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Work-Life-Balance

Wie Unternehmerpaare unzertrennlich bleiben

Sind Sie beruflich und privat ein Paar? Marianne und Helmut Becker kennen die Probleme aus eigener Erfahrung. Hier verraten sie, wie man Beziehungskiller unschädlich macht.

Auf einen Blick:

  • Geschäftliche Themen gehören nicht an den Abendbrottisch, sondern in die Firma. Regelmäßige, gut vorbereitete Besprechungstermine sind unverzichtbar.
  • Durch klare Absprachen über Aufgaben und Rollen können Unternehmerpaare verhindern, dass sie gegeneinander ausgespielt werden.
  • Wertschätzung und Loyalität sind wichtige Beziehungsbausteine. Wer den anderen vor Mitarbeitern oder Kunden bloßstellt, hat schnell verloren.

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Von Astrid Funck

Geschäftliche Gespräche sollten in der Firma stattfinden und nicht zuhause. Umgekehrt sollten Unternehmerpaare auch nichts Privates in die Firma tragen. Das ist eine Grundregel, die Marianne und Helmut Becker den Lesern ihres Buches „Die Firma, unser Leben und ich“ dringend ans Herz legen. Im Interview reden die Inhaber der Firma Becker Consulting aus Kaarst über Umgangsregeln, gemeinsame Visionen und Mauern, die es wieder einzureißen gilt.

Berufs- und Privatleben nicht miteinander vermischen

Wie können Paare privat wie auch geschäftlich eine intakte Beziehung führen?

Marianne Becker: Ganz wesentlich ist, dass beide zwischen ihren Geschäfts- und Privatrollen trennen. In der Geschäftsrolle reden sie zum Beispiel darüber, ob sie einen Mitarbeiter einstellen oder einem Kunden einen Preisnachlass gewähren. Die Debatte über die Kindererziehung hat in diesen Gesprächen aber nichts zu suchen.

Helmut Becker: Das ist nicht immer einfach. Man muss sich ständig bewusst machen, jetzt bin ich in einer geschäftlichen Beziehung und verhalte mich so, wie ich mich einem fremden Mitgeschäftsführer gegenüber benehmen würde. Wenn einer in der Geschäfts- und einer in der Privatrolle ist, dann gibt es Stress.

Wie kann diese Trennung gelingen?

Marianne Becker: In unseren Seminaren legen wir den Paaren einen festen wöchentlichen Besprechungstermin ans Herz, sogar mit Tagesordnung. Er dient dazu, bestimmte Dinge wie die Umsatzentwicklung oder Personalthemen zu besprechen. Unerlässlich ist, dass beide vorbereitet zu dem Termin kommen und dafür sorgen, dass sie dann auch ungestört sind.

Helmut Becker: Der Vorteil einer Tagesordnung ist, dass der andere die Chance hat, vorab über das nachzudenken, was besprochen werden soll. Wenn nämlich beim Abendessen spontan irgendwelche geschäftlichen Sachen auf den Tisch kommen, dann besteht die Gefahr, dass gar nicht ernsthaft auf eine Lösung hingearbeitet wird.

Konflikte durch eine klare Aufgabenteilung vermeiden

Was ist zu regeln, damit die Zusammenarbeit in der Firma funktioniert?

Marianne Becker: Man sollte sich darüber im Klaren sein, wer welche Aufgabe, Rolle und Funktion erfüllt. Nach innen in Richtung Mitarbeiter, aber auch nach außen hin gegenüber Kunden und Lieferanten. Dabei ist es wichtig, jedem seine Spielwiese zu lassen und nicht nach den Förmchen des anderen zu schielen. Im Geschäft geht es auch darum, sich wechselseitig Erfolge zu gönnen und nicht eifersüchtig aufeinander zu sein.

Warum ist es so wichtig, eine Aufgabenteilung festzulegen?

Marianne Becker: Weil die Mitarbeiter das Inhaberpaar sonst austricksen und gegeneinander ausspielen können, so wie Kinder das auch mit ihren Eltern machen.

Wie loyal sollte man dem Partner gegenüber sein, wenn es im Betrieb Konflikte gibt?

Marianne Becker: Da kommen Konflikte bestenfalls nicht vor. Streiten vor Dritten geht gar nicht. Diskutieren und Meinungen austauschen ja, aber nicht streiten oder den anderen bloßstellen. Das gilt auch im Kundenkontakt: Wenn der Kunde ein Angebot reklamiert, kann ich nicht über meinen Partner sagen: „Das hat der wohl vergessen!“

Zusammen ein Zukunftsbild entwickeln und danach handeln

Warum empfehlen Sie Unternehmerpaaren in Ihrem Buch, gemeinsame Visionen und Ziele zu entwickeln?

Helmut Becker: Hin und wieder passiert es, dass jeder so seine Vision hat, aber nicht mit dem anderen darüber redet. Die Frau hat die Vorstellung, wir hören spätestens in fünf Jahren auf, haben einen Nachfolger und widmen uns unserem wohlverdienten Privatleben. Und der Mann sagt sich, mir macht das so einen Spaß, ich will am liebsten noch 15 Jahre so weitermachen. Erforderlich ist aber, dass man sich auf ein gemeinsames Zukunftsbild einigt, um daraufhin an einem Strang ziehen zu können.

Die Liebesbeziehung pflegen und dafür Auszeiten einplanen

Wie schafft man es, dass die private Beziehung nicht zu kurz kommt?

Marianne Becker: Wir empfehlen den Paaren, sich mindestens einmal im Monat für eine Unternehmung zu zweit zu verabreden. Jeder ist im Wechsel für die Planung dieses Termins verantwortlich, also für den Tisch beim schicken Italiener, die Entspannungsmassage in der Wellness-Oase oder den Theaterbesuch. Solche festen Verabredungen können sehr beflügelnd wirken.

Helmut Becker: Man muss sich vor Gleichgültigkeit hüten: Der andere war schon immer da und ist es auch weiterhin – was muss ich mich da groß drum kümmern? Dann werden Erfolge und Leistungen des Partners als selbstverständlich betrachtet, und man nimmt sich im Extremfall gar nicht mehr als Liebespaar wahr. Das ist deswegen tragisch, weil die gegenseitige Wertschätzung und Zuneigung meistens vorhanden ist. Sie wird nur nicht geäußert.

Halten Sie es überhaupt für ratsam, als Paar zusammenzuarbeiten?

Marianne Becker: Es ist schon toll, was zwei Menschen als Paar bewegen und wie sie sich gemeinsam weiterentwickeln können, wenn sie die gleichen Ziele verfolgen. Ich glaube, wenn beide aufeinander achtgeben, dann kann dieses Lebensmodell sehr viel erfüllender sein, als zwei vollkommen getrennten Berufen nachzugehen, wo der eine oft nicht nachvollziehen kann, was der andere eigentlich den ganzen Tag über macht.

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