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Vermittler in Wechsel-Jahren

Vermittler in Wechsel-Jahren

Zahlreiche Betriebe haben Wechsel bei Planungsbüros unterschrieben. Experten warnen vor der Zahlungsmethode.

Mitten in einer Auftragsflaute: Ein Telefon-Akquisiteur der Zweig Planungsbüro GmbH in Hannover begeistert den Malermeister Axel Dönßelmann mit lukrativen #132;Aufträgen in Ihrer Region #147;. Wenige Tage später unterschreibt der Handwerker einen Vertrag mit den Auftragsvermittlern.

Dönßelmann war nicht bekannt, dass zahlreiche Experten den Wert solcher Verträge anzweifeln. Ihr Vorwurf: Nach dem Vertragsabschluss vermitteln Unternehmen wie das Zweig Planungsbüro keine konkreten Aufträge.

Was neu ist: Für die 3 200 Euro Gebühren, mit der sich das Zweig Planungsbüro seine Dienstleistung bezahlen lässt, hat Dönßelmann einen Wechsel unterschrieben. Warum diese Zahlungsmethode? #132;Immer mehr Betriebe haben die Verträge nach der Unterschrift widerrufen. Dann sind Auftragsvermittler auf den Kniff mit den Wechseln gekommen #147;, glaubt der Bremer Rechtsanwalt Gernod W. Bochert.

Bislang mussten Auftragsvermittler die Gebühren einklagen, wenn die Handwerker die Zahlung verweigerten. Jetzt müsse der Handwerker das Geld einklagen, wenn der Wechsel erst einmal eingelöst worden sei, verdeutlicht Borchert. Damit habe sich das Prozesskostenrisiko zu Ungunsten der Betriebe verlagert.

Die Redaktion hat die Zweig Planungsbüro GmbH um eine Stellungnahme zu Borcherts Sicht der Dinge gebeten. Eine Antwort ist ausgeblieben.

Dönßelmann könnte mit einem blauen Auge davonkommen. Als Zweig den Wechsel bei der Hausbank des Malermeisters #150; der Sparkasse Bremen #150; vorlegte, hat das Kreditinstitut die Einlösung verweigert. Der Grund: Rechtsanwalt Borchert hatte die Banker rechtzeitig über Zweig informiert. Bislang habe das Planungsbüro dagegen keine rechtlichen Schritte eingeleitet, sagt der Jurist.

Schon weil das #132;Wechselgeschäft heute keine Bedeutung mehr #147; habe, sei jeder Wechsel ungewöhnlich, meint Hans-Werner Gerke, Finanzierungsexperte der Hannoverschen Volksbank. Sein Ratschlag: #132;Erkundigen Sie sich ganz genau über Ihren Geschäftspartner, bevor Sie einen Wechsel unterschreiben. #147; Die Forderung könne #150; ob ein Geschäft oder ein Vertrag nun dubios sei oder nicht #150; aus dem Papier selbst geltend gemacht werden.

Selbst wenn die Hausbank den Wechsel nicht einlöst, könne der Inhaber des Wechsels gegen den Unterzeichner vorgehen. Im Fall der Fälle stelle der Richter nur eine Frage: Haben Sie den Wechsel unterschrieben oder nicht?

Nur wenige Minuten nach der Unterschrift unter den Wechsel ist Dönßelmann der Merksatz eines Dozenten auf der Meisterschule eingefallen: #132;Über den Wechsel schreibe hin, schreibe her, aber schreibe niemals quer. #147; Erklärung: Wechsel werden üblicherweise quer auf dem linken Rand unterschrieben.

(sfk)

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