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Falsche Steuernummern erkennen

Vorsicht bei neuen Lieferanten

Wer als Handwerker einen neuen Dienstleister, Subunternehmer oder Lieferanten beauftragt, sollte bei den Rechnungen genauer hinsehen: Immer wieder legen Gründer schon mal los, obwohl ihnen der Fiskus noch keine richtige Steuernummer erteilt hat. Das kann Sie die Vorsteuer kosten.

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Klare Ansage vom Bundesfinanzhof (BFH): Wer beim Finanzamt Vorsteuer auf eine Rechnung geltend machen will, muss sich davon überzeugen, dass der Lieferant die Steuernummer korrekt angegeben hat.

Zumindest hat ein Unternehmer keinen Anspruch auf Vorsteuer, wenn er schon auf den ersten Blick erkennen müsste, dass es die angebliche Steuernummer des Lieferanten so nicht stimmen kann.

In dem behandelten Fall hatte das Finanzamt einem Unternehmen die Vorsteuer auf die Rechnung eine Reinigungsfirma verweigert. Der Grund: Die Reinigungsfirma hatte noch keine Steuernummer. Stattdessen hatte sie als vermeintliche Steuernummer "75/180 Wv" eingetragen. Dabei handelte es sich jedoch nur um das Aktenzeichen der Reinigungsfirma aus dem Schriftwechsel mit dem Finanzamt zur Erteilung einer Steuernummer.

Nach Ansicht des BFH hätte der Unternehmer schon durch den Vergleich mit seiner eigenen Steuernummer erkennen können, dass die Nummer der Reinigungsfirma nicht den in Deutschland gebräuchlichen Steuernummern entspricht.

Woran erkennen Sie eine korrekte Steuernummer?
Die Steuernummern haben in den Bundesländern eine leicht unterschiedliche Systematik, allerdings gibt es sieben verschiedene Formen davon. Sie sind aber relativ einfach zu erkennen:

  • Sie bestehen immer aus Ziffernblöcken, die entweder durch einen, zwei oder drei Schrägstriche oder Leerzeichen getrennt sind also zum Beispiel 123/456/7890 oder 123 456 7890
  • Der erste Ziffernblock enthält zwei oder drei Ziffern.
  • Der zweite Ziffernblock ist in Nordrhein-Westfalen 4-stellig, sonst immer 3-stellig.
  • Der dritte Block ist in Nordrhein-Westfalen 4-stellig, in allen anderen Bundesländern 5-stellig.
  • Eine Ausnahme von diesen Punkten gibt es in Baden-Württemberg: Dort besteht die Steuernummer nur aus zwei Ziffernblöcken, der Erste hat 5 Stellen, der zweite hat 4 Stellen, also zum Beispiel 12345/6789.
  • Auch Rheinland-Pfalz macht eine Ausnahme: Dort gibt es vier Ziffernblöcke, also 12/345/678/9
  • Die Steuernummern enthalten jedoch nie Buchstaben.

Wo können Sie nachfragen?
Sind Sie sich nicht sicher, ob eine Steuernummer korrekt ist, so können Sie nur beim für den Lieferanten zuständigen Finanzamt anrufen.

Welches Finanzamt zuständig ist, erfahren sehr schnell auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern: Geben Sie auf der Seite http://gemfa.bzst.bund.de/gemfai.exe den Sitz oder die Postleitzahl Ihres Lieferanten ein. Dann erhalten Sie die Kontaktdaten des Finanzamtes einschließlich der Telefonnummer.

Woran erkennen Sie eine korrekte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer?
Alternativ können Unternehmen in Rechnungen statt der Steuernummer auch die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (Umsatzsteuer-ID) angeben.

Die Umsatzsteuer-ID eines deutschen Unternehmens besteht aus beiden Großbuchstaben DE und neun Ziffern, also zum Beispiel DE123456789.

In den übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind die ID-Nummern nicht ganz einheitlich geregelt. Nutzen Sie daher im Internet die Umsatzsteuer-ID-Abfrage des Bundeszentralamtes für Steuern unter http://evatr.bff-online.de/eVatR/

Was Sie bei einer falschen Steuernummer tun können und worauf Sie bei Rechnungsangaben für den Vorsteuerabzug noch achten sollten, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Was tun, wenn die Steuernummer nicht stimmt?

Fehlt die Steuernummer oder die Umsatzsteuer-ID oder ist sie nicht korrekt, dann ist die Rechnung umsatzsteuerrechtlich nicht korrekt. In diesem Fall sollten Sie die Rechnung nicht bezahlen und eine korrigierte Rechnung einfordern.

Stellt sich der Lieferant quer, sollten sie in jedem Fall Ihren Steuerberater einschalten.

Stimmen die anderen Rechnungsangaben?
Für den Vorsteuerabzug kommt es nicht auf die Steuernummer an. Auch wenn andere Angaben der Rechnung nicht den Anforderungen des Paragrafen 14 Umsatzsteuergesetz entsprechen, gibt es keinen Vorsteuerabzug.

Was in eine Rechnung gehört, finden Sie in allen Details hier

Was tun, wenn der Betriebsprüfer die falsche Steuernummer bemerkt?
In dem Fall haben Sie immer noch die Möglichkeit, die Rechnung vom Lieferanten nachträglich korrigieren zu lassen. Das macht ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs möglich.

(jw)

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