Steuerliche Verlustkürzungen sind nur zulässig, wenn der Vorläufigkeitsvermerk im Bescheid begründet war.
Foto: PeJo - Fotolia.com

Steuern

Verlustkürzung bei „Liebhaberei“ nur mit Begründung

Die rückwirkende Verlustkürzung bei Tätigkeiten aus „Liebhaberei“ ist nicht in jedem Fall zulässig. Entscheidend ist, dass der Fiskus den Vorläufigkeitsvermerk begründet.

Wer mit seiner handwerklichen Selbstständigkeit über mehrere Jahre Verluste macht, kann irgendwann nicht mehr mit der Geduld des Finanzamtes rechnen. Unterstellt der Fiskus „Liebhaberei“, also eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht, wird er die Verluste steuerlich nicht mehr anerkennen. Er kann auch die Verluste der Vorjahre nachträglich kürzen, wenn die Steuerbescheide vorläufig erlassen wurden. Doch dabei gibt es eine Einschränkung, wie jetzt das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz entschieden hat: Rückwirkende Verlustkürzungen sind nur dann zulässig, wenn das Finanzamt die Gründe und den Umfang von diesbezüglichen Vorläufigkeitsvermerken im Erläuterungsteil der jeweiligen Steuerbescheide ausdrücklich begründet hat.

Das gilt auch dann, wenn das Finanzamt vorläufige Steuerbescheide ändert, dabei jedoch die Vorläufigkeit bezüglich der fehlenden Gewinnerzielungsabsicht aufrechterhält: Bei jeder Änderung des Bescheids müsse dieser Vermerk im Erklärungstext erneut erläutert werden, entschied das Gericht. Denn „ein in einem Änderungsbescheid enthaltener Vorläufigkeitsvermerk, der an die Stelle eines bereits im Erstbescheid enthaltenen Vorläufigkeitsvermerks tritt, bestimmt den Umfang der Vorläufigkeit neu“.

Noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen: Der Fall liegt nun beim Bundesfinanzhof (Az. VIII R 12/17). Betroffene können in solchen Fällen also Einspruch gegen Verlustkürzungen einlegen, unter Verweis auf dieses laufende Verfahren.

FG Rheinland-Pfalz: Urteil vom 22. August 2017, Az. 3 K 2227/15

Weitere Artikel zum Thema:

Zusage vom Finanzamt im Rechtsstreit ist bindend

Hebt das Finanzamt in einem Rechtsstreit einen Änderungsbescheid samt Steuerschätzung auf, dann muss es sich daran halten. Selbst dann, wenn es neue Beweise vorlegen kann.
Artikel lesen >

Steuern

Verluste verrechnen

Wer Verluste macht, kann sie auf verschiedenen Wegen verrechnen. Doch Vorsicht: Ganz ohne Gewinnsträhne lässt das Finanzamt nicht ewig mit sich spaßen.

Foto: Björn Wylezich - Fotolia.com

Recht

Zusage vom Finanzamt im Rechtsstreit ist bindend

Hebt das Finanzamt in einem Rechtsstreit einen Änderungsbescheid samt Steuerschätzung auf, dann muss es sich daran halten. Selbst dann, wenn es neue Beweise vorlegen kann.

Korrigieren darf das Finanzamt eigene Fehler nur, wenn es sich um Rechtschreib- Rechen- oder Übertragungsfehler handelt.
Foto: H_Ko - stock.adobe.com

Steuern

Darf das Finanzamt eigene Fehler berichtigen?

Fehler passieren, auch im Finanzamt. Wenn aber drei Finanzbeamte einen Fehler nicht bemerken, darf ihn ein vierter später nicht nachträglich berichtigen.

Steuern: Verluste bei Krankheit absetzen

Bei Krankheit schaut der Fiskus genauer hin

Stellen Sie sich vor, Sie werden krank und der Betrieb macht Miese. Wird das Finanzamt die Verluste anerkennen? Kommt drauf an, wie die Geschäfte vorher liefen!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.