Foto: Astrid Funck

Inhaltsverzeichnis

Entlastungsstrategien

Weniger arbeiten ohne Einbußen

Eine Handwerksunternehmerin war überlastet, irgendwann konnte sie nicht mehr. Daraufhin hat sie ihre Arbeitszeit um zwei Drittel reduziert – ohne Umsatzverluste. Ihre Erfahrungen will sie nun weitergeben.

Auf einen Blick:

  • Raumausstattermeisterin Katja Schulze war ausgebrannt und brauchte Hilfe von außen.
  • Ein systemisches Coaching brachte sie dazu, ihre Arbeitsabläufe zu optimieren und unnötige Stressfaktoren aus dem Weg zu räumen.
  • Die Unternehmerin hat sich danach selbst zum Coach ausbilden lassen, um andere Handwerksbetriebe zu beraten.

"Ich war wie eine Getriebene und eigentlich nie zufrieden", sagt Katja Schulze über sich und ihren Ehrgeiz. 2011 trieb sie es zu weit: Sie gab ihr Angestelltendasein auf, legte im April ihre Meisterprüfung ab und machte sich im Mai in Loxstedt bei Bremerhaven mit einem eigenen Laden selbstständig. Dabei geriet sie in eine Art Erfolgsrausch.

Mit Volldampf in die Selbstständigkeit

"Parallel zur Prüfungsphase habe ich einen Businessplan geschrieben, den Laden umgestaltet und die Finanzierung auf die Beine gestellt", erzählt die 40-Jährige. "Der Laden lief unheimlich gut, ich konnte von Anfang an davon leben." Dafür habe sie allerdings so hart gearbeitet wie noch nie: 70 bis 90 Stunden pro Woche, ohne freien Tag. Ihr Unternehmen „Katja Schulze Raumausstattung“ richtet komplette Wohnhäuser oder Geschäftsräume ein und kooperiert dafür mit anderen Handwerksbetrieben. Zurzeit beschäftigt sie vier Angestellte.

Stressbelastung führt zu Umsatzeinbrüchen

Nach einem halben Jahr als Selbstständige ging auf einmal nichts mehr: "Hirnnervenlähmung, dadurch stand ein Auge still. Ich habe nur Doppelbilder gesehen." Nach sechs Wochen gingen die Symptome endlich zurück. Sie konnte wieder arbeiten und den Umsatzeinbruch einigermaßen auffangen.

Zwei Jahre später wurde sie schwanger. "Als sich das herumsprach, brachen die Umsätze wieder ein, obwohl ich weiterarbeitete", sagt die Unternehmerin. Nach der Geburt folgte der Dauerspagat zwischen Kind und Kunden, Schulze musste sich etwas einfallen lassen. Ihr Einkaufsverband vermittelte ihr schließlich einen systemischen Coach. „Als die Beraterin da war, habe ich erst einmal geheult.“

Systemisches Coaching bringt die Kehrtwende

Das systemische Coaching hat ihr dabei geholfen, neue Strategien im Umgang mit Stress und Konflikten zu entwickeln. Systemisch bedeutet, dass die Berater ihre Klienten nicht isoliert, sondern im Geflecht ihres jeweiligen Arbeits- oder Familiensystems betrachten.

Bei Katja Schulze ging es um die Leitfrage „Wie spare ich Zeit?". Die Beraterin brachte sie durch Fragen dazu, sich den Kunden gegenüber klarer abzugrenzen. So nimmt sie zum Beispiel nach 19 Uhr keine Termine mehr an. Außerdem führte sie eine Schutzgebühr für Aufmaße ein. "Diese total anstrengenden Kunden, die gibt es bei uns seitdem nicht mehr", erklärt sie. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern legte sie für jeden genaue Zuständigkeiten fest, und auch privat vereinbarte sie mit ihrem Partner eine klare Arbeitsteilung.

Nach dem Coaching reduzierte die Firmenchefin ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden. „Der Umsatz hat nicht darunter gelitten“, betont sie.

Die Unternehmerin will ihr neues Wissen weitergeben

Mittlerweile arbeitet Katja Schulze 32 Stunden pro Woche. Um unnötigen Stress zu vermeiden, sucht sie ständig nach neuen Möglichkeiten der Arbeitsoptimierung. Aus der Zeitnot heraus sei sie auf die Idee gekommen, ihre Kunden künftig auch über Video-Telefonie per Skype oder Whatsapp zu beraten. „Der Kunde zeigt mir sein Wohnzimmer, ich präsentiere zum Beispiel fünf Stoffideen und wir können sehen, ob wir uns sympathisch sind“, skizziert sie die Vorteile.

Doch damit nicht genug: Katja Schulze schloss im vergangenen Herbst selbst eine Ausbildung zum systemischen Coach ab. Sie will kleinere Handwerksbetriebe coachen, „wie sie zum Beispiel ihre Mitarbeiter so motivieren können, dass sie für den Betrieb brennen“. Neben ihrer Tätigkeit als Raumausstatterin soll das laufen, da vertraut sie auf ihr neues Zeitmanagement. Ihr Coaching-Angebot will sie zunächst über Verbände bekannt machen, in Stress solle das Ganze aber nicht ausarten: „Ich bin ja nicht unter Zugzwang und starte das jetzt gemütlich.“

Auch interessant:

Zeitmanagement: So fokussieren Sie sich!

Springen Sie ständig von einer Aufgabe zur anderen? Werden Sie oft gestört oder abgelenkt? Dagegen gibt es Mittel und Wege, wie diese 4 Tipps zeigen.
Artikel lesen

Motivierte Mitarbeiter, zufriedene Chefs: 3 Glücks-Tricks für Ihren Betrieb

Besser führen, Mitarbeiter motivieren und gleichzeitig glücklicher als Chef! Klingt nach viel Arbeit? Ist es gar nicht. Wenn Sie diese 3 Tricks nutzen.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Von der Werkhalle auf die Baustelle: Vorfertigung im Bauhandwerk soll Bauzeit und Kosten senken. 

Strategie

Effizienz mit Vorfertigung: Output hoch, Kosten runter

Mit den jetzigen Ressourcen könnten hierzulande 15 Prozent mehr Gebäude errichtet und Baukosten reduziert werden, meint eine Studie. Was wäre dazu nötig?

    • Strategie
Das Teilzeit- und Befristungsgesetz gilt für alle, die länger als sechs Monate in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten arbeiten.

Arbeitsrecht

Teilzeitwunsch ablehnen? Das geht nur mit sauberer Begründung

Das Teilzeitgesetz erlaubt Mitarbeitenden, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Dieses Urteil zeigt, unter welchen Voraussetzungen Arbeitgeber Teilzeitwünsche ablehnen können.

    • Personal, Recht, Arbeitsrecht
Schlechte Routinen sind wie eine Falle, die Sie bares Geld kostet.

Strategie

5 Schritte: So entkommen Sie der Routinefalle

Im Betrieb treten immer wieder die gleichen Fehler auf? Das ist ein Warnsignal für schlechte Routinen. Fünf Schritte, mit denen Sie sie aufspüren – und ändern.

    • Strategie, Ablauforganisation
80 Stunden die Woche arbeiten, aber nie fertig werden? Fabio Katzor von PV Green fand einen Weg aus dem Hamsterrad. Aber leicht war es nicht.

Strategie

„Ich war an allem beteiligt, aber nirgendwo richtig“

Das schnelle Wachstum seines Handwerksbetriebs brachte Gründer Fabio Katzor an seine Grenzen. Die Lösung: Strukturierte Arbeitsroutinen und eine zweite Führungsebene.

    • Strategie, Ablauforganisation