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Väter in Elternzeit: Eine Frage der Organisation

Immer mehr Väter gehen in Elternzeit. Was für große Unternehmen unproblematisch ist, wird für kleine Betriebe eine echte Herausforderung. Doch wer rechtzeitig in die Planung einsteigt, kann die Lücke gezielt schließen.

Auf einen Blick:

  • Die Zahl der Väter, die in Elternzeit gehen, steigt – auch im Handwerk.
  • Für kleine Betriebe sind auch die beiden "Vätermonate" eine logistische Herausforderung.
  • Wer das Thema gezielt anspricht und sein Team sensibilisiert, kann damit rechnen, dass Väter ihre Wünsche frühzeitig äußern.
  • Im Idealfall planen Chef, Mitarbeiter und Team die Organisation der Elternzeit gemeinsam. Denn Offenheit stärkt den Zusammenhalt des Teams.

von Martina Jahn

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Das Interesse an der Elternzeit und dem damit verbundenen Elterngeld steigt: 2016 haben laut statistischem Bundesamt gut 1,6 Millionen Mütter und Väter Elterngeld bezogen – alles in allem fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Insgesamt stieg auch die Zahl der Väter, die ihre Arbeitszeit zugunsten der Familie reduzieren oder eine Zeit lang ganz aus dem Beruf aussteigen: Schon im Jahr nach der Einführung des Elterngeldes in 2007 hatte sich die Zahl verachtfacht. 2014 stieg der Anteil der Väter, die Elterngeld beziehen, erstmals über 30 Prozent, vermeldet das Bundesfamilienministerium. Und heute nimmt sogar jeder dritte Mann die Vätermonate.

Wie lange gehen Väter in Elternzeit – und warum?

Die meisten Väter (79 Prozent) nehmen bis zu zwei Monate Elternzeit und schöpfen damit die sogenannten „Vätermonate“ aus. In diesen zwei Monaten wird dem Partner Elterngeld gezahlt, auch wenn die Mutter schon 12 Monate Elterngeld bezogen hat.

Ein Großteil der Väter unterbricht während der Elternzeit vollständig ihren Job: nur 14 Prozent arbeiten in Teilzeit (bis maximal 30 Wochenstunden) weiter. Seit Einführung des ElterngeldPlus steigt jedoch die Zahl der Paare, die sich für eine Arbeitszeitreduzierung bei finanzieller Unterstützung durch den Staat entscheiden, berichtet das Familienministerium.

Gründe: Darum gehen Väter in Elternzeit

Väter, die Elternzeit nehmen, wollen vor allem mehr Zeit mit der Familie verbringen. Diese Gründe führen die meisten Väter an:

  • das Erleben einer schönen, gemeinsamen Familienzeit,
  • die Neuorganisation des gemeinsamen Familienlebens,
  • eine dauerhafte Prioritätenverschiebung zugunsten der Familie,
  • Unterstützung der Partnerin bei der Wiederaufnahme ihrer Erwerbstätigkeit,
  • frühzeitige Stärkung der Vater-Kind-Beziehung,
  • Rolle eines gleichwertigen Elternteils neben der Mutter.

Mehr Handwerker in Elternzeit

Auch im Handwerk nimmt die Zahl der Väter in Elternzeit zu, weiß Christina Völkers von der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Genaue Zahlen liegen ihr dazu allerdings nicht vor. Dennoch sagt Völkers: „Die Elternzeit für Väter ist im Handwerk normaler geworden als noch vor einigen Jahren.“ In der Gesellschaft habe die Auszeit für die Familie heute einen ganz anderen Stellenwert als früher. Auch Väter in typischen Männerberufen würden schon lange nicht mehr komisch angeschaut, wenn sie in Elternzeit gehen, betont sie.

Was spricht aus Völkers Sicht für eine Familien-Auszeit für Väter? „Es fördert das gegenseitige Verständnis in einer Partnerschaft. Denn derjenige, der Vollzeit arbeiten geht, kann sich oft gar nicht vorstellen, wie der Alltag allein mit einem Baby ist.“ Zudem sehen die sonst ausschließlich berufstätigen Partner den familiären Alltag eher als Bestandteil ihres Lebens an.

Was bringt die Elternzeit aus Sicht der Betriebe? „Mitarbeiter mit neuen Fähigkeiten und Erfahrungen, die auch in der Arbeitswelt nützlich sind, beispielsweise Durchsetzungsvermögen oder Konfliktfähigkeit“, sagt Völkers. Die meisten Väter kämen gestärkt, erholt und motiviert zurück an den Arbeitsplatz, berichtet die Leiterin der Koordinierungsstelle für Frauenförderung an der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Das trage zum positiven Arbeitsklima bei. Und zur Mitarbeiterbindung: Wenn der Betrieb den Mitarbeiter in familiären Belangen unterstützt, setzt sich der Mitarbeiter vermutlich auch eher für den Betrieb ein.

Offenheit begünstigt die Planung

Trotz steigender Zahlen: Ein Großteil der Handwerksbetriebe habe mit Sicherheit noch nicht erlebt, dass jemand aus dem Team in Elternzeit geht, ist sich Christina Völkers sicher. Wer als Chef nicht unvorbereitet sein will, könne dafür etwas tun, sagt sie. Offenheit für das Thema erleichtere die Planung im Ernstfall:

  • Sensibilisieren Sie das Team: „Sprechen Sie in Mitarbeitersitzungen an, dass Sie offen für das Thema sind“, sagt Völkers. Damit erreichen Sie, dass Mitarbeiter sich mehr mit der Thematik beschäftigen. Und Sie können sich gemeinsam mit Ihrem Team konkrete Gedanken über Planung und Umsetzung machen. Je öfter und konkreter Sie das Thema ansprechen, desto vertrauter werden auch Ihre Mitarbeiter damit. Werdende Väter, die noch nicht darüber nachgedacht haben, finden vielleicht Interesse daran – ein Beitrag zur langfristigen Mitarbeiterbindung. Und ältere Mitarbeiter können so leichter Verständnis für die Wünsche jüngerer Väter entwickeln. Der Vorteil: In einem offenen Klima werden Mitarbeiter Sie eher frühzeitig über ihre Wünsche informieren. Umso besser können Sie planen.
  • Laden Sie zu persönlichen Gesprächen ein: Wenn Sie wissen, dass jemand Vater wird, sprechen Sie die Person gezielt an und fragen Sie nach den Vorstellungen des Mitarbeiters. Besprechen Sie erst mit ihm, wie die Elternzeit in die Planung des Betriebs passen kann. Sie können Ihre Vorstellungen klar äußern und die Wünsche des Mitarbeiters in die Planung einbeziehen.
  • Beziehen Sie das gesamte Team mit ein: indem Sie für alle offenlegen, wie Sie sich die Planung mit einer Person weniger vorstellen. Holen Sie das Team mit ins Boot. Anschließend können alle Mitarbeiter Ideen und Meinungen äußern und Sie können gemeinsam Lösungen finden, die das Team mitträgt. Wenn sich der Wunsch des nächsten Vaters ankündigt, sind alle schon darauf vorbereitet, wie eine Umplanung aussehen kann.

Die Lücke schließen: So überbrücken kleine Betriebe die Elternzeitmonate

Je größer der Betrieb ist, desto leichter werden Sie die Lücke schließen, die Mitarbeiter in Elternzeit hinterlassen. Je kleiner ein Team, desto mehr Planung und Flexibilität ist gefragt. Einige Tipps zur (Um)-planung von Christina Völkers von der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade:

Maßnahmen für 2 bis 4 Monate Elternzeit:

  • Auftragslage herunterfahren: Wenn Sie wissen, dass ein Mitarbeiter in einem bestimmten Zeitraum fehlt, planen Sie weniger Aufträge ein. Aber auch dafür brauchen Sie Planungssicherheit und müssen rechtzeitig wissen, wann der Mitarbeiter Elternzeit nehmen möchte.
  • Urlaubssperre: Für die Zeit der Abwesenheit eines Mitarbeiters in Elternzeit, gilt Urlaubssperre für andere Mitarbeiter.
  • Aufgaben umschichten: Verteilen Sie die Aufgaben des fehlenden Mitarbeiters auf andere im Team. Schauen Sie, wer sich für welche Tätigkeiten eignet.
  • Teams umbauen: Je nach Auftragslage wie auch nach Fähigkeiten und Qualifikationen des Teams können Sie die Mannschaft so organisieren, dass sie die nicht anwesende Person entsprechend vertritt.

Maßnahmen für mehr als 4 Monate Elternzeit:

Zusätzlich zu den oben genannten Punkten können Sie bei längerer Abwesenheit mit diesen Maßnahmen besser planen:

  • Zeitarbeiter einsetzen: Wenn Sie rechtzeitig wissen, dass jemand in Vollzeit länger nicht da ist, können Sie sich mit Zeitarbeitern oder Mitarbeitern aus Fremdfirmen behelfen. Auch hier gilt: Je eher Sie suchen, desto größer ist die Chance, dass Sie gut ausgebildetes Ersatzpersonal bekommen.
  • Einarbeitungszeit einplanen: Wenn Sie einen externen Mitarbeiter als Elternzeitvertretung beschäftigen, stellen Sie sicher, dass die Person vorher entsprechend eingearbeitet wird – noch bevor Ihr Mitarbeiter geht.
  • Kontakt zum Mitarbeiter halten: Stellen Sie sicher, dass der Kontakt zu dem Mitarbeiter in Elternzeit nicht abbricht. Laden Sie ihn ab und zu ein und lassen Sie ihn an Firmenveranstaltungen teilnehmen. So stellen Sie sicher, dass er über Neuigkeiten informiert ist und den Anschluss nicht verliert.
  • Rechtzeitig die Rückkehr planen: Falls Sie es vor dem Beginn der Elternzeit nicht getan haben, planen Sie mit einigen Monaten Vorlauf die Rückkehr des Vaters. Laden Sie ihn zum Gespräch ein und besprechen Sie den Wiedereinstieg. Eine enge Abstimmung verhindert auch, dass Sie beispielsweise von einer Verlängerung der Elternzeit überrascht werden.

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