224-Diesel-PS aus drei Litern Hubraum verhelfen dem 2,3 Tonnen schweren Amarok Canyon zu beachtlichen Fahrwerten.
Foto: Dennis Gauert

Edel-Pick-up

VW Amarok: Sinn für den Unsinn

Brachiale Kraft, mäßiger Durst, feines Interieur – VW hat den Amarok mit dem Modell Canyon weiter aufgewertet. Wir waren mit dem Edel-Pick-up unterwegs.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Unvernunft, die viel Fahrspaß bietet: 224-Diesel-PS, Acht-Gang-Automatik – die technischen Daten des VW Amarok Canyon lesen sich viel mehr nach Auto-Quartett als nach Nutzfahrzeug.
  • Entspannter Cruiser mit brachialem Biss: Trotz solider Blattfedern ist der Amarok auch auf der Autobahn entspannt unterwegs. Schlüssel zum sanften Dahingleiten des 2,3 Tonnen schweren Geschosses ist die mit 600 Kilogramm vergleichsweise geringe Zuladung.
  • 500 Newtonmeter Drehmoment: Die gewaltige Kraft des V6-Motors verhilft dem Pick-up zu einer ungeahnten Leichtigkeit.
  • Erstaunlich sparsam unterwegs: Trotz der gewaltigen Leistungsdaten begnügt sich der VW auch bei forscher Fahrweise mit durchschnittlich zehn Litern. Zügelt man den Gas-Fuß, pendeln sich die Verbrauchswerte bei runden acht Litern ein.
  • Edles im Innenraum: Alcantara, Sitzheizung, moderne Assistenz-Systeme – im Innenraum gibt sich das Nutzfahrzeug eher als stadtfeines SUV.

Wenn 2,3 Tonnen Leergewicht auf 224 Diesel-PS und eine Acht-Gang-Automatik treffen, kann von einem Nutzfahrzeug kaum mehr die Rede sein. Allein die Vorstellung, über diesen Pick-up im traditionellen Sinne zu berichten, erscheint absurd. Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um die 56.614 Euro (zzgl. MwSt.) zu investieren, die unser Testwagen kostet. Davon entfallen 10.521 Euro ausschließlich auf die Sonderausstattung.

Ein Blickfang in Honey Orange Metallic

Das Ergebnis ist ein Blickfang in Honey Orange Metallic, der dank der neu designten mattschwarzen Sportsbar und Canyon-Dekorfolien keinen Hehl aus seinem Anspruch macht. Neben der optischen Erscheinung bietet der Amarok weiter guten Nutzwert. 3,5 gebremste Tonnen dürfen an die Anhängerkupplung gehängt werden, etwa 600 Kilogramm Zuladung sind erlaubt.

Das nimmt dem Amarok im Vergleich zu Navara, X-Klasse und Alaskan zwar ein paar hundert Kilogramm an Argumenten ab, führt aber zu etwas, das keiner der genannten Konkurrenten bieten kann, Komfort: Während die Leiterrahmen des Japan-Pick-up Navara und dessen Derivaten mit Schraubenfedern an der Hinterachse unterwegs sind, fährt der Amarok traditionell auf Blattfedern.

Eher ein Cruiser nach amerikanischem Vorbild

Durch die geringere Zuladung sind die aber deutlich entspannter abgestimmt. So sind lange Autobahnfahrten mit dem Hannoveraner kein Problem. Windgeräusche sind ebenfalls kaum wahrnehmbar. Damit ist der Amarok eher ein Cruiser nach amerikanischem Vorbild.

Unverständlich ist, weshalb VW – bei allem Verständnis für angenehmes Fahren – die Ladeklappe immer noch nicht mit Dämpfern versieht. Gerade erst hat Renault es beim Alaskan doch vorgemacht.

Ein richtiger Dynamiker ist der schwere Amarok selbstverständlich nicht, lässt sich durch die gute Gewichtsverteilung aber zielgenau durch den Verkehr manövrieren. Dazu trägt auch die Lenkung bei, die mit zunehmendem Lenkwinkel straffer wird. Das ist erst einmal gewöhnungsbedürftig, erhöht das Sicherheitsgefühl und die Spurtreue im Vergleich zur Konkurrenz aber merklich.

Blitzschnell schaltendes Acht-Gang-Getriebe

Die Bremsen packen beherzt zu und gebieten dem Riesen auch bei hohen Geschwindigkeiten schnell Einhalt. Und dann ist da noch das blitzschnell schaltende Acht-Gang-Automatikgetriebe, das dem Amarok Canyon zusammen mit den 550 Newtonmetern Drehmoment schon ab 1400 U/min zu einer ungewohnten Leichtigkeit verhilft. Um an der Ampel mitzuhalten, schaltet sich mancher Kombifahrer die Finger wund – und bleibt trotzdem hinten.

Im Innenraum geht es hochwertig aber dezent zu. Das Armaturenbrett und die Türverkleidungen der Hannoveraner Pick-up-Sünde sind als Hommage an die deutsche Geradlinigkeit und Ordnungsliebe zu deuten. Akkurat tritt auch das mittig angeordnete Navigationssystem "Discover Media" mit 6,33-Zoll-Touchscreen hervor. Es lässt sich intuitiv und bequem bedienen. Durch seine geringen Abmessungen wirkt es in dem ansonsten großzügigen Interieur aber etwas verloren.

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