Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Knistern unterm Kopfkissen

Wenn das Schwarzgeld unterm Kissen knistert

Mit einer Pauschalsteuer will Hermann Otto Solms dafür sorgen, dass schwarze Kassen nicht für den Fiskus verloren gehen. Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sieht die bevorstehende Umstellung auf den Euro als gute Gelegenheit, das illegale Kapital wieder in den legalen Wirtschaftskreislauf einfließen zu lassen.

Mit einer Pauschalsteuer will Hermann Otto Solms dafür sorgen, dass schwarze Kassen nicht für den Fiskus verloren gehen. Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sieht die bevorstehende Umstellung auf den Euro als gute Gelegenheit, das illegale Kapital wieder in den legalen Wirtschaftskreislauf einfließen zu lassen.

Weitere Artikel zum Thema:

Die Tricks der Steuersünder

Fahndungserfolge an den Grenzen

Bislang könne er keine #8222;besonderen Vorkommnisse" vermelden, sagt Leonhard Bierl, Sprecher des Zollkriminalamtes (ZKA) in Köln. Nein, an den Grenzen zur Schweiz oder auf dem Weg nach Luxemburg würden auch nicht wesentlich mehr Leute als im vergangenen Jahr mit #8222;größeren Bargeldmengen" erwischt. Aber das komme schon noch, die #8222;meisten werden wohl erst kurz vor Ablauf der Umtauschfristen munter". Und nach einem Blick in die Liste der jüngsten ZKA-Fahndungserfolge fügt Bierl hinzu: #8222;Das zieht sich querbeet durch die Bevölkerungsschichten." Gastronomen, Heilpraktiker, Bauunternehmer, Juweliere, Rentner, sie alle plagen sich mit dem selben Problem: Der Euro naht. Wohin bloß mit den unversteuerten D-Mark-Bündeln, die derzeit noch unter den bundesdeutschen Kopfkissen knistern? Der Weg zur Bank scheidet aus, denn nach dem Geldwäschegesetz sind die Kreditinstitute dazu verpflichtet, ihre Kunden den Strafverfolgungsbehörden zu melden, wenn mehr als 30 000 Mark umgetauscht werden.

Schwarzgeld von jedem Makel befreien

Für Hermann Otto Solms, den finanzpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, ist die Umstellung auf den Euro eine gute Gelegenheit, die schwarzen Kassen wieder in den legalen Wirtschaftskreislauf einfließen zu lassen. Sein Vorschlag: Besitzer des illegalen Kapitals können ihr Geld innerhalb eines Jahres ohne strafrechtliche Folgen von jedem Makel befreien, indem sie es pauschal mit 30 Prozent versteuern oder es dem Staat #8211; bei einer Laufzeit von acht Jahren und einer Verzinsung von zwei Prozent #8211; durch den Erwerb einer Anleihe überlassen.

500 Milliarden auf Konten im Ausland

Dass alle Beteiligten #8222;offen" über den Solms-Vorschlag nachdenken sollten, meint Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): #8222;Ziel muss es sein, bisher nicht versteuertes Geldvermögen der Besteuerung zuzuführen, damit die Wettbewerbsverzerrung zum legal Tätigen abgebaut wird." Schleyer schätzt, dass mindestens zehn Prozent der rund 280 Milliarden Mark Bargeld und rund 500 Milliarden Mark auf ausländischen Konten nicht versteuert worden sind.

Durch Selbstanzeige aus dem Schneider

#8222;Es gibt doch die Möglichkeit der Selbstanzeige", gibt Rüdiger Parsche, Steuer- und Finanzexperte im Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), zu bedenken. Obwohl sie laut Paragraf 371 der Abgabenordnung nur die normale Steuer entrichten müssten, wenn sie sich nachträglich den Behörden offenbaren würden, seien die Betriebe aus dem Schneider. Es könne nicht angehen, dass die #8222;Steuermoral weiter geschwächt werde, indem Steuersünder übervorteilt werden.

Goldene Brücke für Steuerhinterzieher

#8222;Steuerhinterzieher-Rabatte darf es nicht geben", sagt auch Joachim Poß, der Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Der von Solms vorgeschlagene Nachversteuerungssatz von 30 Prozent liege sogar noch unter dem Spitzensteuersatz, den die FDP in ihrem Steuerkonzept fordere. Spitzenverdiener müssten sich ja gerade dazu aufgefordert fühlen, ihre Kapitalerträge gegenüber dem Finanzamt zu verschweigen. Mit der Selbstanzeige werde dem Steuerhinterzieher bereits eine goldene Brücke gebaut. Poß resümiert: #8222;Der Solms-Vorschlag lässt den Paragrafen 371 ins Leere laufen."

Milliarden würden verloren gehen

Das Instrument der Selbstanzeige funktioniere nun einmal nicht, entgegnet Günter Hofmann, Referent für Steuer- und Finanzpolitik der FDP-Bundestagsfraktion. #8222;Das läuft doch nur, wenn schon irgendwas im Busch ist." Und mit Blick auf den bevorstehenden Bargeldumtausch in Europa fügt Hofmann hinzu: #8222;Besondere Situationen verlangen besondere Maßnahmen. Geschieht nichts, gehen dem Fiskus Milliardeneinnahmen verloren. Die Zeit drängt."

Nebenschauplatz der Geldwäsche

Zollsprecher Leonhard Bierl sieht den kommenden Monaten gelassen entgegen. Für die Beamten an den Grenzen sei die #8222;Geschichte mit den schwarzen Kassen" bloß ein #8222;Nebenschauplatz der Geldwäsche durch die organisierte Kriminalität". Nur deswegen hätten die Fahnder überhaupt ihre besonderen Befugnisse. Die erste Frage der Zöllner: #8222;Sind mehr als 30 000 Mark an Bord?" Werde das verneint und trotzdem Geld gefunden, könne #8222;im Extremfall das komplette Geld eingezogen werden".

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Betriebsgeheimnisse

Steuerfahndung: Vorsicht Mitwisser!

Die Steuerfahnder machen mobil. Hilfreich zur Seite stehen ihnen oft Insider: Zittern müssen Arbeitgeber, Ex-Gatten und früherer Geschäftspartner.

Foto: kritchanut - Fotolia.com

Steuerhinterziehung

Die 5 Gefahren der Selbstanzeige

Bei Steuerhinterziehung schützt eine Selbstanzeige vor Strafe. Doch sie birgt Gefahren: Wie wird die Verjährungsfrist berechnet? Und was müssen Sie Ihrem Steuerberater sagen? Diese 5 Fallen sollten Sie kennen!

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

„Stecken Sie ihr Schwarzgeld hier rein"

„Stecken Sie ihr Schwarzgeld hier rein"

Die Zeit wird knapp: Steuersünder, die ihre schwarzen Kassen noch immer nicht unter die Leute gebracht haben, dürften so langsam nervös werden. Das hat jetzt auch die Werbung erkannt.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Keine Rechnung – keine Gnade

Keine Rechnung – keine Gnade

Unternehmer könnten künftig schon dadurch kriminalisiert werden, dass sie verspätet Rechnungen schreiben. Das behauptet die Bundessteuerberaterkammer (BStBK). Nach Darstellung der Steuerexperten geht der Gesetzgeber mit der neuen Abgabenverordnung einen "Irrweg, der viele Steuerpflichtige als Verbrecher abstempeln würde".

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.