Image
Handwerker-apps.jpeg
Foto: mrmohock - stock.adobe.com
Wie viel Funktionen muss eine Handwerker-App bieten, damit sie nützlich ist?

Digitalisierung + IT

5 clevere Tipps für die Wahl der richtigen Handwerker-App

So viele Handwerker-Apps, so viele Funktionen? Das große Angebot erschwert die Auswahl passender Tools. Mit diesen 5 Tipps finden Sie die passende Lösung.

  • Wie viel Funktionen muss eine Handwerker-App bieten, damit sie nützlich ist? Nicht so viele, denn Spezial-Apps für bestimmte Aufgaben sind oft einfacher und praktischer als eine große Komplettlösung.
  • Bevor Sie sich die Funktionen einer App anschauen, sollten Sie allerdings Ihre Ziele festlegen. Das reduziert die Auswahl auf jene Apps, die sich wirklich lohnen. Und Sie verzetteln sich nicht.
  • Keine Angst vor den Kosten und Fehlentscheidungen: Cloud-Software ermöglicht einen schnellen Einstieg – und einen schnellen Ausstieg ohne Folgekosten, falls eine App nicht mehr den eigenen Anforderungen entspricht.
  • Auf eine Funktion sollten Sie jedoch auf keinen Fall verzichten: den Datenexport in einem brauchbaren Dateiformat. Sonst wird der Wechsel teuer.

Vom Aufmaß bis zur Zeiterfassung: Die Zahl nützlicher Handwerker-Apps wird immer größer und vielseitiger.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, weiß Thorsten Moortz. Der Strategieberater und Coach aus Georgsmarienhütte unterstützt Handwerker bei der Einführung digitaler Werkzeuge im Betrieb. Er weiß, worauf es in der Praxis ankommt. Und das sind nicht die Kosten oder die größtmögliche Anzahl an Funktionen.

# 1: Denken Sie in Zielen, nicht in Funktionen

Ziele sind wichtiger als Funktionen, lautet Moortz‘ erster Rat an jeden digitalisierungshungrigen Handwerker. „Fangen Sie nicht damit an, über das Werkzeug nachzudenken, sondern über Ihre Ziele. Was wollen Sie erreichen? Was würde Ihnen und Ihren Mitarbeitern am meisten bringen?“

Wer sich auf Funktionen statt auf Ziele konzentriere, setze die falschen Prioritäten. Ziel vor Funktion führe manchmal zu „ganz anderen, viel praktischeren Lösungen“. Ein Fehler sei es hingegen, die eigenen Ziele an die verfügbaren Features einer Software anzupassen. „Ein Tischler kauft ja auch nicht erst einmal eine CNC-Maschine und überlegt sich dann, was er damit alles anstellen könnte.“

Tipp: Die Digitalisierung ist kein Heilmittel für „schlechte Prozesse“, warnt Moortz. „Wer nur erreichen will, dass er im Büro weniger Arbeit hat, ist bei den Zielen auf der falschen Fährte. Das werden die Mitarbeiter sofort durchschauen und nicht mitmachen.“

[Tipp: Sie wollen beim Thema „Digitalisierung im Handwerk“ nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!]

# 2: Cloudbasierte Software: mieten statt kaufen

Moortz rät zur Cloud-Software: „Wenn eine Software nicht cloudfähig ist, würde ich die Finger davon lassen.“ Seine Prognose: In fünf Jahren werde es keine lokalen Software-Installationen mehr geben.

Ob eine Software cloudfähig ist, lasse sich einfach erkennen: Ist ein bestimmter Datensatz von außen im eigenen System aufrufbar, mit einer App oder im Browser? „Wenn ich mit einem Link nicht von außen an meine Daten komme, habe ich ein Verknüpfungsproblem.“

Der Vorteil cloudbasierter Software: Es handelt sich um Mietsoftware. Da kommt zwar im Laufe der Zeit einiges zusammen. Doch dafür entfällt der meist hohe Kaufpreis und ein schneller Wechsel fällt leichter.

Das lohnt sich: Volle Sofort-Abschreibung für Hardware und Software ab 2021!

Handwerker können Anschaffungskosten für Hardware und Software ab 2021 sofort vollständig abschreiben. Worauf müssen Sie dabei achten?
Artikel lesen

#3: Kosten und Nutzen abwägen

Ob sich eine Handwerker-App rechnet, lasse sich einfach beantworten, sagt Moortz: „Was kostet die Software pro Monat und Mitarbeiter und wie viel Zeit spart sie mir pro Monat und Mitarbeiter?“

Die mögliche Ersparnis hänge vor allem von der Nutzerfreundlichkeit ab. „Was helfen mir die Funktionen, wenn niemand die Software nutzt?“ Sein Rat: „Eine Software muss so einfach sein wie Whatsapp. Sonst muss man sich überlegen, ob die Mitarbeiter sie wirklich nutzen werden.“

Doch falls ein Handwerker den Nutzen überschätzt, sei das Kostenrisiko bei gemieteter Cloud-Software gering. „Das ist für Kunden der große Vorteil: man kann schnell rein – und schnell wieder raus“, sagt der Coach.

Ein anderer möglicher Kostenfaktor ist ein Systemintegrator, der bei der individuellen Einrichtung der neuen Software hilft. Die Arbeit eines solchen Systemintegrators sei zwar teuer, vor allem im Vergleich zu den Monatsmieten der Software. Doch nach Moortz‘ Erfahrungen nutzt ein Drittel der Handwerker diese Leistung, weil sie die Einführung deutlich beschleunigt.

Selbstverständlich sollte hingegen ein funktionierender Kundensupport bei Problemen und Fragen sein. Weil Cloud-Software kurzfristig kündbar ist, sei die Kundenzufriedenheit für die Anbieter sehr wichtig. „Wer nicht innerhalb von 24 Stunden eine Antwort liefern kann, verliert sehr schnell seine Kunden.“

# 4: Spezialisierte Apps statt Komplettlösung

Image
Thorsten-Moortz_0001.jpeg
Foto: privat Immer den Ausstieg mitplanen: Nur wenn eine Handwerker-App Daten sauber exportiert, kann man sie später noch nutzen, sagt Thorsten Moortz.

Von der Suche nach der einen Software, die alle Aufgaben integriert, rät Moortz ab. „Man sollte sich fragen, ob man ein Schweizer Taschenmesser will, das vieles kann, aber nichts richtig, oder ein auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiertes Werkzeug.“

Die meisten Handwerker suchten nach einer Komplettlösung. Sie hätten Angst vor dem Aufwand, Daten in mehreren Programmen pflegen zu müssen. „Klar würde man das gerne vermeiden, aber der Aufwand für solche Lösungen ist nicht gerechtfertigt.“ Es gebe zwar große Software-Häuser mit starken Lösungen, „aber Leistungsumfang und Preise sind industrieorientiert – und da muss man sich fragen, ob man die Funktionen wirklich alle nutzen wird“.

Eine Prozessanalyse zeige schnell, „dass man solche großen Lösungen nicht braucht.“ Viele Aufgaben wie zum Beispiel Organisation und Dokumentation von Baustellen seien in sich abgeschlossen. Die Software für solche Aufgaben sollte einfach, schnell und praktisch sein. „Die Software einer CNC-Fräse braucht ja auch nur eine Schnittstelle zum Planungsprogramm und muss nicht auch noch den Schrank zusammenbauen.“

Und wie sieht es mit Schnittstellen und der Vernetzung zwischen Apps aus, als Ersatz für eine Komplettlösung? Einige große Anbieter seien da weit, berichtet Moortz, „die mit den hohen Preisen“. Spezialisierte Anbieter mit cloudbasierte Lösungen hätten allerdings den Vorteil, grundsätzlich offen für eine künftige Vernetzung zu sein. „Da ist das nicht schon von vornherein ausgeschlossen.“

# 5: K.O.-Kriterium: Datenexport

Achten sollten Handwerker bei der Auswahl einer App nicht zuletzt auf den Datenexport. „Ich würde auf keinen Fall eine Software nutzen, bei der ich nicht in der Lage bin, die Daten in einem normalen Datenformat wieder herauszukriegen“, sagt Moortz. Spätestens wenn sich die Anforderungen im Betrieb ändern und die Funktionen einer Software nicht mehr ausreichen, stehe ein Wechsel an. „Dann muss man unbedingt die eigenen Daten aus der Software exportieren und in das neue Programm importieren können.“

Sein Tipp: Fragen Sie den Anbieter vor der Anschaffung, was Sie unternehmen müssen, um Daten zu exportieren und in welchem Format das passiert, zum Beispiel als Datenbank oder als Excel-Tabellen? Gibt es ein Datenverzeichnis? Werden die Bilder mit exportiert und zugeordnet? „Wer da keine einfache Lösung bieten kann, scheidet aus meiner Sicht aus“, sagt der Berater.

Tipp: Sie wollen beim Thema „Digitalisierung im Handwerk“ auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Software-Desaster kostet Handwerker 20.000 Euro

Vollständige Digitalisierung aller Prozesse im Betrieb durch Branchensoftware? Weil Matthias Fenske auf die Versprechen eines Anbieters vertraute, wurde es richtig teuer für ihn!
Artikel lesen

Wie verlässlich sind GoBD-Zertifikate für Software?

Manche Software-Hersteller werben mit einem GoBD-Zertifikat. Auf der sicheren Seite sind Handwerker bei einer Betriebsprüfung damit aber nicht - darum müssen sie sich selbst kümmern.
Artikel lesen
Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Kompetent auftreten!

8 Tipps für den richtigen Händedruck

Beim Kunden zählt der erste Eindruck; dazu gehört auch ein angenehmer Handschlag. Doch wann gibt man die Hand und wann nicht? Und wie macht man es am Besten? 8 Tipps für den richtigen Händedruck.

Beim Software-Kauf kann man manche Fehler machen. Gute Beratung und ein guter Vertrag schützen Sie – auch für den Ernstfall.
Foto: pathdoc - stock.adobe.com

Fehlinvestition vermeiden

5 Tipps für den Software-Kauf ohne Reue

Sie wollen große Enttäuschungen mit der nächsten Software vermeiden? Dann treffen Sie Vorsorge – und kennen Sie Ihre Rechte.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Gesundheit am Schreibtisch

Sitzen Sie gut? Die 3 besten Tipps für richtiges Sitzen

Mal lax nach hinten lehnen, dann vorne auf die Stuhlkante rutschen und zwischendurch wieder aufrichten. Die beste Sitzhaltung ist immer die nächste. Denn Stillhalten ist ungesund – die drei top Tipps für entspanntes Sitzen im Büro lesen Sie hier.

Mit diesen Tipps holen Sie mehr aus den Meetings.
Foto: bnenin - stock.adobe.com

Kommunikation

Bessere Videokonferenzen: 5 Tipps vom Google-Experten

Videokonferenzen fühlen sich selten so natürlich an wie Gespräche von Angesicht zu Angesicht. Diese Tipps machen sie besser.

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.