Mit edlen Chrom-Details hat Mercedes-Benz seine X-Klasse stadtfein gemacht.
Foto: Dennis Gauert

Fuhrpark

Mercedes-Benz X-Klasse: Meister mit Maßanzug

Mit der Power Edition der X-Klasse, dem X 250d 4Matic, schickt Daimler einen edel aufbereiteten Japan-Pick-up ins Rennen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Ein Schwabe mit französisch-japanischen Genen: Mercedes hat mit der X-Klasse einen Pick-up im Angebot, der Nutzwert mit ganz viel Lifestyle verbindet.
  • Power Edition: Der 2,3 Liter große Turbodiesel-Motor hat mit dem 2,3 Tonnen schweren auf einem robusten Leiterrahmen aufgebauten Pick-up leichtes Spiel. Zwölf Sekunden vergehen, bis die X-Klasse die magischen 100 Stundenkilometer durchbricht. Spitze sind bei Bedarf fast 180 Stundenkilometer drin. Der Verbrauch pendelt dabei um die 10 Liter Diesel.
  • Bärenkräfte: Die Sternstunde des Schwaben schlägt im Gelände. Dank zuschaltbarem Allrad-Antrieb und Hinterachs-Sperre wühlt sich der Pick-up mit fast spielerischer Leichtigkeit auch durch schwereres Gelände.
  • Digitalisierung mit an Bord: Im Testwagen verbaut ist ein umfassendes Infotainment-System mit Navigation und die Telematik-Lösung „Mercedes Me“ mit der neben dem Serviceangebot auch Diagnose-Daten und Wartungs- und Routenplanung jederzeit griffbereit sind.
  • Und was kostet der Spaß? Für den üppig motorisierten und gut ausgestatteten Testwagen ruft Mercedes 39.149 Euro auf.

Auf Basis des Nissan Navara und mit Motor und Automatikgetriebe von Renault ausgestattet, ist die unter anderem ebenfalls in Barcelona hergestellte Mercedes X-Klasse ein typisches Nutzfahrzeug – mit einem breit gepolsterten Kimono aus Stuttgart. Wer ein SUV erwartet, hat im falschen Katalog geblättert. Die Kriterien im Segment heißen eigentlich Zuglast, Geländetauglichkeit und Zuverlässigkeit. Wenn jedoch Daimler das Konzept in Cavansitblau Metallic taucht, den Schmuck anlegt und die Brust anschwellen lässt, wird ein robuster Pritschenwagen vielleicht zum parfümierten Restaurantbegleiter.

Die Mercedes X-Klasse trägt dick auf

Optisch hat die X-Klasse den Navara und auch den Alaskan im Fitnessraum überholt. Schier unermüdlich müssen die Designer in Stuttgart Kataloge von US-Pick-ups durchgeblättert und die Bleistifte kreisen lassen haben. Am Ende kam eine um sieben Zentimeter verbreiterte, muskulöse Form heraus, die am Heck mit US-typischem Flair in den Rückleuchten abschließt. Eine Europalette passt nun quer auf die Ladefläche.

Als sei das nicht genug, trägt der Pritschenwagen einen Grill mit der Fläche eines 37-Zoll-Fernsehers auf dem der Stuttgarter Stern prangt. Die X-Klasse ist ein eindrucksvoller Mercedes. Dabei werden dem Japaner in Spanien von Franzosen deutsche Kleider angezogen. Verwirrt? Keine Sorge, das gehört heute dazu.

Spritziger Turbodiesel mit moderatem Verbrauch

Unser Testwagen, übrigens für 39.391 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zu haben, ist in der Power Edition die Luxusklasse der Baureihe. Mit dem 2,3-Liter-Turbodiesel von Renault ausgerüstet, zieht die ausgeglichene Sieben-Gang-Automatik den 2,3 Tonnen schweren Leiterrahmen in rund zwölf Sekunden auf Tempo 100 km/h. Dabei entsteht dank der 190 Diesel-PS keine Müdigkeit im Fahrersitz. Ist der Selbstzünder erst einmal warmgefahren, glänzt er durch ausgeglichenes Drehmoment, Laufruhe und einen Aha-Effekt an der Ampel.

Unser Testwagen fährt spritzig und lässt sich mit 10 Litern Diesel dafür angemessen entlohnen. Bei zügiger Fahrt oder kurzen Strecken kann sich der Verbrauch bis auf 12 Liter erhöhen. Dem Vortrieb werden bei knapp 180 km/h physikalische Grenzen gesetzt, die sich ab 155 km/h durch zunehmende Windgeräusche hinter der Kabine lautstark ankündigen. Wer die X-Klasse wirklich als Alltagsauto verwendet, kommt um den Kauf eines Hardtops nicht herum.

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Innen hat Stuttgart renoviert

Im Innenraum weht ein moderner Mercedes-Wind. Einige Elemente sind aus dem Nissan-Regal zwar erhalten geblieben, aus dem Konzept haben die Stuttgarter aber eine neue Wohnwelt erschaffen. Die runden Lüftungsdüsen mit X-förmigen Gittern und der sportlich skulpturierte Instrumententräger bringen Abwechslung in die robuste Nutzfahrzeug-Kabine.

Auch das Armaturenbrett mit braunem Kunstleder und Konstrastziernähten sowie die nussbraunen, elektrisch verstellbaren und beheizbaren Lederstühle geben dem "Lifestyle-Pick-up" (wie Mercedes ihn nennt) ein angenehmes Ambiente. Die Verarbeitung ist gut, die Materialanmutung zeigt leichte Schwächen. So reagieren besonders die Sitzflächen der beheizten Ledersitze empfindlich auf Körperkontakt und zeigen nach wenigen tausend Kilometern erste Spuren der Abnutzung.

Das Navigationssystem Comand bietet auch in der X-Klasse mehr als reines Infotainment mit Navigation. Gesteuert über einen Drehregler in der Mittelkonsole – oder gar über das darüberliegende Touchpad – ist es für die Generation Smartphone eine Sonderdisziplin. Weil von anderen Herstellern gewohnt, schwebt der Finger immer wieder in Richtung des Displays – nur dass dort kein Kontakt erwünscht ist. Wer sich aber einmal eingefunden hat, entlockt dem System alle notwendigen Informationen und Funktionen, ohne den Verkehr zu vernachlässigen.

Im System integriert ist auch Mercedes Me. Die digitale Plattform stellt ein umfassendes Serviceangebot dar, mit dem der Kunde neben Fahrzeugdaten auch E-Commerce-Funktionen nutzen kann. So lassen sich per Smartphone Fahrzeugdaten wie Flüssigkeitsstände, der Standort, aber auch Diagnose-Funktionen nutzen. Die X-Klasse lässt sich sogar über NFC per Smartphone öffnen und starten.

Ein interessantes Portfolio, das auch in puncto Marketing ein modernes Instrument der Stuttgarter ist: Leasingverträge, Finanzierungen, gar ganze Fahrzeugkäufe lassen sich über das System abwickeln. Ganz zu schweigen davon, dass die Überwachung des eigenen Fuhrparks über Mercedes Me auch eine Wartungs- und Routenplanung ermöglicht. Um das System ausgiebig zu testen, blieb im straffen Redaktionsalltag leider keine Zeit. Ein Blick lohnt sich jedoch für alle, die entweder digitale Lifestyle-Services in Anspruch nehmen möchten oder alle aktuellen Kennzahlen zum Fahrzeug jederzeit griffbereit brauchen.

Handwerker bleibt Handwerker

Auch mit digitalem Fußabdruck: Der X 250d 4Matic ist kein Pkw. Das Fahrwerk, das an der Hinterachse über Schraubenfedern an die Straße geführt wird, fällt im unbeladenen Zustand durch Zittern auf. Bei engen Bodenwellensequenzen wird man in der X-Klasse durchgeschüttelt. Bei über einer Tonne Zuladung ist das zwar ein typischer Effekt, aber im Alltag und besonders auf der Autobahn nervig. Die indirekte Lenkung verhält sich dazu wie der Löffel im Puddingtopf und gibt gepaart mit den weichen Reifenflanken ein verschwommenes Bild der Fahrsituation wider.

Im Grenzbereich schaukelt sich der Koloss auf, wird dann vom ESP aber rasch wieder in die Spur geführt. Das geschieht nicht so subtil, wie vom Pkw gewohnt, funktioniert aber gut. Der Fairness halber muss man sagen, dass das Handling beim Urmodell Navara und auch bei der Renault-Interpretation Alaskan nahezu identisch ist. Mercedes-Benz hat das Fahrwerk allerdings markentypisch etwas komfortabler abgestimmt. Auch die Geräuschdämmung wurde merklich verbessert.

Im Gelände ist die Mercedes X-Klasse nicht aufzuhalten

Aspekte, die im Gelände wiederum keine so große Rolle spielen. Denn hier ist der Stuttgarter Riese mit zuschaltbarem Allradantrieb und Hinterachs-Sperre ein Garant für Spaß: Die maximale Steigfähigkeit beträgt 100 Prozent, erst ab knapp 50 Grad Schräglage muss der Fahrer aus der umgekippten X-Klasse durchs Seitenfenster rausklettern. Das sind beachtliche Werte für einen Pick-up, die SUVs im Vergleich wie Kinderspielzeug aussehen lassen.

Dass die X-Klasse wie auch seine Brüder aus Frankreich und Japan auf der Straße nur mit Heckantrieb unterwegs ist, ist schade. Unbeladen verlieren die Hinterräder dadurch schnell den Grip. Auf sandigem Untergrund kann das ein zusätzlicher Fahrspaß sein, bei der Arbeit hindert es jedoch. Dafür stehen Allradfahrprogramme zur Verfügung, die nur auf rutschigem Untergrund und bis maximal 100 Kilometer pro Stunde (4H) verwendet werden dürfen. Ansonsten droht ein kapitaler Schaden der Differenziale. Besonders das zuschaltbare Hinterachsdifferenzial ist im Gelände enorm hilfreich und gemeinsam mit der kurzen Untersetzung ein kaum zu stoppender Antrieb.

Fazit Mercedes X-Klasse

Ab diesem Punkt ist die X-Klasse eine Frage der Perspektive. Wer den Stuttgarter als Update seines Urahnen Navara wahrnimmt, wird von der mächtigen Optik, dem schön gestalteten Innenraum und der verbreiterten Ladefläche begeistert sein. Wer einen luxuriösen Pkw als Pritsche sucht, schwelgt auch bei der X-Klasse in einer Illusion. Als reines Arbeitstier taugt ein durchschnittlich ausgestatteter Nissan Navara oder Renault Alaskan ebenso gut.

Allrad, 3,5 Tonnen Anhängelast, zuverlässige Technik – das können sie alle. Die Stuttgarter ziehen der kostspieligen Power Edition dazu ein edles Abendkleid mit neuen Details an. Bedürfnis und Begeisterung können damit gleichermaßen der Grund für ein Rendezvous mit dem X sein.

Daten Mercedes-Benz X250 4Matic Power Edition

  • Länge x Breite x Höhe (m): 5,34 x 1,92 x 1,82
  • Radstand (m): 3,15
  • Motor: Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2298 ccm
  • Leistung: 140 kW/190 PS bei 3750 U/min
  • Max. Drehmoment: 450 Nm bei 1500–2500 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 11,8 Sekunden
  • Getriebe: Sieben-Gang-Automatik
  • Testverbrauch: 10 Liter/100 km (Innenstadt)
  • CO2-Emissionen: 207 g/km
  • Leergewicht: 2300 kg
  • Zuladung: 1016 kg
  • Ladefläche Länge x Breite: 1,58 x 1,56 m
  • Bodenfreiheit: 223 mm k.A.
  • Max. Anhängelast: 3500 kg
  • Wendekreis: 13,4 m
  • Basispreis Power Edition: 38.224 Euro (zzgl. MwSt.)
  • Testwagenpreis: 39.391 Euro (zzgl. MwSt.)
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