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Foto: Dennis Gauert
Geschäftlich wie privat: Der VW Caddy macht durch die  Golf-8-Basis beim Fahrverhalten eine gute Figur. 

bfp-Fahrtest

VW Caddy Cargo: Zum Reisen geboren

Beim neuen Caddy verlassen sich die Hannoveraner auf die Plattform des Golf 8. Wie gut das klappt, zeigt unser Fahrbericht.

  • Plattformstrategie: Der neue Caddy ruht auf der gleichen Basis wie der aktuelle Golf 8. Das hievt den kompakten Transporter auf ein vollkommen neues Level beim Fahrkomfort.
  • Markante Züge: Mit seinem kessen Schwung in der Front, wirkt der neue Caddy auf den ersten Blick fast wie ein Elektro-Mobil. Unter der Haube unseres Testwagens werkelte aber ein Selbstzünder. Und das äußerst sparsam.
  • Feiner Fahren: Im Innenraum des kleinen Nutzfahrzeugs wähnt man sich in einem abgesteckten Golf 8. Besonders hervor stechen dort die Sitze. Anschmiegsam, bequem, fast schon kuschelig konzipiert bieten sie einen nennenswerten Mehrwert im Segment.
  • Kernkompetenz: Hinter der Kabine gibt es in der kurzen Variante 3.100 Liter Volumen, das mit 586 Kilogramm schwerer Ladung gefüllt werden darf. In der Maxi-Variante stehen 3.700 Liter bereit und die Nutzlast steigt auf bis zu 713 Kilogramm.

Eine Nase, die man nicht vergisst. Wo Sarah Connor und Gerard Depardieu sich noch gestern die Hand schüttelten, drängt der aktuelle VW Caddy nun mit einem schick geformten Design nach vorn. Die ganze Front des kompakten Transporters wird zum lackierten oder unlackierten Formteil und verzerrt sich nach schick gezogenen Kanten jedoch am unteren Ende in einem modernisierten Lufteinlass, der an ein Zwiebelnetz erinnert. Mit einer Quote von 100 Prozent wurde unser Caddy-Testwagen deshalb für ein E-Fahrzeug gehalten. Nicht jede Botschaft kommt richtig an.

Sanfter und effizienter Diesel

Wir fahren den neuesten Caddy mit einem traditionellen Dreizylinder-Selbstzünder, bei dem Volkswagen den Verbrauch auch in der Praxis in die Knie zwingt. Sparfüchse aus dem Emsland fahren unsere 102-PS-Version unbeladen bis auf 4,5 Liter je 100 Kilometer herunter, flinke Genossen im Weserbergland benötigen auch nicht mehr als 5,5 Liter vom braunen Feuerwasser. Hinzu kommt die sanfte Klangcharakteristik des Selbstzünders, die zum entspannten Gleiten mit dem kleinen Transporter animiert.

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Ähnlich geht es beim Fahrwerk und bei der Lenkung zu. Schläge lassen die Dämpfer so gut wie nicht durch, selbst auf unebenen Landstraßen hält der Transporter sauber die Spur und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dass die EPAS-Lenkung zwar präzise arbeitet, aber keine natürliche Rückmeldung gibt, ist von den Konzernbrüdern bereits bekannt. Beim Caddy jedoch wird noch etwas mehr Straße aus den Händen gefiltert, obgleich er gefühlt wie der kompakte Bruder durch die Kurven wieselt.

Anders hingegen geht es das Schaltgetriebe an. Die knackige Sechsgang-Handschaltung flutscht nur so durch die Gassen und wirft sich willig in die Wellen. Der kleinvolumige Turbodiesel läuft darunter zu ungeahnter Form auf und bietet ein angenehmes Ladedruckplateau mit ausreichend Drehmoment. Dabei bleibt er flüsterleise und hinterlässt eine angenehme Klangnote im Innenraum. Derart unaufdringlich aber putzmunter hätte man einen Dreizylinder-Selbstzünder mit der Filtertechnik für die neueste Euro-Norm 6d-ISC-FCM wohl kaum erwartet. Bis Tempo 173 km/h spurtet der Caddy mit dem 102-PS-Diesel.

Neuer VW Caddy: Drinnen klug und aufgeräumt

Im Innenraum des Caddy wähnt man sich in einem reduzierten Golf 8. Das Armaturenbrett, das Lenkrad, die Instrumente – alles spricht die neue Programmiersprache aus Wolfsburg. Ob nun gekonnt modernisiert oder überzogen, die Verarbeitung jedenfalls überzeugt in der Klasse der Kompakt-Transporter. Besonders klug waren die Hannoveraner bei den Fußräumen und dem Mitteltunnel, wo ein umschließender, herausnehmbarer Gummiboden eingesetzt ist. Damit haben die Niedersachsen sowohl die Reinigung als auch den Werterhalt mit einer Klappe geschlagen.

Doch das Beste, was der Caddy zu bieten hat, sind nicht seine Fußmatten. Es sind die Sitze. Anschmiegsam, bequem, fast schon kuschelig konzipiert bieten sie einen nennenswerten Mehrwert im Segment. 500 Kilometer kann man darauf jedenfalls guten Gewissens abspulen. Die gut isolierte Fahrgastzelle und technische Helfer wie Spurassistent, Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandstempomat oder gar autonomes Fahren entspannen zusätzlich. Selbst der nackte Transporter-Laderaum hinter der Trennwand tritt akustisch nur wenig in Erscheinung.

Bequeme Kunden bestellen das Komfortpaket (1.575 Euro; alle Preise netto zzgl. USt.), das unter Anderem eine manuelle Klimaanlage, LED-Spots im Laderaum sowie eine Armlehne für den Fahrersitz und ein Multifunktionslenkrad beinhaltet, gleich mit. Wer sich für das aufpreispflichtige Navigationssystem "Discover Media" (1.805 Euro) entscheidet, erhält ein solides System mit Over-the-Air-Updates und Echtzeit-Navigation inklusive, das sich auch bei Sonneneinstrahlung noch gut ablesen und bedienen lässt.

Praktisch, aber weniger geräumig

Hinter der Kabine gibt es in der kurzen Variante 3.100 Liter Volumen, das mit 586 Kilogramm schwerer Ladung gefüllt werden darf. In der Maxi-Variante stehen 3.700 Liter bereit und die Nutzlast steigt auf bis zu 713 Kilogramm. Die Hecktüren des VW lassen sich nach hinten wegklappen und öffnen so den Weg für Flurförderzeuge mit schweren Gütern. Die seitlichen Schiebetüren sind mit 69,5 Zentimeter passend zum Radstand jedoch ungeeignet zum Einladen von Europaletten. Beim Caddy Maxi steigt die Feldbreite über die benötigten 80 Zentimeter.

Dass die Preise für ein Nutzfahrzeug aus Hannover nicht im untersten Segment spielen, dürfte jedem Käufer klar sein. Den 102-PS-Diesel bekommt der Kunde ab 20.889 Euro. Unser Test-Transporter mit vielen Annehmlichkeiten kostet 30.302 Euro. Die direkte deutsche Konkurrenz zum Caddy ist der ebenfalls empfehlenswerte Opel Combo Cargo, den es ab 17.930 Euro gibt. Für 24.830 Euro bieten ihn die Rüsselsheimer bereits als 130-PS-Dieselvariante mit erhöhter Ausstattung und Achtstufen-Automatikgetriebe an. Ob ein Golf 8 oder ein Hochdachkombi die Basis für den neuen Kleintransporter sein soll, ist mindestens eine Frage des Geldes.

Fazit:

Für den Fahrkomfort und das Handling bedeutet die neue Plattform einen Quantensprung, der einzig durch die synthetische Lenkung eingebremst wird. Zum höchsten Preis bekommen Caddy-Kunden den besten Innenraum, das beste Fahrwerk und das beste Infotainment in der Klasse. Für Langstreckenfahrer ist der VW Caddy unser Transporter-Tipp. Etwas mehr Platz, Nutzlast und Sparpotential gibt es bei der Konkurrenz.

Technische Daten VW Caddy Cargo 2.0 TDI

  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,50 x 1,86 x 1,86
  • Radstand (m): 2,76
  • Motor: Vierzylinder-Diesel, 1968 ccm, Turbolader
  • Leistung: 75 kW / 102 PS bei 2750 – 4250 U/min
  • Max. Drehmoment: 280 Nm bei 1500 – 2500 U/min
  • Antrieb: Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Verbrauch / 100 km (WLTP): 4,4 Liter
  • Realverbrauch / 100 km: 5,5 Liter
  • CO2-Emissionen: 119 g/km (EU6)
  • Luftwiderstandsbeiwert: 0,30
  • Zuladung: max. 586 kg
  • Laderaum (m³): 3,1
  • Wendekreis (m): 11,4
  • Max. Anhängelast: 1.500 kg
  • Caddy Cargo (102 PS, 2.0 TDI): 20.889 Euro
  • Testwagen: 30.320 Euro
  • Stand: August 2021
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Mit einer Zuladung von 586 kg und 3,1 Kubikmetern Ladevolumen ist die kleine Variante des VW Caddy ideal als Servicefahrzeug.
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Mit einem Radstand von 2,76 Metern bewegt sich unser Caddy flink um die Ecken. 
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Modern und gemütlich: Das Golf-8-Cockpit wurde im Caddy ansatzweise übernommen. Digitale Optionen stehen auf einer langen Aufpreisliste.
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Hier bleibt man gern etwas länger: Die Sitze des Caddy sind so bequem gepolstert, dass auch lange Strecken ohne Rückenschmerzen gelingen. 
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Schmeckt wie beim Nachbarn: Mit der Wolfsburger Basis zieht auch das neue Multifunktionslenkrad aus dem Golf 8 (Komfortpaket) mit ein.
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Kultiviert und sparsam: Der 2.0-TDI leistet schlanke 105 PS, bringt jedoch 280 Newtonmeter Drehmoment. Laufruhe und ein Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern sind die Folge.
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Das gibt es auch größer: Mit maximal 3,7 Kubikmetern Ladevolument in der Maxi-Variante grenzen die Hannoveraner den Einsatzbereich des Caddy ein.
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Kein Schnäppchen: Knapp 21.000 Euro kostet die Basis, unser Testwagen sprengt die 30.000-Euro-Grenze.

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