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Foto: Kai Stolpmann
Die Köpfe hinter Wohnglas (v.l.): Holger Jokisch und Kathrin Jokisch. 

Strategie

Wohnglas: So innovativ kann Glaserhandwerk sein

Dichtungsfreie Duschen, langlebige Farbdrucke und Glaswände, die heizen: Diese Glaser punkten mit außergewöhnlichem Handwerk.

  • Kathrin und Holger Jokisch haben sich mit Wohnglas auf außergewöhnliche Glasarbeiten spezialisiert. Das Unternehmen stattet Küchen, Bäder, Wohnzimmer und Arztpraxen mit unterschiedlichsten Glaslösungen aus.
  • Innovationen gehören zum Selbstverständnis von Wohnglas. Aus der Entwicklungsarbeit sind zum Beispiel widerstandsfähige Glasdrucke entstanden. Auch Infrarotheizungen und TFT-Displays hinter Glas gehören zum Leistungsportfolio des Betriebs.
  • Wenn Glasermeister Holger Jokisch neue Produkte entwickelt, muss schonmal das heimische Wohnzimmer als Labor herhalten. Das soll sich künftig ändern: Der vierköpfige Betrieb will 2021 eine neue Halle beziehen.

Wie wird aus großem Erfindergeist eine erfolgreiche Existenz? Kathrin und Holger Jokisch kennen die Antwort genau. Das Unternehmerpaar hat einst in einer Garage das Unternehmen Wohnglas gegründet. „Wir haben 3000 Euro für Werkzeug und Material in die Hand genommen und einfach losgelegt“, erinnert sich Holger Jokisch. Die Entscheidung bedeutete für die beiden nicht nur den Schritt aus einem unsicherer werdenden Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit, sondern vor allem in die kreative Selbstverwirklichung. Heute ist der vier Mitarbeiter starke Betrieb aus Dötlingen bei Oldenburg bei seinen Kunden bekannt für außergewöhnliche Glasarbeiten und langlebige Glasdrucke. Wohnglas fertigt unter anderem gläserne Küchenrückwände, TFT-Displays und Infrarottechnik hinter Glas sowie rahmen- und dichtungslose Ganzglas-Duschen.

In fünf Schritten zur Positionierung

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Präzision bestimmt das Handwerk

„Ich habe immer ungewöhnliche Lösungen geschaffen“, berichtet Holger Jokisch. Schon als angestellter Glasermeister habe er individuelle Arbeiten ermöglicht und selbst vor Glaswänden in schiefen Fachwerkbauten nicht zurückgeschreckt. „Das Glas wurde dann so sauber angepasst, dass es aussah, als würde es durch die Balken gehen“, erklärt er.

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Foto: Wohnglas Raumwunder: Die rahmenlose Dusche braucht kaum Platz.

Auf hohe Genauigkeit legt das Unternehmen auch heute Wert. Dazu nutzt es die Möglichkeiten der Digitalisierung. „Beim Besuch vor Ort machen wir ein millimetergenaues lasergestütztes Aufmaß“, berichtet der Meister. So baut Wohnglas beispielsweise Duschen, die wegen ihres minimalen Spaltmaßes von 0,65 Millimeter ohne schmutz- und schimmelanfällige Dichtungen auskommen.

Während der Glasermeister die Erstgespräche mit Kunden führt, die Aufmaßplanung macht und Zeichnungen anfertigt, erledigt Kathrin Jokisch die Buchhaltung, Angebotserstellung und Kundenberatung in Designfragen. „Insbesondere wenn es darum geht, ein passendes Design zu finden, besuchen wir den Kunden gemeinsam und schauen uns an welcher Stil und welche Farben zum Kunden passen“, erklärt Kathrin Jokisch. Auf dieser Basis wählt sie beispielsweise passende Motivideen für den Glasdruck aus und schickt sie den Kunden.

Eigenentwicklung: Widerstandsfähiger Glasdruck

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Foto: Wohnglas Farbenfrohe Badgestaltung: Mit dem widerstandsfähigen Digitaldruck auf Glas hat sich Wohnglas einen Namen gemacht.

Der besonders widerstandsfähige Glasdruck gehört zu den wichtigsten Entwicklungen des Unternehmens. Er halte – von einem Farblabor geprüft – selbst ein stundenlanges Bad in kochendem Wasser schadlos stand und eigne sich damit für den sicheren Einsatz beispielsweise in der Sauna oder in Herdnähe.

„Glas lässt sich eigentlich nicht gut bedrucken, deswegen ist ein unglaublicher chemischer Aufwand nötig, etwas so fest auf Glas zu bekommen, dass es solchen Belastungen aushält“, sagt Holger Jokisch. Zwar würden viele Firmen Glas lackieren, meist mit Autolacken, hohen Belastungen aber halte das nicht stand. Holger Jokisch musste den langlebigen Digitaldruck auf Glas selbst entwickeln – mit eigenen Entwicklungen und Unterstützung von Farblaboren. „Ich habe an allen Stellschrauben gedreht: vom Verfahren es aufzubringen bis zur Chemie der Lacke“, sagt er. Das Ergebnis hat er als Gebrauchsmuster schützen lassen. Heute könne der Betrieb jedes beliebige Motiv auf Glas drucken, aktuell bis zu einer Größe von 1,25 bis 2,50 Meter.

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Foto: Kai Stolpmann Versteckter Stauraum. Auch das kann Glasdesign.

Innovation als Nische

Wo nimmt der Unternehmer neben dem Tagegeschäft die Zeit für solche aufwändigen Entwicklungen? „Ich hab das wahnsinnige Glück gehabt, meinen Traumberuf zu erlernen“, antwortet der Meister. „Ich bin ein Glasnerd und beschäftige mich auch am Wochenende und freien Tagen mit Glas.“ Und weil die Leidenschaft zum Glas auch seine Frau gepackt hat, entwickeln die beiden häufig gemeinsam neue Produktideen, die sie marktreif entwickeln und bei Kunden installieren. „Innovation ist unsere Nische“, sagt Kathrin Jokisch. „Wir sind ständig auf der Suche nach Neuem.“

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Foto: Wohnglas Elementübergreifender Digitaldruck: Das Bad am See besteht aus 6 bedruckten Glaselementen, die sich zu einem nahtlosen Naturmotiv ergänzen.

Eine wichtige Maschine, die manche Innovation ermöglicht hat, ist der Vakuumlaminator des Unternehmens. Mit dem fertigt Wohnglas etwa Verbundglastüren aus Sicherheitsglas selbst. Ein Anwendungsvorteil: Zwischen zwei Glasscheiben lassen sich Digitaldrucke unzerstörbar integrieren. So entstehen beispielsweise Glastüren mit verschiedenen Motiven auf der Vorder- und Rückseite. „So etwas ist bei der Industrie mit individuellen Motiven überhaupt nicht erhältlich“, erklärt Glasermeister Jokisch.

Hightech hinter Glas

Das Vakuumlaminierverfahren erlaubt es dem Betrieb, individuelle Kundenwünsche zu erfüllen. Für den Radiologie-Bereich einer Arztpraxis hat es beispielsweise Bleimatten zum Schutz vor der Strahlung einlaminiert. Und es geht noch eine Stufe futuristischer: In einigen Zahnarztpraxen und Privathaushalten hat der Betrieb die Eigenentwicklung Vitrum Panel installiert. Hier wurden extraflache TFT-Bildschirme in eine Glasrückwand integriert. So schmückt beispielsweise ein beruhigendes Urlaubsmotiv den Computerarbeitsbereich im Behandlungszimmer, in das sich der Bildschirm nahtlos einfügt. „Die Oberfläche ist hygienisch, widerstandsfähig und ganz einfach zu desinfizieren“, erklärt Jokisch.

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Foto: Wohnglas Schön und praktisch: Für die Bauweise des TFT-Displays hinter Glas ließ Wohnglas ermitteln, dass es kein
Patent verletzt. Eine Voraussetzung, um es gegen Nachahmer zu schützen.

Für noch mehr Wohlfühlatmosphäre stehen die Infrarotheizungen hinter Glas. Ein nahezu homogenes Infrarotheizsystem zwischen den Glaselementen verwandle Fußböden, Wände oder Duschen in Heizungen, die eine Tiefenwärme erzeugen. Für eine optimale Integration in den Raum, erlaubt das System laut Wohnglas Aussparungen für Steckdosen oder Duscharmaturen. „Damit können wir aus einer Dusche eine Infrarotwärmekabine machen“, erklärt der Unternehmer. Bei allen Arbeiten setze der Betrieb nur hochwertige Technik ein. „Und natürlich lassen wir sämtliche elektrische Vorarbeiten von einem Elektrofachbetrieb ausführen“, sagt Jokisch.

Zeit für neue Räume

In diesem Jahr gehen Kathrin und Holger Jokisch den nächsten großen Schritt mit ihrem Unternehmen. Sie werden einen Hallenneubau beziehen, der dem Unternehmen mehr Platz für effizientere Prozesse, parallele Auftragsbearbeitung und kreative Entwicklungen geben wird. „Wir werden unsere technische Ausstattung optimieren und eine Ausstellungslounge schaffen“, erzählt Kathrin Jokisch. Endlich kann dann auch das Labor des Glasermeisters umziehen – seine Versuchsreihen hatte er bisher häufig im heimischen Wohnzimmer aufbauen müssen. „Jetzt freue ich mich auf einen eigenen Entwicklungsraum mit optimalen Testbedingungen“, berichtet der Glasermeister.

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