Jetzt machen sich Wirtschaftspolitiker von Union und SPD für die Wiedereinführung in manchen Gewerken stark.
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Politik und Gesellschaft

Wirtschaftspolitiker fordern Rückkehr zur Meisterpflicht

Die Abschaffung der Meisterpflicht in einigen Gewerken war ein Fehler – das empfinden viele Handwerker schon lange so. Jetzt wollen auch einige Politiker das Rad zurückdrehen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Wirtschaftspolitiker von Union und SPD machen sich für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in manchen Gewerken stark.
  • Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßt dieses Vorhaben. Er fordert, dass negative Auswirkungen für das Handwerk beseitigt werden müssten.
  • Voraussetzung für eine Neuregelung ist aus Sicht der Handwerksorganisation aber, dass sie europafest und verfassungskonform ist.
  • Fliesenlegermeister Stefan Bohlken freut sich, dass die Debatte um die Wiedereinführung der Meisterpflicht endlich die breite Masse erreicht hat. Er meint: Die Politik muss jetzt endlich Taten folgen lassen.

2004 hat die rot-grüne Bundesregierung die Meisterpflicht in vielen Gewerken abgeschafft. Seither darf sich in 53 Gewerken jeder selbstständig machen – auch ohne jeglichen Qualifikationsnachweis. Schon lange gibt es Diskussionen darüber, die Abschaffung der Meisterpflicht rückgängig zu machen. So wagte etwa Fliesenlegermeister Stefan Bohlen Anfang dieses Jahres mit seiner Petition zur Wiedereinführung des Meisterbriefs im Fliesenlegerhandwerk einen konkreten Vorstoß. Jetzt hat auch die politische Diskussion darum an Fahrt aufgenommen.

CDU-Politiker moniert geringere Qualität und weniger Ausbildung

„Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler“, sagte der CDU-Politiker Carsten Linnemann im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Qualität der Arbeit habe sich in diesen Gewerken teilweise deutlich verschlechtert, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Außerdem werde immer weniger Nachwuchs ausgebildet. „Wir wollen die Meisterpflicht deshalb in bestimmten Berufen wieder einführen“, so Linnemann, der auch Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung der Union ist.

Unterstützung für diese Pläne kommt auch aus der SPD: „Die Kunden müssen die Sicherheit haben, dass der bestellte Handwerker auch wirklich eine gut ausgebildete Fachkraft ist“, sagte Sören Bartol. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende fordert von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen konkreten Vorschlag, wie die Handwerksordnung geändert werden könne, ohne vor dem Bundesverfassungsgericht und bei der Europäischen Union zu scheitern. „Wenn da weiter nichts kommt, müssen wir im Bundestag aktiv werden“, so der SPD-Politiker.

ZDH fordert, negative Auswirkungen zu korrigieren

Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) begrüßt den aktuellen Vorstoß. „Für das Handwerk geht es in erster Linie darum, die negativen Auswirkungen durch den Wegfall der Meisterpflicht zu überprüfen und zu korrigieren", betont Generalsekretär Holger Schwannecke. So seien durch den Wegfall der Meisterpflicht die Ausbildungszahlen zum Teil drastisch zurückgegangen.

Laut einer Erhebung des ZDH gab es Ende 2004 noch 3029 Lehrlinge im Fliesen-, Platten und Mosaiklegerhandwerk. Bis 2016 sank diese Zahl um 26,1 Prozent auf 2239 Auszubildende bundesweit. Im Raumausstatterhandwerk fiel die Entwicklung mit einem Rückgang von 42,6 Prozent noch deutlicher aus. Dort ging die Zahl der Azubis im gleichen Zeitraum von 3146 auf 1805 zurück.

Von der Abschaffung der Meisterpflicht in vielen Gewerken hatten sich Politiker seinerzeit erhofft, die Arbeit im Handwerk attraktiver zu machen. Doch nach Einschätzung von Schwannecke ist genau das Gegenteil der Fall. „Die Abschaffung der Meisterpflicht in vielen Gewerken hat nicht dazu geführt, dass wir mehr Fachkräfte bekommen haben“, so der ZDH-Generalsekretär. Vielmehr seien es immer weniger geworden.

Bestandsschutz für Betriebe? Ja, sagt der ZDH!

Deutlich gestiegen ist in einigen Gewerken seit der Abschaffung der Meisterpflicht hingegen die Zahl der Betriebe. Sie kletterte laut ZDH bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern von 25.545 im Jahr 2004 auf 69.729 Betriebe im Jahr 2016 – das entspricht einem Plus von 173 Prozent. Im Raumausstatterhandwerk nahm die Zahl der Betriebe im gleichen Zeitraum um 156,6 Prozent von 11.098 auf 28.480 zu.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter spricht sich der ZDH grundsätzlich für einen Bestandsschutz aus. Er solle für diejenigen gelten, die sich zwischenzeitlich ohne Meister selbstständig gemacht haben. Klar ist für die Handwerksorganisation noch etwas anderes: Eine Neuregelung müsse europafest und verfassungskonform sein, so Präsident Hans Peter Wollseifer. „Deshalb haben wir zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die diese Frage prüfen."

Stefan Bohlken: Diskussion erreicht endlich die breite Öffentlichkeit

Fliesenlegermeister Stefan Bohlken freut sich über die aktuelle Diskussion. „Endlich kommt das Thema in der breiten Öffentlichkeit an“, so der Handwerksunternehmer aus Oldenburg, der sich schon lange für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in seinem Gewerk starkmacht. Für ihn gehe es dabei nicht darum, Billigheimer vom Markt zu verdrängen. „Es geht darum, für den Beruf eine Zukunft zu schaffen“, betont Bohlken.

Er hofft, dass die Politik mit der aktuellen Debatte auf einem guten Weg ist. Doch reden alleine helfe nicht weiter. „Die Politik muss jetzt liefern“, fordert der Fliesenlegermeister. Damit greift er eine Forderung aus seinem Facebook-Video auf, mit dem er Ende März für Aufsehen gesorgt hatte.

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