Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

BFM

Wer schuldet die Umsatzsteuer?

Sie sind kein Bauunternehmer? Sind Sie sich sicher? Für den Bundesfinanzministers ist jeder Handwerker, der mindestens zehn Prozent Umsatz mit Bauleistungen macht, ein Bauunternehmer. Das hat Konsequenzen.

von Bernhard Köstler

Gibt ein Bauunternehmer Bauleistungen in Auftrag, so muss er und nicht der Auftragnehmer die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Das gilt zwar schon seit Juli 2004, doch viele Fragen blieben offen. Abhilfe soll nun ein aktuelles Schreiben des Bundesfinanzministeriums schaffen.

Faustformel: Zehn Prozent Bauleistung sind genug
Die Umsatzsteuer müssen Auftraggeber nach Paragraf 13 Umsatzsteuergesetz (UStG) nur dann abführen, wenn sie selbst nachhaltig Bauleistungen erbringen. Vereinfacht bringt es eine Faustformel auf den Punkt: Nur wenn die Umsätze aus Bauleistungen mindestens zehn Prozent der Gesamtumsätze betragen, gilt ein Handwerker als Bauunternehmer.

Verwirrspiel: Freistellung genügt nicht
Bei der Selbsteinschätzung hilft die Freistellung von der Bauabzugssteuer nicht unbedingt weiter. Die Freistellungsbescheinigung nach Paragraf 48b Einkommensteuergesetz (EStG) alleine reicht nicht aus, um einen Handwerker auch umsatzsteuerlich als Bauunternehmer einzustufen. Nur wenn ein Auftraggeber diese Bescheinigung ausdrücklich für umsatzsteuerliche Zwecke vorgelegt hat, schuldet er die Umsatzsteuer für die in Auftrag gegebenen Bauleistungen.

Hinweis in der Rechnung
Muss jedoch die Umsatzsteuer nach Paragraf 13b UstG einbehalten werden, so darf der Auftragnehmer in seiner Rechnung keine Umsatzsteuer ausweisen. Zudem muss er darauf hinweisen, dass der Auftraggeber die Umsatzsteuer dem Finanzamt schuldet.

Unterlässt der Rechnungsaussteller diesen Hinweis zur Umkehr der Steuerschuldnerschaft, hat das für den Auftraggeber keine Konsequenzen. Er hat trotz dieser Verfehlung den Anspruch auf einen Vorsteuerabzug.

Schätzung statt Rechnung
Kompliziert wird die Regelung stets dann, wenn der leistende Unternehmer eine Werklieferung erbracht hat, jedoch noch keine Rechnung erteilt. In diesem Fall genügt es dem Finanzamt, wenn der Auftraggeber den Rechnungsbetrag einfach schätzt. Dann kann er auch ohne diese Rechnung Vorsteuer in Höhe der erklärten Umsatzsteuer gegen rechnen.

Zweifelsfälle
Das Schreiben des des Bundesfinanzministers hilft auch in Zweifelsfällen weiter. Grundsätzlich gelten demnach alle in den Paragraphen 1 und 2 der Baubetriebe-Verordnung aufgelisteten Tätigkeiten als typische Bauleistungen im Sinn des Paragrafen 13b UStG (BMF, Schreiben v. 2.12.2004, Az: IV A 6 #150; S 7279 #150; 100/04).

Auch bei folgenden Leistungen darf nach Paragraf 13b UStG keine Umsatzsteuer mehr in der Rechnung ausgewiesen werden:

- Zur Verfügung stellen von Betonpumpen: wenn gleichzeitig Personal für substanzverändernde Arbeiten zur Verfügung gestellt wird

- Anliefern von Beton: wenn der Beton mit eigenem Personal fachmännisch verarbeitet wird

- Installation von EDV- und Telefonanlagen: wenn diese Anlagen fest mit dem Bauwerk verbunden werden

- Befestigung von Maschinen auf einem Fundament: wenn der liefernde Unternehmer das Fundament oder die Befestigungsvorrichtung vor Ort selbst herstellt.

Nur wenn neben dem Mietvertrag für Baugeräte auch die Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung oder die Beseitigung eines Bauwerks vereinbart wird, rechnet auch die Vermietungsleistungen von Baugeräten zu den Bauleistungen, für die der Auftraggeber Schuldner der Umsatzsteuer wird.

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Scheibchenweise Umsatzsteuer zahlen? Das akzeptiert das Finanzamt nur bei vereinbarten und erbrachten Teilleistungen

Steuern

Ratenzahlungen: Keine Salamitaktik bei der Umsatzsteuer

Weil sein Kunde in Raten zahlt, will der Auftragnehmer die Umsatzsteuer ebenfalls in Raten zahlen. Der Bundesfinanzhof muss entscheiden: wann das geht – und wann nicht.

    • Steuern

Entscheidung des Bundesfinanzministeriums

ZDH kritisiert abgelehnte Kassenfristverlängerung

Das Bundesfinanzministerium hat die Fristverlängerung für die Kassenaufrüstung abgelehnt. Der ZDH hatte sich dafür eingesetzt und kritisiert den Beschluss.

    • Steuern

Steuern

Corona-Soforthilfe ist umsatzsteuerfrei

Zuschüsse aus der Corona-Soforthilfe haben in der Umsatzsteuer-Voranmeldung nichts zu suchen. Wer den Zuschuss angibt, bremst den Fiskus unnötig aus.

    • Steuern, Corona

Steuern

So schützen Sie sich vor Umsatzsteuerforderungen aus Kostenvoranschlägen

Böse Steuerfalle beim Kostenvoranschlag: Wer im Angebot die Umsatzsteuer ausweist, kann alleine schon dadurch dem Fiskus die Umsatzsteuer schulden - auch wenn der Auftrag nie vergeben wird. Dafür gibt es nur eine Lösung!

    • Steuern