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Marktmacht Handwerk?

Dumme Fragen – schlaue Kunden

Zeichen und Wunder: Die Wochenzeitung Die Zeit hat einen Text veröffentlicht, der das Handwerk nicht abwatscht. Noch interessanter als der Artikel sind die Leserkommentare.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Die Zeit stellt fest: „Handwerker haben’s auch nicht leicht.“
  • Pfusch-Umfrage: Zeit-Leser tappen nicht in die Klischeefalle
  • Gegenfrage: Was zeichnet einen guten Kunden aus?

Die Schlagzeile ist förmlich überraschend: „Handwerker haben’s auch nicht leicht.“ Die Wochenzeitung Die Zeit sucht in ihrer aktuellen Ausgabe nach einer Erklärung. Da ist doch der Bauboom. Da sind die Kunden, die über lange Wartezeiten klagen. Da sind die steigenden Preise für Bauleistungen. Wieso machen einige Betriebe dann nicht mehr Umsatz, nicht mehr Gewinn? Weshalb nehmen sie nicht mehr Aufträge an?

Die Journalisten: Und ewig lockt das Klischee

Eine Antwort: „Viele Handwerksbetriebe haben genau dasselbe Problem wie ihre Auftraggeber. Sie finden selbst niemanden, der die Arbeit machen will.“ Der Text arbeitet Stichpunkte ab, die ein Verständnis für Betriebe aufbauen. Schlechte Zahlungsmoral der Auftraggeber. Nachwuchsprobleme als Folge staatlicher Bildungspolitik. Schließung von Berufsschulstandorten. Bürokratie.

Alles richtig gemacht? Fast. Auch Die Zeit kann es nicht lassen, wahrscheinlich sind die Stereotype zu verlockend. Denn die Redakteure begleiten ihre Erkenntnisse mit der Umfrage: „Nutzen Handwerker ihre neue Marktmacht aus?“ Na, Leser, was hast Du beim Hausbau erlebt? Komm schon. „Führt der Bauboom zu Pfusch als System?“ Ist doch so: „Das Dach ist schief, der Boiler zu klein, die Treppe hängt in der Luft.“

In dem Aufruf steht ausdrücklich nicht: „Die übelste Horrorgeschichte belohnen wir mit einem Zeit-Abo.“ Aber man wartet regelrecht darauf und gähnt ein wenig. Als gäbe es keine Normalität, keinen Alltag, keine unspektakulären Aufträge, die unspektakulär erledigt werden. Als gäbe es nur die grandiose Leistung und nur den totalen Pfusch.

Die Leser: Kunde entwickelt Verhaltenskodex – für Kunden

Nun gibt es unter Zeit-Lesern reflektierte Menschen, die das Spiel nicht mitspielen, in den Kommentaren verstecken sich echte Perlen. Eine Kundin mit dem Avatar Ingrid49 leitet aus ihren Erfahrungen einen Verhaltenskodex ab, den man jedem Auftraggeber vorlegen könnte:

  • Ich beschäftige […] immer die gleichen Handwerker, solange sie gute Arbeit leisten und faire Preise anbieten.
  • Ich erwarte keine Wunder.
  • Ich bin sicher erreichbar für Rückfragen.
  • Angebote wünsche ich mir nur für größere Aufgaben.
  • Ich zahle Rechnungen pünktlich und ziehe Beträge nur nach vorheriger Rücksprache ab.

Ihre Erfahrung: Was zeichnet einen guten Kunden aus?

Ein anderer Leser arbeitet mit „manchen Handwerkern seit über 20 Jahren zusammen“. Lampe24 hat die Preise in Zeiten schlechter Baukonjunktur nicht maßlos in den Keller gedrückt: „Heute zahlt es sich aus, wenn ich einen Handwerker brauche, ist dieser auch für mich da.“ Man erinnere sich eben gerne an jemanden, der einen in der Not nicht hängen gelassen hat. Genau!

Und was zeichnet den Kunden aus, für den Sie gerne arbeiten? Schreiben Sie uns!

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