwagen ausgestattet sei, “ist das aber sowieso eher ein klassisches Chefauto", überlegt der Hannoveraner weiter. Und als solches funktioniere der hochwertige Materialmix.

Positiv hebt Testfahrer Lindemann die gute Übersichtlichkeit des gesamten Fahrzeugs hervor. “Egal wie man sitzt, ich habe eine phantastische Rundumsicht." Zudem sorge die Fahrzeughöhe dafür, dass man vom Fahrersitz auch den vorausfahrenden Verkehr ausgezeichnet im Blick behalten kann.

"Das Laden geht ins Kreuz"

Was Lindemann dagegen nicht überzeugt hat, sind die Lademöglichkeiten eines Pick-ups. Wie bei allen namhaften Konkurrenzmodellen lässt sich die Ladeklappe des Amarok nur um 90 Grad öffnen. "Damit muss ich jeden Sack Fliesenkleber über die offenstehende Klappe hinweg heben. Und das geht ins Kreuz", spricht Lindemann aus Erfahrung nachdem er gleich am zweiten Testtag sechs Sack Fliesenkleber à 25 Kilo mit zur Baustelle genommen hat. Praktisch seien dagegen die verschiedenen Zurrösen für die Ladungssicherung. Vier verbaut VW serienmäßig rund um die Ladefläche, der Testwagen war zudem mit zwei Schienen im Laderaumboden ausgerüstet, in denen weitere Zurrpunkte individuell verteilt werden können (300 Euro zzgl. MwSt.).

Was Lindemann vor allem in Anbetracht des Fahrzeugpreises von 51.063 Euro negativ aufgestoßen ist, sind die nicht automatisch anklappenden Außenspiegel des Testwagens. "Das hielte ich gerade bei einem solch großen Auto für absolut sinnvoll und gehört bei vielen anderen Fahrzeugen zur Serienausstattung", moniert der Unternehmer. Soll der Amarok automatisch "die Ohren anlegen", kostet den Käufer das entsprechende Häkchen auf der langen Liste möglicher Optionen weitere 134 Euro (zzgl. MwSt.)

Die Ladefläche? Nicht ganz dicht!

Nicht vollends überzeugt hat ihn zudem das über der Ladefläche des Testwagens verbaute Roll-Cover-System. "Denn das schließt nicht dicht", hat Lindemann festgestellt. Kann das sein? "Das Roll-Cover schützt den Stauraum gegen Schmutz und Regen. Doch ein geringfügiger Wassereintritt kann nicht ausgeschlossen werden", sagt Andreas Gottwald. So steht es auch im Handbuch. Der Pressesprecher aus der Produktkommunikation des Nutzfahrzeugherstellers bringt ein anderes Zubehörteil ins Spiel: "Eine sinnvolle Alternative wäre ggf. ein Hardtop, um sensible Materialien, wie angesprochene Fliesenkleber, geschützt zu transportieren." Weiterer Vorteil des Hardtops: "Gegenüber dem Roll-Cover sorgt das Hardtop für eine deutliche Steigerung des so geschützten Transportvolumens." Das Hardtop erhöht nämlich den Bereich der Ladefläche bis auf die Höhe der Fahrerkabine und sorgt so für mehr Stauraum als unter dem im Testwagen verbauten Roll-Cover. Angenehmer Nebeneffekt: Das Hardtop kostet knapp 2000 Euro gegenüber 2560 Euro für das Roll-Cover (jeweils zzgl. MwSt).

Fazit

"Man steigt in den Amarok ein und man ist in einer anderen Welt. Die Ruhe mit der man in dem Fahrzeug unterwegs ist, ist wirklich erstaunlich", urteilt Jörg Lindemann am Ende des Testzeitraums. "Was ich ebenfalls sehr angenehm fand, war die Bedienungsfreundlichkeit. Ich bin kein großer Techniker. Aber ich habe alle Funktionen intuitiv nutzen können." Was für den Unternehmer Lindemann aber auch feststeht: “So wie der Testwagen ausgestattet und lackiert ist, kann ich damit sicher nicht zu jedem Kunden fahren. Der ist zu auffällig", sagt der Fliesenlegermeister. "Diskussionen über den Preis meiner Arbeit, wären damit vorprogrammiert." Trotzdem sei der Amarok ein tolles Auto, “das mir wirklich viel Spaß gemacht hat."

Technische Daten

Name: VW Amarok "Aventura"

Motor: 3.0 V6 TDI EU6 4MO BMT mit 165 kW (224 PS)

Höchstgeschwindigkeit: 191 km/h

Gewicht inkl. Fahrer: 2360 kg

Zulässiges Gesamtgewicht: 2920 kg

Zul. Anhängelast gebremst: 3500 kg

Verbrauch: 7,8 Liter/100 km

Preis ab: 26.955 Euro (zzgl. MwSt.)

Preis Testwagen: 51.063 Euro (zzgl. MwSt.)

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