Hilfe sollte bei denen ankommen, die dringend auf sie angewiesen sind, sagt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.
Foto: Boris Trenkel

Unternehmensfinanzierung

Wie viel Corona-Hilfe braucht das Handwerk?

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke warnt vor Forderungen nach immer mehr und dauerhaften Corona-Hilfen für Unternehmen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Corona-Hilfen für die Betriebe seien wichtig, doch bei weiteren Erhöhungen könnte die finanzielle Belastung zu groß werden, warnt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).
  • Mit Blick auf die Zukunft und aus gesellschaftlicher Solidarität sollten sich Betriebsinhaber laut Schwannecke immer fragen, ob sie diese Hilfen wirklich benötigen. Finanzhilfen sollten nicht ausgereizt werden, sondern bei denen ankommen, die dringend darauf angewiesen sind.
  • Für die Zukunft fordert Schwannecke, dass Hilfsangebote sich nicht verselbständigen dürfen, sondern noch zielgenauer konzipiert werden.

Förderung kann nicht dauerhaft fortgeschrieben werden

Herr Schwannecke, die Unzufriedenheit der Betriebe wächst, obwohl es zusätzliche oder nachgebesserte Corona-Hilfen gibt. Zuviel des Guten?

Holger Schwannecke: Es war gut und angemessen, dass die Politik zu Beginn der Krise sehr rasch und umfassend Programme aufgelegt hat, um besonders die Liquidität von Betrieben zu sichern. Und es ist auch richtig, jetzt im Teil-Lockdown mit Hilfen möglichst viele an sich gesunde Betriebe über diese Krisenphase zu bringen.

Inzwischen haben sich jedoch so gewaltige Summen für Unterstützungsprogramme aufgetürmt, dass ein stetig weiteres Draufsatteln die Belastung zu groß werden lassen könnte. Mit Blick auf die Zukunft, in der all diese Hilfen finanziert werden müssen, wird es keine stetige bloße Fortschreibung von Hilfen geben können. Sonst wird es – wie Sie es umschrieben haben - tatsächlich irgendwann ein Zuviel des Guten. Dann könnte sich das, was in der aktuellen Phase gut gemeint ist, als fatal für die Zukunft gerade auch unserer Betriebe auswirken.

Verantwortung für das Ganze

Sollte sich also der Staat in seiner Unterstützung in den nächsten Monaten zurücknehmen?

Holger Schwannecke: Ohne Frage besteht auch absehbar in den nächsten Wochen die Notwendigkeit akuter Hilfestellung für viele unserer Betriebe. Aber darüber hinaus müssen wir immer auch die künftige Tragfähigkeit und Finanzierbarkeit insgesamt mit im Auge behalten und bei der Konzeption von Hilfen mit denken.

So sehr die schwierige und so noch nicht dagewesene Lage dazu verleitet, vor allem das Jetzt zu betrachten, dürfen wir gerade im Interesse unserer Betriebe und ihrer Beschäftigen das Morgen nicht vergessen. Handwerk ist stolz – zu Recht – auf sein Selbstverständnis, nicht allein ein Wirtschaftsbereich zu sein, sondern auch eine Gesellschaftsgruppe, die Verantwortung für das Ganze übernimmt. Vor diesem Hintergrund hat die Frage: „Brauche ich diese Hilfe wirklich? Ist sie absolut erforderlich?“ ihre Berechtigung.

„Hilfen müssen nicht ausgereizt werden“

Die Hilfen sollten also nicht von Betrieben aus dem Gefühl heraus beantragt werden, dass sie ihnen in dieser Krise zustehen, sondern möglichst nur von denen, die sie dringend brauchen?

Holger Schwannecke: In dieser Pandemie ist nicht nur Solidarität im Gesundheitsbereich gefragt, sondern auch in der Wirtschaft und mit künftigen Generationen. Zur DNA eines Unternehmers im Handwerk gehört ohnehin das Denken in längeren Linien als Quartalen, das Denken in Generationen. Wenn dieses Denken als Maßstab an die eigene Erwartungshaltung angelegt wird, dann ergibt sich daraus im Grunde vor allem für Betriebe, denen es vergleichsweise gut geht, dass sie nicht unbedingt jeden Anspruch auch geltend machen, der möglich wäre. Hilfen müssen nicht ausgereizt werden. Sie müssen bei denen ankommen, die dringend darauf angewiesen sind.

Wie muss die Förderung geändert werden, um die Wirtschaft zu stabilisieren?

Holger Schwannecke: Auf Dauer sind Hilfen in diesem Umfang nicht durchzuhalten. Ich sehe derzeit die Gefahr, dass sich Hilfsmuster, die kurzfristig unbedingt geboten waren, verselbstständigen. Hilfen müssen noch zielgenauer konzipiert sein. Sie müssen einfach sein – für alle Beteiligten – und schnell ankommen.

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