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Carsharing im Handwerk

Wie viel Auto brauchen Sie wirklich?

Interessante Alternative oder unpraktischer Blödsinn? Diese Handwerker schwören auf Carsharing – aber nutzen es ganz unterschiedlich.

Und wie viel Auto brauchen Sie?  - Carsharing kann im Betrieb sinnvoll sein - dabei braucht man nicht immer einen externen Anbieter. Teilen kann man auch unter Kollegen.
Carsharing kann im Betrieb sinnvoll sein - dabei braucht man nicht immer einen externen Anbieter. Teilen kann man auch unter Kollegen.
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Der Deutsche und sein Auto – untrennbar verbunden durch die Liebe zum Statussymbol. Das war gestern. Jetzt ist die Zeit für pragmatische Ansätze gekommen. Wir haben mit zwei Handwerkern gesprochen, die auf ihr persönliches Firmenfahrzeug verzichten. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Lore Penske ist Solounternehmerin und braucht mal einen Kleinwagen, mal einen Transporter. Amadeus Bürgel arbeitet in einem 30-Mitarbeiter-Betrieb, der viele Fahrzeuge ständig verfügbar haben muss.

Ist überzeugt vom Carsharing - Tischlermeisterin Lore Penske
Tischlermeisterin Lore Penske
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Den Wunschwagen auf Abruf
Lore Penske baut Möbel in Hamburg. Ihre Betriebsstätte: eine Werkstattgemeinschaft in Altona. Freie Parkplätze: Fehlanzeige. „In Hamburg ist die Parkplatzsituation fast nirgends gut“, sagt Penske. Doch das kümmert die 59-jährige Tischlermeisterin wenig. Die zehn Kilometer Fahrtweg zur Arbeit legt sie meist mit dem Fahrrad zurück. Ein motorisiertes Fahrzeug braucht sie nur in zwei Situationen: wenn sie Kunden außerhalb Hamburgs besucht oder Möbelstücke aus ihrer Werkstatt zu Kunden transportiert.

Mal sei da nur ein Kleinwagen nötig, manchmal muss ein Transporter her. Kein Problem. Ihr Carsharinganbieter Cambio hat diese verschiedenen Fahrzeugtypen im Angebot. Fünf Minuten brauche Penske nur zu Fuß, um den Carsharingstandort zu erreichen. „Manchmal buche ich schon vier Wochen im Voraus, manchmal nur spontan einen Tag vor dem Termin“, erklärt die Unternehmerin. Ihre Wagen reserviert sie telefonisch. Die Carsharingdienste bieten Reservierungen aber auch bequem per App an.

"Für mich eine richtig gute Idee"
Für Lore Penske liegen die Vorteile auf der Hand: „Ich muss mich um nichts kümmern: kein Tüv, keine Werkstattbesuche, kein Ärger.“ Sie schätzt die Flexibilität am Carsharing, denn sie passt zu ihrer Arbeitsweise. „In manchen Wochen brauche ich an vier Tagen einen Wagen, dann wieder einen Monat gar keinen“, sagt die Möbelbauerin.

Doch zahlt sich das auch finanziell aus? „Für mich kommt es definitiv nicht teurer als ein eigenes Fahrzeug.“ Rund 2000 Euro zahlt die Unternehmerin netto jährlich für all ihre Transporte. Darin enthalten ist nicht nur der Carsharing-Dienst, sondern auch die Ausgaben für gelegentliche Spediteursdienste und öffentliche Verkehrsmittel. „Ich bin damit sehr zufrieden“, sagt Penske. „Carsharing war für mich eine richtig gute Idee.“

Drei Autos für zehn Mitarbeiter  - Das ist die praktische Carsharing-Interpretation von Amadeus Bürgel.
Das ist die praktische Carsharing-Interpretation von Amadeus Bürgel.
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Die Stadt Nienburg an der Weser ist mit ihren 30.000 Einwohnern zu klein, um professionelle Carsharing-Anbieter anzulocken. Dass das kein Hindernis ist, um Carsharing zumindest im kleinen Maßstab zu nutzen, beweist die Bürgel GmbH. 30 Mitarbeiter zählt der Betrieb für Energie- und Gebäudetechnik. Viele von ihnen sind Monteure, die mit Werkzeug und Material zum Kunden fahren müssen.

Wie setzt man da ein Carsharing-Modell um? Bei den Monteuren macht es keinen Sinn, deren 15 Transporter sind voll ausgelastet, erklärt Amadeus Bürgel. Der 30-jährige Unternehmersohn ist im Familienbetrieb zuständig für Planungsaufgaben.

Buchen über Outlook
Neben den Monteuren hat das Unternehmen zehn Mitarbeiter im Büro. Denen genügt ein Kleinwagen, um einen geschäftlichen Termin wahrzunehmen. „Wir teilen uns eine kleine Flotte von drei Elektroautos“, erklärt Amadeus Bürgel. Über einen Outlookkalender koordinieren die Mitarbeiter die Nutzung, indem sie die Fahrzeuge bei Bedarf zu einem Termin hinzubuchen.

Auf einen eigenen Firmenwagen für den Geschäftsführer verzichtet der Betrieb. Und Amadeus Bürgel fährt eines der Elektro-Fahrzeuge auch privat. Dafür nutzt er die Ein-Prozent-Regelung für Firmenwagen: Ein Prozent des Bruttolistenpreises versteuert er monatlich.

Die Reichweite der drei Elektroautos reiche mit maximal 200 Kilometern im Alltag völlig aus. „Unsere Kunden sind selten weiter als 50 Kilometer entfernt“, sagt Bürgel. Geladen wird ausschließlich im Betrieb, mit Strom von der eigenen Solaranlage oder dem firmeneigenen Blockheizkraftwerk. Eine bequeme Sache, meint Amadeus Bürgel: „Wir müssen nicht irgendwo zum Tanken anhalten und verlieren dadurch keinerlei Arbeitszeit.“ (deg)

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