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Massivmöbel für Privatkunden

Was Kunden brauchen

Weil sich Heinz Diekmann früh strategisch aufgestellt hat, kann er sich heute am Markt behaupten: mit Massivmöbeln, ausschließlich für Privatkunden. Und einer Kundenansprache auf möglichst vielen Kanälen.

 - Der Tischlermeister fertigt Massivholzmöbel.
Der Tischlermeister fertigt Massivholzmöbel.
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Die Herbstsonne scheint durch das große Küchenfenster und bringt wohlige Wärme in den Raum. Der runde Esstisch lädt zum Verweilen ein, es riecht nach frischem Kaffee. Was von draußen aussieht wie ein großes Wohnhaus, ist eine Möbelausstellung. Auf drei Etagen zeigt Tischlermeister Heinz Diekmann in seinem Fachwerkhaus das Spektrum an Massivmöbeln, das sein Team in der Werkstatt nebenan fertigt.

Das Ambiente ist sein Verkaufsinstrument. „Wir wollen den Kunden zeigen, wie die Küche oder das Wohnzimmer bei Tageslicht wirkt“, sagt Diekmann. Seine Konkurrenten sind nicht die Möbelhäuser in der Region, im Gegenteil: „Die liefern sich einen Kampf untereinander“, sagt der Unternehmer aus Heyen. Tageslicht scheine dort nur selten hinein. Mit seinen Möbeln und der individuellen Beratung setzt er sich vom Massenmarkt ab.

Diekmann ist der Planer im Haus. Das kostet am meisten Zeit und ist Chefsache. „Da spielen Faktoren eine Rolle wie: Wer sitzt am Wochenende mit am Tisch? Was soll die Küche für eine Position im Haus einnehmen? Wie soll die Stimmung sein?“, betont der Vater zweier erwachsener Töchter. „Wer gute Möbel bauen will, muss seine Kunden gut kennen.“
Deshalb arbeitet Heinz Diekmann stetig daran, die Bekanntheit des Betriebs, den er vor 30 Jahren gemeinsam mit seiner Frau gegründet hat, zu steigern. Zu thematischen Ausstellungen laden sie in den Firmensitz nach Heyen ein. Stammkunden bringen Freunde mit, so erweitert sich der Kundenkreis stetig.

Wer nicht zu ihm kommt, dem präsentiert sich der Betrieb auf Messen: Unter anderem auf der Infa in Hannover. Seit 20 Jahren ist Diekmann dort vertreten. Aus Erfahrung weiß er: Nur durch Kontinuität und mit guten Produkten kann er punkten. „Wir verkaufen auf Messen nur selten etwas. Und wir machen keine Messe-Preise. Aber wir zeigen, was wir können.“ Dieses Jahr steht er direkt gegenüber der Ausstellungsfläche „Die Gute Form“: Junge Tischler präsentieren ihre Gesellenstücke der Öffentlichkeit. Diekmann nimmt jedes Jahr ein anderes Möbelstück als Hingucker mit. Das Konzept erarbeitet er gemeinsam mit seiner Frau. Sie organisiert die Messen, ist voll im Betrieb dabei: Sie kümmert sich um das Ladengeschäft, ist zuständig für die Beratung von Polstern und Stoffen und macht die Buchhaltung.

Seit einem Jahr wächst zudem der Online-Shop der Tischlerei. Auch das ist ein strategisches Instrument, über die Region hinaus bekannter zu werden. Denn die Zielgruppe sind ausschließlich Privatkunden. Für Diekmann ist die Internetpräsenz www.diekmann-massivmoebel.de wie ein virtueller Messestand: „Die Kunden informieren sich und kommunizieren: Sie rufen dann an, lassen sich beraten und kaufen einige Zeit später“, berichtet er.

Apropos Gute Form: Ausdauer hat der Handwerksmeister auch in Sachen Nachwuchsarbeit: „Wer bei uns anfängt, bekommt eine super Ausbildung“, sagt er. Diekmann gibt seinen Schützlingen viel mit und verlangt auch viel. Nicht selten sind seine Azubis unter den ersten drei Siegern des Gesellenprüfungsjahrgangs. Aktiv wirbt er für seinen Betrieb: Er besucht Kindergärten, ist in Schulen unterwegs und kurbelt dort Projekte an. „Das spricht sich herum“, sagt Diekmann. Jedes Jahr findet er einen Bewerber, der zu seinem Betrieb passt. „Wenn ich nicht ausbilde, habe ich keine guten Leute“, betont er. Nach externen Mitarbeitern muss er somit kaum suchen.

Zeit zum Luftholen zwischen Messe, Büro und Werkstatt nimmt sich der Unternehmer bewusst: Seit Jahren macht er im Ort Musik, hat selbst ein Orches­ter gegründet. Abschalten kann er am besten beim Segeln. „Wenn das Boot ablegt, ist der Alltag raus aus dem Kopf“, sagt er. Und da auf dem Wasser der Empfang schlecht ist, bleibt dort das Handy aus.

(ja)

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