Schon wieder ein Fehler? Brüllen hilft nicht.
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Schon wieder ein Fehler? Brüllen hilft nicht.

Mitarbeiterführung

Unzuverlässige Mitarbeiter – und nun?

Wenn Mitarbeiter zu spät kommen, unzuverlässig arbeiten oder sich nicht an Absprachen halten, sind Ihre Führungsqualitäten gefragt. So lösen Sie drei typische Fälle.

  • In Zeiten des Fachkräftemangels können sich Betriebe unzuverlässige Mitarbeiter kaum leisten.
  • Wenn ein neuer Mitarbeiter oder Azubi unzuverlässig arbeitet, sollten Sie schnell reagieren. Nutzen Sie die Probezeit, um Ihre Werte klar zu vermitteln und sorgen Sie für eine gute Einarbeitung.
  • Werden erfahrene Mitarbeiter plötzlich unzuverlässig, gehen Sie den Gründen nach. Auch private Sorgen können negative Einflüsse haben.
  • Kippt die Stimmung im Team, ist möglicherweise die Arbeitsbelastung zu hoch. Verheizen Sie Ihr Team nicht.

Am liebsten würde man ihnen kündigen: Mitarbeiter, die nicht pünktlich sind, bei Kunden Dreck hinterlassen und schlicht unzuverlässig sind. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels tun sich viele Chefs im Handwerk mit einer Kündigung schwer.

Bieten lassen können Sie sich Schlampereien nicht. Hier ist Führung gefragt, meint Helmut Heim, Ausbilder für Führungskräfte im gewerblich/technischen Bereich und Sohn eines Handwerksunternehmers. Er gibt Tipps, was Sie tun können.

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Fall 1: Ein neuer Mitarbeiter oder Azubi ist unzuverlässig

Sie haben einen neuen Mitarbeiter oder einen vielversprechenden Azubi eingestellt. Doch es läuft nicht rund, Arbeiten werden nicht so erledigt, wie es Ihnen vorschwebt.

„Die gute Auftragslage in vielen Handwerksbetrieben führt dazu, dass für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter nicht immer ausreichend Zeit ist, weil alle unter Hochdruck arbeiten“, so Heim. Ein Fehler, meint der Trainer.

„Hier ist eine deutliche Kommunikation und enge Führung gefragt“, sagt Heim. Machen Sie dem Neuen klar, für welche Werte Ihr Betrieb steht und wie sie Aufgaben erledigt haben möchten. Diese Aufgabe können Sie auch delegieren: Stellen Sie dem Neuen – egal ob Azubi oder Fachkraft – einen erfahreneren Mitarbeiter zur Seite, der wie Sie denkt und handelt.

Falls Sie den Eindruck gewinnen, dass es fachliche Probleme gibt und deshalb Fehler auftreten, sollten Sie das prüfen. „Stellen Sie eine Aufgabe, ohne eine Lösung vorzugeben und lassen Sie sich von Ihrem Mitarbeiter den Arbeitsvorgang erklären. Dann zeigt sich schnell, ob es fachliche Lücken, Verständnisprobleme oder andere Ursachen für Fehler gibt.“ Sehen Sie trotzdem Potenzial, investieren Sie in Aus- und Fortbildung.

Wenn Sie mit neuen Mitarbeitern unzufrieden sind, sollten Sie schnell reagieren. „Ein solches Verhalten sollte nicht einreißen und könnte schlimmstenfalls die Kollegen verärgern“, so Heim. Außerdem können Sie in der Probezeit im Zweifel den Neuen auch wieder entlassen.

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Fall 2: Ein langjähriger Mitarbeiter schlampt plötzlich

Anders stellt sich die Situation dar, wenn ein sonst zuverlässiges Teammitglied plötzlich schlampig arbeitet, zu spät kommt oder Absprachen ignoriert. „Hier sollten Sie als Chef die Ursache herausfinden“, rät der Führungscoach.

Sprechen Sie mit dem Mitarbeiter, ohne ihm Vorwürfe zu machen. Am Besten in einer entspannten Situation und nicht, wenn Sie gerade in Eile oder verärgert sind. Fragen Sie ihn, woran es seiner Meinung nach liegt. Geben Sie nicht auf, wenn Sie beim ersten Mal keine Antworten bekommen. „Viele Facharbeiter, genauso wie gewerbliches Personal, sind es nicht gewohnt, über Probleme, geschweige denn Gefühle zu sprechen“, meint Heim.

Wenn eine Antwort kommt, dann hören Sie zu. Fragen Sie notfalls nach, wenn Sie glauben, etwas misszuverstehen, bis Sie die Beweggründe des Mitarbeiters und die Umstände nachvollziehen können. Liegen die Gründe in der Arbeitssituation? Was hat sich für den Kollegen verändert? Oder sind private Sorgen die Ursache für die Unaufmerksamkeit? „Bieten Sie Unterstützung an, um den Mitarbeiter zu entlasten oder ihn wieder in die Bahn zu bringen“, sagt Heim. „Die Allermeisten danken Ihnen diese Einzahlung in das Beziehungskonto danach noch sehr lange!“

Fall 3: Die Stimmung im Team kippt

Früher lief im Betrieb alles wie am Schnürchen, doch plötzlich tauchen vermehrt Fehler auf? Dann sollten Sie prüfen, ob Sie Ihr Team überfordern. „Volle Auftragsbücher und Fachkräftemangel bedeuten, dass Ihr Team permanent Vollgas geben muss“, sagt Heim.

Auch Sie als Chef sind eingespannt, Ihre Prioritäten liegen bei den Kunden und Ihren Aufträgen, jedoch zu wenig beim Team. „Das kann fatale Folgen haben“, warnt der Coach. „Wenn Sie Ihr Team verheizen, ist am Ende niemand außer Ihnen mehr da, der die Arbeit macht.“

Gerade in stressigen Zeiten sei es wichtig, die Mitarbeiter in den Fokus zu rücken. „Mitarbeiter sind das Gold des Unternehmens“, ist Heim überzeugt. Also nehmen Sie sich die Zeit für regelmäßige Gespräche und teilen Sie Informationen über die Auftragslage und die gesamte Situation mit ihnen.

„Früher hieß es gern, jemand sei nicht zum Denken eingestellt, sondern zum Arbeiten“, sagt der Trainer. „Heute ist das anders: Holen Sie Ihr Team mit ins Boot und überlegen Sie gemeinsam, wie sich die Arbeitsbelastung reduzieren lässt. Geben Sie Ihren Leuten ein bisschen Zeit, dann werden Ideen und Lösungen kommen.“

Fragen Sie sich ehrlich: Müssen Sie jeden Auftrag annehmen? „Niemand sagt gerne nein“, betont Heim. „Doch neben der guten Auftragslage stehen auch die Mitarbeiter, bestehende wie zukünftige, im Fokus guter Führungskräfte und Unternehmer. Denn für eine nachhaltige, solide Unternehmensentwicklung ist das genauso wichtig.“

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