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Digitalisierung + IT

Handwerker testet: Was taugt die neue Funkloch-App?

Mit Hilfe einer Funkloch-App sollen Bürger Mobilfunklöcher in Deutschland aufspüren. Doch im Netz erntet sie Kritik. Was kann die App – und was nicht?

Auf einen Blick:

  • Die Bundesnetzagentur macht Bürger zu Funkloch-Jägern. Jeder, der will, kann mit einer App die Mobilfunkverfügbarkeit in Deutschland messen. Die Daten werden von der Bundesnetzagentur ausgewertet.
  • Was taugt die App? Informationstechniker Axel Barisch hat die App getestet. Er ist im Wesentlichen zufrieden mit ihrer Funktion.
  • Was kann die App nicht? Erfasst wird zwar das Vorhandensein einer Mobilfunkverbindung, nicht aber die Qualität der verfügbaren Verbindung.

Auf dem Weg zu einem Kunden irgendwo im Hinterland. Sie zücken Ihr Telefon, wollen noch einen Anruf absetzen oder Ihr E-Mailpostfach prüfen, doch da ist – kein Netz. Es gibt sie noch, die weißen Flecken auf der Mobilfunkkarte. Mancher Handwerker berichtet vom Dauerstress, den der Joballtag im Funkloch mit sich bringt. Die Bundesnetzagentur will Abhilfe schaffen, mit Unterstützung aus dem Volk: Anfang November hat sie ihre Funkloch-App vorgestellt. Damit „eröffnen wir die Jagd auf die weißen Flecken im Mobilfunknetz“, verspricht Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Der Bürger als Funkloch-Jäger

Smartphone-Besitzer können aktiv an dieser Jagd per App teilnehmen. Wählen sie in der App „Netzverfügbarkeit erfassen“, misst sie auf der zurückgelegten Wegstrecke, ob Netzabdeckung vorhanden ist. Diese Daten – insbesondere die Lücken im Mobilfunknetz – werden der Bundesnetzagentur mit den dazugehörigen Standortkoordinaten gemeldet. Herunterladen kann man die kleine Software in Apples App Store oder Googles Playstore. Obwohl die Bundesnetz-Agentur von Funkloch-App spricht, heißt die App tatsächlich Breitbandmessung – die Funklochsuche ist nur eine zusätzliche Funktion der App.

Hält die Software, was sie verspricht?

Der Blick auf die Bewertungen in Playstore und App Store zeigt ein sehr gemischtes Bild. Durchschnittlich 2,5 von 5 Sternen haben User der App gegeben. Sie kritisieren zum Beispiel, dass die Bandbreite des Mobilfunknetzes nicht gemessen wird oder gar, dass die App gar nicht imstande sei, Funklöcher zu finden.

Wir haben daher einen Handwerker die App testen lassen, der sich mit Festnetz- und Mobilfunknetzen bestens auskennt: Axel Barisch ist Informationstechniker und unabhängiger Berater – unter anderem für Telefonsysteme, Internetanschlüsse und mobiles Internet. Er hat die Funkloch-App für uns ausprobiert. Ergebnis: „Die App ist zwar ein Stromfresser, wie jede Navigationssoftware, aber sie ist wirkungsvoll.“

Barisch hat die App bei der rund 50 Kilometer langen Fahrt von Burgwedel bei Hannover nach Gifhorn und zurück laufen lassen. „Die App zeichnet in kurzen Zeitabständen auf, was über Funk passiert“, sagt Barisch. Von den 700 Messpunkten auf der Hinfahrt seien 10 ohne Empfang gewesen. „Auf der Rückfahrt hingegen waren alle Messpunkte durchgehend vorhanden“, sagt Barisch. Das hänge damit zusammen, weil der Empfang auch davon abhängig ist, aus welcher Richtung man komme. Das habe Einfluss darauf, wie gut der sogenannte Handover funktioniere – das Abmelden aus der letzten und Anmelden in der neuen Mobilfunkzelle.

Was kann die App und was nicht?

„Die App misst nur, ob ein Mobilfunknetz vorhanden ist, nicht aber die Qualität des Netzes“, sagt Barisch. Ob sie an einem Standort also gerade rasend schnell oder im Schneckentempo durchs Internet surfen können, darüber trifft die App beinahe keine Aussage. Einen Anhaltspunkt liefert lediglich die Information, was für ein Netz gerade verfügbar ist: Die App unterscheidet zwischen „Kein Netz“, 2G (langsam), 3G (UMTS) und 4G (LTE). Welche Bandbreite genau im jeweiligen Netz verfügbar ist, kann die App jedoch nicht messen. Zwar ist die maximale Bandbreite von LTE grundsätzlich schneller als die von UMTS und UMTS schneller als 2G, aber: „Mit einem gut funktionierenden UMTS-Netz bin ich besser bedient, als mit einem schlechten LTE-Service“, sagt Barisch. Theoretisch könnte eine App auch die genauen Bandbreiten messen. Dafür aber müssten laut Barisch auch Datenpakete verschickt werden. „Und das saugt das Datenvolumen leer.“

Ob die Funkloch-App eine gute oder eine schlechte Netzabdeckung erkennt, hängt auch davon ab, bei welchem Mobilfunkanbieter Sie sind. Wer den Telekom-Dienst nutzt, misst nur die Netzabdeckung der Telekom, wer Vodafone nutzt, misst nur Vodafone.

Ziel: flächendeckende Mobilfunkversorgung

Diese Daten sollen jedoch jährlich in einem Monitoring-Bericht Netzabdeckung zusammengeführt und von der Bundesnetzagentur veröffentlicht werden. So will das Bundesverkehrsministerium das Ziel einer flächendeckenden Mobilfunkversorgung in Deutschland erreichen.

Laut Informationstechniker Axel Barisch hat die Funkloch-App das Zeug dazu. „Sie ist einfach zu bedienen und macht einen guten Job.“ Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus: Erstellt die App Bewegungsprofile ihrer Nutzer? „Die Aufzeichnung muss vor jedem Fahrtantritt neu gestartet werden, zudem muss man das Fahrtende bestätigen“, sagt Barisch. „Insofern hat man es selbst in der Hand, welche Strecken dokumentiert werden.“

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