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Recht

Urlaub: Diese Urteile sollten Arbeitgeber kennen

Manche Arbeitnehmer verplanen zu wenig Urlaubstage, andere zu viele. Beides kann zu Streit führen. 8 Urteile zum Thema Urlaub im Überblick.

Inhaltsverzeichnis

  • Ob nicht genommener Urlaub, Urlaubsantrag per E-Mail oder die Vererbbarkeit von Urlaubsansprüchen – freie Tage sind manchmal Anlass für Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
  • Regelmäßig müssen sich auch Gerichte mit solchen Streitigkeiten auseinandersetzen.
  • In diesem Artikel finden Sie eine Auflistung von Gerichtsentscheidungen zum Thema Urlaub, die wir regelmäßig aktualisieren.

Urlaub ist vor allem dazu da, dass sich Mitarbeiter erholen können. Manche Arbeitgeber greifen deshalb sogar tief in die Tasche und zahlen ihren Angestellten Urlaubsgeld. Trotzdem herrscht nicht immer Einigkeit, wenn es um freie Tage geht. Mal ist es die Urlaubsplanung, die für Streit sorgt, mal sind es handfeste Streitigkeiten um Urlaubsansprüche. Können sich Chefs mit ihren Mitarbeitern nicht einigen, landet ein Streit im schlimmsten Fall vor Gericht. Doch wie entscheiden die Richter in solchen Fällen? Hier ein Überblick.

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100 Prozent Kurzarbeit: Keine Arbeit und kein Urlaub?

Wegen Kurzarbeit war eine Arbeitnehmerin für drei Monate komplett zu Hause. Trotzdem pochte die Frau für diese Monate auf ihren vollen Urlaubsanspruch. Doch ihr Arbeitgeber machte das nicht mit und bekam vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf Recht (Az. 6 Sa 824/20). Der Urlaub sei für jeden vollen Monat der Kurzarbeit um 1/12 zu kürzen.

Warum Arbeitnehmer keine Urlaubsansprüche erwerben, wenn sie zu 100 Prozent in Kurzarbeit sind, erfahren Sie hier.

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Arbeitsfreie Zeit mit dem Urlaubsanspruch verrechnen?

Ein Baubetrieb kann einem Bauleiter keine neue Arbeit zuteilen. Mündlich vereinbart er mit dem Mann deshalb, dass die arbeitsfreie Zeit mit dem Urlaubsanspruch verrechnet wird. Später besteht der Mitarbeiter auf seinen Urlaubsanspruch. Zu Recht, entschied das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (Az.: 13 Sa 602/20). Die arbeitsfreie Zeit sei nicht als Urlaub zu werten, weil es an einer unwiderruflichen Freistellungserklärung durch den Arbeitgeber fehle.

Worauf Betriebe bei der Verrechnung von Urlaubsansprüchen noch achten müssen, lesen Sie im Beitrag „Kann arbeitsfreie Zeit mit dem Urlaub verrechnen werden?“.

Bundesarbeitsgericht: Urlaubstage verfallen nicht automatisch

Wegen 51 verfallener Urlaubstage verklagte ein Mitarbeiter seinen ehemaligen Arbeitgeber. Der Mann forderte rund 12.000 Euro Schadensersatz. Das Bundesarbeitsgericht entschied (Az. 9 AZR 541/15): Der Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern erlischt nur dann am Ende eines Kalenderjahres, wenn der Arbeitgeber zuvor über den Anspruch und die Verfallsfristen informiert hat.

Was dieses Urteil für die Praxis genau bedeutet, erfahren Sie im Beitrag „Nicht genommener Urlaub verfällt nicht automatisch“.

Dauerkrank und dann noch Urlaubsansprüche?

Weil ein Arbeitgeber versäumt, eine dauerkranke Mitarbeiterin darauf hinzuweisen, dass nicht genommener Urlaub zum Jahresende verfällt, klagt die Frau auf Auszahlung ihrer Urlaubsansprüche. Doch vor dem Landesarbeitsgericht Hamm (Az.: 5 Sa 676/19) hat die Angestellte keinen Erfolg. Das Unternehmen habe die erkrankte Mitarbeiterin am Ende des Jahres nicht auf verfallende Urlaubsansprüche hinweisen müssen und der Urlaub sei verfallen.

Was bei einer dauerhaften Erkrankung für Urlaubsansprüche gilt, erfahren Sie im Beitrag „Kein Urlaub für dauerkranke Mitarbeiter“.

Stundenweise Urlaub gewähren? Das müssen Betriebe nicht!

Jahrelang gewährte ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern auch stundenweise Urlaub. Als er diese Praxis einstellte, reichte ein Mitarbeiter Klage ein. Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Az.: 11 Sa 39/17) stellte sich auf die Seite des Arbeitgebers. Aus dem Bundesurlaubsgesetz ergebe sich kein Anspruch auf Bruchteile von Urlaubstagen, sondern auf Werktage, so die Urteilsbegründung.

Im Streit um stundenweisen Urlaub können Arbeitnehmer unter Umständen bessere Karten haben. Wann das der Fall ist, lesen Sie im Beitrag „Betriebe müssen keinen stundenweisen Urlaub gewähren“.

Krank melden aber Urlaub machen? Ein Kündigungsgrund!

Eine Mitarbeiterin meldete sich bei ihrem Arbeitgeber krank und verreiste. Ihr Arbeitgeber kam dahinter und stellte eine fristlose Kündigung aus. Zu Recht, entschied das Landesarbeitsgericht Köln (Az. 4 Sa 936/16). Schließlich können Arbeitgeber kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.

Warum der Rausschmiss trotz Krankschreibung rechtmäßig war, erfahren Sie im Beitrag „Vorgetäuschte Krankheit ist Kündigungsgrund“.

Kündigung nach eigenmächtigem Spontanurlaub? Zu Recht!

Eine Arbeitnehmerin vereiste spontan und schrieb ihrem Chef eine E-Mail. Der revanchierte sich mit einer Kündigung. Zu Recht, entschied das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (Az.: 8 Sa 87/18). Die eigenmächtige Inanspruchnahme von Urlaub ist ein Kündigungsgrund, so das Urteil.

Warum die Richter in diesem Fall sogar eine fristlose Kündigung gerechtfertigt sahen, erfahren Sie im Beitrag „Eigenmächtiger Spontanurlaub rechtfertigt fristlose Kündigung“.

Tod eines Mitarbeiters: Urlaubsansprüche sind vererbbar

Nach dem Tod ihres Mannes verklagte eine Witwe dessen Arbeitgeber. Sie verlangte eine Vergütung für den Resturlaub, den ihr Gatte nicht genommen hatte. Vor dem Bundesarbeitsgericht bekam die Frau recht (Az.: 9 AZR 45/16).

Die Begründung des Gerichts lesen Sie im Beitrag „Bundesarbeitsgericht: Urlaubsansprüche sind vererbbar“.

Beitrag vom 26. Juli 2019, aktualisiert am 19. Juli 2021.

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