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Kreditverhandlungen

Wertloser Wortwechsel mit der Bank

Sie sind so alltäglich wie nutzlos: mündliche Absprachen mit der Bank. Fünf Tipps zeigen, wie Sie Ihre Verhandlungsposition stärken.

von Jörg Wiebking

Ein Mann, ein Wort? Wer auf solche Weisheiten vertraut, lebt gefährlich. Nicht einmal mündlichen Zusagen ihrer Hausbank können Handwerker blind glauben. Diese Erfahrung hat zumindest Heizungsbaumeister Wolfgang Günthner aus Bad Wildbad gemacht – und dafür 35 000 Euro bezahlt.

Aus der Praxis: Mündliche Absprache kostet 35.000 Euro Lehrgeld
Günthner wollte ein Grundstück kaufen. „Ich hatte schon die Zusage der Bank – für 105 000 Euro.“ Dann verzögerte das Kreditinstitut die Unterschrift beim Notar. Eine Woche später erfuhr Günthner zufällig, dass die Bank einen anderen Käufer habe – für 140 000 Euro.

Als Günthner seinen Banker zur Rede stellt, habe der ihn beruhigt. „Der sagte nur: „Wir stehen zu unserem Wort’“, erinnert sich der Unternehmer. Nur schriftlich wollte ihm die Bank das nicht bestätigen. Das Ende vom Lied: Nach langem „Bitten und Betteln“ überließ die Bank dem Handwerker die Immobilie – für 140 000 Euro. Und Günthner bezahlte, denn er brauchte das Gelände dringend für die Erweiterung seines Unternehmens. Dann wechselte er die Bank.

So verbesssern Sie Ihre Position
„Wer nichts schriftlich hat und auch keine Zeugen, kann sich gegen eine Bank nicht durchsetzen“, bestätigt Wolfgang Schädtler von der Schutzgemeinschaft für Bankkunden in Erlangen. Wer seine Position gegenüber einer Bank verbessern will, sollte nach Schädtlers Erfahrung fünf grundlegende Tipps beherzigen:

Schriftform: „Lassen Sie sich alles schriftlich geben“, rät Schädtler. „Banken machen das auch nicht anders und schreiben das sogar in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen: Mündliche Nebenabreden haben keine Wirksamkeit.“

Protokoll: Falls Sie nichts Schriftliches bekommen, fertigen Sie nach einem Bankgespräch ein Protokoll an, empfiehlt der Experte. Faxen Sie dieses Protokoll Ihrer Bank – zusammen mit einem Anschreiben: „Wenn Sie dieser Darstellung nicht innerhalb von acht Tagen widersprechen, gehe ich davon aus, dass ich das Gespräch richtig protokolliert habe.“ Und heben Sie das Faxprotokoll gut auf.

Zeugen: Das geht zwar nicht bei jedem Bankgespräch, doch wenn es sich um existenzielle Fragen dreht, sollten Sie Ihren Steuerberater oder Anwalt mitnehmen. Diese Berufsstände haben vor Gericht als Zeugen ein relativ hohes Ansehen.

Rechnen Sie mit Tricks: Hoffen Sie nicht darauf, dass in einem Prozess Wort gegen Wort steht, wenn Ihr Banker eine Vereinbarung platzen lässt, die er mit Ihnen mündlich unter vier Augen getroffen hat. Seien Sie nicht überrascht, falls die Bank einen Zeugen präsentiert, der zufällig durch die angelehnte Bürotür gerade so viel gehört hat, dass er die Aussagen des Bankers bestätigen kann.

Fachlichen Rat: Wenn Sie ein größeres Finanzierungsvorhaben realisieren wollen, sollten Sie einen auf Bankrecht spezialisierten Anwalt hinzuziehen. „Man sollte lieber ein paar hundert Euro für einen Anwalt ausgeben, bevor man vielleicht einen fünfstelligen Betrag verliert, nur weil man seinem Banker vertraut hat.“

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