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Anreiz für den Kunden 2.0

Youtube-Handwerker: der messbare Erfolg

Aufwendige Videoproduktionen. Special-Effects. Eigener Youtube-Kanal. Sind Filme, wie sie der hannoversche Malerbetrieb Heyse zeigt, nicht völlig überkandidelt? Und was kostet der Spaß? Heyse-Chef Matthias Schultze gibt die Antworten.

 - Screenshot: Matthias Schultze im Heyse-Video.
Screenshot: Matthias Schultze im Heyse-Video.

Er selbst nennt sich "Maler 2.0". Matthias Schultze nutzt die sozialen Netze des Internets wie kaum ein anderer Handwerksmeister – und nebenbei produziert und zeigt er noch Videos im eigenen Youtube-Kanal. Bei solchen Film-Beispielen drängen sich Fragen auf.

Ihre Firmen-Videos sehen extrem aufwendig aus – warum tun Sie sich so etwas an?
Schultze: Weil’s funktioniert!

Weil was funktioniert?
Schultze: Marketing 2.0. Die Bilder sind bewegt und bringen ein authentisches Gefühl rüber, das reizt das Kaufgefühl. Die Kamera schwenkt über die fertige Arbeit. Die Kunden kommen zu Wort. So transportieren wir echte Gefühle. Also ein echtes Gefühl zu unserer Arbeit und unseren Fähigkeiten. Wir leisten etwas, der Kunde freut sich.

Aber rechtfertigen die Zugriffe auf die Videos tatsächlich so einen Aufwand?
Schultze: Ich habe ja in unserem Youtube-Kanal einen messbaren Wert. Der Kanal wird täglich etwa 100-mal geklickt. Damit ist die Investition sinnvoll. Schaffe etwas Außergewöhnliches, lasse andere darüber sprechen.

Und was kostet der Spaß? Lesen Sie Seite 2.

 - Screenshot II: Schultze und die Farbexplosion.
Screenshot II: Schultze und die Farbexplosion.
Der Kunde 2.0 entscheidet unverkrampft

Trotzdem stellt sich doch die Frage, ob die Kunden darauf anspringen.
Schultze: Natürlich nicht jeder Kunde. Aber wissen Sie, jemandem in der Theorie optische Eindrücke zu vermitteln, ist schwierig. Durch einen Film kann jeder potenzielle Kunde schnell entscheiden, ob wir etwas liefern, was er will, was ihm behagt. Also begleitet mich die Kamera durch einen Auftrag. Und ich denke eher, das wird noch mehr. Jeder sieht uns anders – aber so kann uns jeder sehen, Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr.

Es gibt ihn also, den Kunden 2.0?
Schultze: Ja. Und der kann und will ganz unverkrampft entscheiden, ob er mit uns einverstanden ist. Wie wir ticken. Ob er uns mag oder nicht. So ein Film schafft ganz einfach eine authentische Stimmung.

In Ihren Videos treten auch Ihre Kunden auf. War es schwierig, die Auftraggeber davon zu überzeugen, da mitzuspielen?
Schultze: Nein, überhaupt nicht, das erzeugt eher einen Mehrwert für die Kunden. Um beim Beispiel Schloss Hammerstein zu bleiben. Die Villa wird für Veranstaltungen vermietet. Und die Auftraggeber können ihren Kunden wiederum zeigen, wie ihre Immobilie aussieht. Die klassische Win-win-Situation.

Naheliegende Frage: Was kostet der Spaß?
Schultze: Das kann man schwer sagen. Für so eine Video-Serie über einen größeren Auftrag müssen sie zwischen 4000 und 8000 Euro rechnen. Aber das ist natürlich völlig dehnbar, gute Filme gibt‘s auch für 1000 Euro – nur entsprechend einfacher. Die Special-Effects im Hammerstein-Trailer sind ja schon großes Kino.

Alles Mist? Ein Beispiel-Video und die Reaktionen von Mitbewerbern auf Seite 3.

Wettbewerber reagieren auch negativ

Und wie kommen Sie an ein Filmteam, das so etwas umsetzen kann?
Schultze: Wir sind in Hannover in einem großen Netzwerk aktiv, dem Business Network International. Und die Filmer sind Leute aus meinem Netzwerk. Reines Empfehlungsmarketing, im Laufe der Zeit lernt man sich kennen, Dienstleister aus ganz unterschiedlichen Branchen. Ich habe dann auch deren Professionalität kennengelernt.

Bei solchen Summen zuckt man aber schon, oder?
Schultze: Stimmt, ich habe anfangs auch gesagt, puh, ganz schön teuer. Andererseits kostet ja auch meine Dienstleistung Geld – und deren Qualität  muss ich irgendwie transportieren. Schreiben kann ich viel, aber so ein Film sagt tatsächlich mehr als 1000 Worte.

Wie kommt der Youtube-Kanal denn draußen an?
Schultze: Die Kunden reagieren positiv. Es gibt Wettbewerber, die das alles für großen Mist halten. Aber damit kann ich leben. Wir arbeiten ganz einfach an einem neuen Malerimage. Das alte Klischee sieht doch so aus: Maler rauchen, trinken Bier und wenn sie mit Wohnung durch sind, ist zwar alles gestrichen, aber irgendwie dreckig. Wir wollen dafür sorgen, dass es für die Kunden ganz einfach toll ist, einen Maler  zu beauftragen – als Teil eines Lebensgefühls.

Und so bindet Schultze die Begeisterung einer Auftraggeberin mit in ein Video ein:


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(sfk)
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