Der 21-Jährige vertritt bei den Worldskills in Abu Dhabi die deutschen Maurer. Sein Ziel: Er will Weltmeister im "Bricklaying" werden.
Foto: Anna-Maja Leupold

Panorama

Worldskills: Maurermeister will an die Weltspitze

Noch knapp zwei Monate, dann beginnen die Worldskills. In Abu Dhabi will Maurermeister Jannes Wulfes Weltmeister werden. Wir haben ihm beim Vorbereitungstraining in Göttingen über die Schulter geschaut.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Der Wettbewerb: Die Worldskills finden in diesem Jahr vom 14. bis 19. Oktober in Abu Dhabi statt.
  • Die deutschen Maurer werden von Jannes Wulfes (21) aus Niedersachsen vertreten.
  • Wulfes will Weltmeister werden. Dafür hat er in diesem Jahr schon acht Wochen für den Wettbewerb trainiert. Weitere zwei Wochen Trainingslager folgen noch.
  • Die Herausforderung: Die Aufgabenstellung bekommen die Teilnehmer erst vier Tage vor Wettkampfstart. Außerdem werden im Wettbewerb Klinkersteine verwendet, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten üblich sind. Die Maße weichen von denen in Deutschland ab.

Es wirkt so, wie Puzzeln, ohne dabei nachzudenken. Jannes Wulfes greift mit der linken Hand nach einem der roten Klinkersteine, die auf dem Hallenboden liegen. Sie sind alle fertig zugeschnitten. In der Rechten hält der Maurermeister seine Maurerkelle. Flink streicht der 21-Jährige etwas Mörtel auf den Klinker, setzt ihn auf die Mauer und bringt den Stein mit dem Griff der Kelle in Position. Alles geht unbeschreiblich schnell. Dennoch sieht das Werkstück ganz akkurat aus.

Wulfes trainiert eine Woche lang im Göttinger Berufsbildungszentrum für die Worldskills 2017. Die finden vom 14. bis 19. Oktober in Abu Dhabi statt – der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. „Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden“, sagt der junge Mann. Überheblich wirkt das nicht.

Kleinste Abweichungen gefährden den Sieg

Er beäugt das Sichtmauerwerk, greift zur Wasserwaage und legt sie auf die oberste Reihe: eine kleine Abweichung! Deshalb klopft er ein paar Mal mit dem Griff der Kelle auf die Wasserwaage. Die Jury wird ihm selbst kleinste Fehler nicht verzeihen. „Eine Abweichung von zwei Millimetern kann den Sieg kosten“, sagt der Niedersachse, der aus Harsum bei Hildesheim stammt.

Diese Erfahrung musste er bei den Euroskills im vergangenen Jahr machen. Bei den Europameisterschaften belegte er den sechsten Platz. „0,6 Punkte haben mir zum zweiten Platz gefehlt“, so der Maurermeister. Als Niederlage empfindet er das nicht, vielmehr hat diese Erfahrung seinen Ehrgeiz nur angespornt. Allein in diesem Jahr hat er schon acht Wochen trainiert. Und das ist nicht alles, weitere zwei Wochen Training stehen noch unmittelbar vor dem Wettkampf in Abu Dhabi an.

Jannes Wulfes trainiert am Matterhorn

Wulfes schabt mit der Kelle an der Innenseite des Mörteltrogs entlang, rührt um und belädt sie mit ein wenig Mörtel. Den streicht er auf das Mauerwerk und setzt den nächsten Klinkerstein. Auf die Skizze, die auf dem Hallenboden liegt, schaut er nicht ein einziges Mal. Er kennt sie in- und auswendig. Schließlich arbeitet er seit vier Tagen an seinem Werkstück – eine alte Prüfungsaufgabe aus der Schweizer Meisterschaft. Im Mauerwerk ist langsam das Matterhorn zu erkennen. Der Niedersachse mauert der Bergspitze entgegen.

Neuerung bei den Worldskills

„Die Aufgabenstellungen bei den Worldskills sind meist regionaltypisch“, erläutert der Maurermeister. Deshalb rechnet er für Abu Dhabi mit arabischen Stilelementen, zum Beispiel einem gewölbten Spitzbogen oder einer Kuppel. Gewissheit wird er erst vier Tage vor dem Start haben. Erst dann bekommt er die Wettbewerbsaufgaben. Sorgen bereitet ihm das nicht, er sieht es vielmehr als Chance. Denn er vermutet: „Diese Neuerung ist sicher ein Vorteil gegenüber den Teilnehmern aus Asien.“ Den Grund dafür sieht er in der guten, breit angelegten Ausbildung in Deutschland.

Der Mörtel ist alle. Wulfes schaut deshalb seinen Trainer Kai-Uwe Holtschmidt fragend an. „Fertig machen“, ruft der. Deshalb schüttet der Maurermeister Zementpulver in den Mörteltrog. Zwei Minuten später taucht er seine Kelle schon wieder in den frischen Zement. Jetzt setzt er einen schwarzen Klinkerstein in das Mauerwerk. Bei seinem Werkstück verwendet er drei verschiedene Farben, so wie es die Vorlage vorgibt. Die Klinker haben unterschiedliche Strukturen, aber die Maße sind alle gleich. Und die kennt er seit seiner Ausbildung aus dem Effeff.

Klinker mit anderen Maßen

Doch darauf kann er in Abu Dhabi nicht bauen. „wir müssen da mit anderen Maßen arbeiten“, sagt der Niedersachse. In seiner Freizeit übt er deshalb, mit den anderen Maßen zu rechnen. Denn beim Wettkampf kommt es nicht nur auf Präzision an, sondern auch auf Schnelligkeit.

Wulfes greift nach dem letzten Stein, bestreicht ihn mit Mörtel und setzt die Spitze des Matterhorns auf die Mauer. Perfekt sitzt er noch nicht, er ruckelt ihn mit der Kelle in Position. Sein Trainer schaut ihm kritisch über die Schulter. Fertig ist der 21-Jährige mit seinem Werkstück noch immer nicht. Er muss noch die Fugen auskratzen. Reihe für Reihe. Nach elf Stunden Arbeit ist es endlich geschafft, das Matterhorn ist fertig.

Drei Module in 22 Stunden

In Abu Dhabi muss Wulfes drei Module innerhalb von 22 Stunden fertigstellen. Am Ende bewertet die Jury. Und das wird hart. Denn die wird an etwa 40 Punkten im Mauerwerk messen. „Um es an die Spitze zu schaffen, sind vier perfekte Tage nötig“, sagt der junge Handwerker. Gut vorbereitet ist er dafür zumindest schon.

Sein Trainer hält währenddessen die Wasserwaage und misst. Anerkennend nickt Holtschmidt seinem Schützling zu. Wenn überhaupt, gibt es im Sichtmauerwerk nur minimale Abweichungen von der Vorlage. Dennoch werden sie vor dem Wettkampfstart zusammen noch weitere zwei Wochen trainieren. Und dann wird es Mitte Oktober ernst.

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