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Interview

„Langsam in die Rolle hineinwachsen“

Gut gewappnet in die Zukunft: Gründungsberatung beugt späteren Unternehmenskrisen vor, meint Kurt Assfalg. Worauf es bei der Beratung ankommt, erklärt der Unternehmensberater und Gründer-Coach im handwerk.com-Interview.

Gut gewappnet in die Zukunft: Gründungsberatung beugt späteren Unternehmenskrisen vor.

Kurt Assfalg ist seit rund 30 Jahren als Unternehmensberater tätig und hat bereits etliche Existenzgründungen begleitet. Die Assfalg amp; Collegen GmbH Unternehmensberatung in Westerstede bietet speziell für Existenzgründer mehrtägige Beratungsseminare an.

Existenzgründer im Vollhandwerk haben alle Ihren Meisterbrief in der Tasche. Sind Sie da nicht gut genug vorbereitet auf die Selbstständigkeit?

Den Gründern fehlt es vor allem an Strategie. Sie haben kein konkretes Ziel. Fragt man 100 Handwerksgründer, wo sie in zehn Jahren stehen wollen, wissen 90 von ihnen keine plausible und konkrete Antwort. Fragt man sie nach ihren Plänen, sagen 80 Prozent, dass sie nicht planen könnten.

In welchen Punkten brauchen Existenzgründer die Hilfe eines Unternehmensberaters?

Sehr oft fehlt es ihnen an kaufmännischem Basiswissen. Es reicht nicht aus, die doppelte Buchführung zu beherrschen. Den wenigsten ist klar, dass man zum Beispiel ein Controlling-Instument aufbauen muss. Auch Begriffe wie Rating und Cashflow sind vielen unbekannt. Die Banken verlangen aber ein derartiges Wissen.

Reicht hier nicht die Hilfe eines Steuerberaters aus?

Der Steuerberater kann zwar die betriebswirtschaftliche Analyse erklären. Aber als Coaching reicht das nicht. Er ist in der Regel für die Vergangenheit zuständig, nicht für die Zukunft.

Die Gründer müssen besser ausgebildet werden, um Insolvenzen zu verhindern. Das betrifft nicht nur die betriebswirtschaftlichen Belange. Viele Gründer haben sich noch gar keine Gedanken gemacht über die Grundwerte und Maßstäbe ihres Unternehmens, es gibt keine Firmenphilosophie.

Was gehört Ihrer Meinung nach auf den Plan eines guten Existenzgründer-Seminars?

Dazu gehören unbedingt Themen in Sachen Strategie, Marketing, Organisation, Liquidität und Controlling. Auch sollte zur Sprache kommen, nach welchen Kriterien die Banken ein Gründungsprojekt beurteilen. Das sichere Auftreten im Bankgespräch sollte ebenfalls geübt werden.

Was ist mit dem Geschäftskonzept: Sollte das nicht ebenfalls auf dem Seminarplan stehen?

Natürlich, das ist ja der Kern des Ganzen. Dabei müssen sich die Gründer unbedingt selbst mit ihrem Geschäftskonzept auseinandersetzen. Viele machen den Fehler, im Businessplan, den die Banken vorgelegt haben wollen, ein reines Geldbeschaffungsmedium zu sehen. Also lassen sie sich das Konzept von Beratern anfertigen und unterschreiben nur noch.

Damit vergeben sie aber die Chance, einen aussagekräftigen und selbst erarbeiteten Plan für ihre Unternehmensgründung zu bekommen, quasi einen Fahrplan für sich selbst.

Das alles bieten Sie in Ihren Seminaren an für 3000 Euro. Welcher Existenzgründer kann sich das leisten?

Wir vermitteln den Gründern Schlüsselqualifikationen, daher ist das eine Investition, die sich jeder Gründer leisten sollte. Es geht dabei auch um die Bedeutung, die einer Beratung zugemessen wird: Wenn jemand bereit ist, 3000 Euro zu bezahlen, meint er es ernst. Und etwas Eigenkapital sollte sowieso vorhanden sein: Nur auf Krediten kann man kein Geschäft aufbauen.

Inwieweit sollten persönliche Voraussetzungen des Gründers bei der Beratung zur Sprache kommen?

Nicht jeder ist für die Selbstständigkeit geeignet. Manche haben völlig falsche Vorstellungen von dem, was sie erwartet. Es hängt vom psychologischen Geschick des Beraters ab, die Klienten von den Grenzen ihrer Möglichkeiten zu überzeugen. Ein guter Berater hilft ihm, die Bombenidee der Realität anzupassen, ohne dabei den Lebenstraum zu zerstören.

Was bringt eine Folgeberatung? Wird da nicht nur abkassiert?

Wir bieten eine Folgeberatung an. Das ist ein über ein oder zwei Jahre laufender Coaching-Vertrag. Damit der Existenzgründer nicht vom richtigen Weg abkommt, schauen wir für ihn sozusagen auf den Kompass. Wir helfen ihm bei der Betriebswirtschaftlichen Analyse und interpretieren seine Controlling-Zahlen. Bei uns darf der Unternehmer Fehler machen, nicht aber bei der Bank.

Die Fragen stellte Britta Lorenz

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