Nachfolge in kleinen Betrieben: Nehmen Sie sich die Aufgaben Schritt für Schritt vor.
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Nachfolge in kleinen Betrieben: Nehmen Sie sich die Aufgaben Schritt für Schritt vor.

Strategie

Betriebsnachfolge: Vermeiden Sie die typischen Chef-Fehler!

Suchen Sie einen Betriebsnachfolger? Viele Chefs stehen sich dabei selbst im Weg: zu spät, zu unflexibel, zu egoistisch. 7 Tipps: So machen Sie es besser.

Auf einen Blick

  • Ob Ihre Betriebsnachfolge im Handwerk gelingt, hängt allein von Ihnen als Betriebsinhaber ab: Stellen Sie sich selbst die richtigen Fragen?  Versetzen Sie sich in die Lage der Nachfolger? Was tun Sie dafür, dass Ihr Betrieb zu deren Wünschen und Zielen passt?
  • Je früher Sie die Nachfolge angehen, desto besser. Dann haben Sie genug Zeit, um Ihren Betrieb fit zu machen für eine Zukunft ohne Sie an der Spitze. Je besser Ihnen das gelingt, desto leichter werden Sie mit der Übergabe auch Ihre eigenen Ziele erreichen.
  • Was dann noch fehlt: ihre eigene Ausstiegsstrategie – damit Sie loslassen, wenn es an der Zeit ist.

Neugründung oder Betriebsnachfolge? Keine leichte Wahl für angehende Existenzgründer im Handwerk. Doch häufig nehmen ihnen diese Entscheidung ausgerechnet jene Betriebsinhaber ab, die auf Nachfolgersuche sind: Sie schrecken die Kandidaten eher ab und machen die Neugründung dadurch umso attraktiver.

„Oftmals ist die Bindung der Inhaber an ihr Lebenswerk zu groß und damit die Bereitschaft zu niedrig, sich mit dem Abschied auseinanderzusetzen“, weiß Annika Hörnschemeyer, Betriebsberaterin der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Die Folge: Große Emotionen, unrealistische Vorstellungen, schlechte Vorbereitung und schlechtes Timing behindern die Übergabe – oder verhindern sie ganz.

Wie Sie solche Fehler bei der Nachfolgesuche vermeiden, verrät die Expertin in ihren Tipps.

1. Klarheit schaffen: Was will ich als Übergeber wirklich?

Viele Probleme können Betriebsinhaber bei der Betriebsnachfolge vermeiden, wenn sie sich mehr Zeit für die Bedürfnisse der Interessenten nehmen,  weiß Annika Hörnschemeyer von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.
Foto: HWK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim
Viele Probleme können Betriebsinhaber bei der Betriebsnachfolge vermeiden, wenn sie sich mehr Zeit für die Bedürfnisse der Interessenten nehmen,  weiß Annika Hörnschemeyer von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.

„Der absolute Wille und die Motivation des Übergebers entscheiden darüber, ob es zu einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge kommt“, sagt Hörnschemeyer. Darum müsse sich der Betriebsinhaber mit diesen vier Themen auseinandersetzen:

  • Ziele: Wann möchte ich frühestens übergeben, wann spätestens? Wie ist meine Wunschvorstellung von der Übergabe?
  • Zweifel: Was könnte der Nachfolge im Weg stehen?
  • Ruhestand: Welche Ziele und Pläne habe ich für meine Zeit nach der Übergabe?
  • Finanzen: Wie ist meine Altersvorsorge geregelt?

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2. Perspektive wechseln: Was will der Nachfolger?

Um ihre eigenen Ziele zu erreichen, müssten sich Betriebsinhaber stärker in Lage des Nachfolgers versetzen, rät Hörnschemeyer. Dabei könnten folgende Fragen helfen:

  • Was würde ich mir wünschen?
  • Was würde mich motivieren?
  • Warum sagt und tut man als Nachfolger bestimmte Dinge? Liegt das vielleicht auch an mir als Übergeber?

Zudem sollten sich Betriebsinhaber auf die entscheidenden Fragen zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens vorbereiten, die jeder Nachfolger hat:

  • Ist der Betrieb mit dem jetzigen Leistungsprogramm zukunftsfähig oder sind Veränderungen erforderlich?
  • Wie ist die Kundenstruktur? Bestehen Kundenabhängigkeiten?
  • Wie sehen die Zahlen aus? Welche Gründe gibt es für unbefriedigende Umsätze und Erträge?
  • Wurde in den letzten Jahren investiert? Auf welchem technologischen Stand sind die Maschinen? Ist die Ausstattung modern oder veraltet? Wann stehen Ersatzinvestitionen und Reparaturen an?
  • Wie ist die Altersstruktur des Teams und welche Qualifikationen haben die Mitarbeitenden?
  • Gibt es eine gelebte und positive Unternehmenskultur?
  • Wie ist der Betrieb organisiert? Wie weit ist er in der Digitalisierung, im Controlling und in Sachen Wissensmanagement?

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3. Starten: frühzeitig, schrittweise und mit Unterstützung

Das wahrscheinlich größte Hindernis für eine erfolgreiche Betriebsnachfolge seien in kleinen Handwerksbetrieben die fehlenden Ressourcen, sagt Hörnschemeyer: Der Betriebsinhaber arbeitet produktiv und hat keine Zeit. Es gibt keine zweite Führungsebene, an die er das Tagesgeschäft delegieren kann, damit er sich auf die Nachfolgeplanung konzentrieren kann. Ebenso fehlt ihm die Zeit, um sich um die für Nachfolger wichtige „Zukunftsfähigkeit“ seines Unternehmens zu kümmern.

Ihre Tipps:

  • Stellen Sie sich ein Beraterteam zusammen, dass Sie mit Nachfolge-Know-how unterstützt. Beratungsangebote gibt es viele, eine erste gute Anlaufstelle ist jedoch Ihre Handwerkskammer, deren Nachfolgemoderatoren und Betriebsberater sich regelmäßig mit diesem Thema beschäftigen. Sie helfen bei der Nachfolgersuche und der Betriebswertung, kennen sich mit Finanzierungsfragen und Fördermöglichkeiten aus, können zwischen Übergeber und Übernehmer moderieren und als Lotsen Ihre Nachfolge begleiten.
  • Fangen Sie früh mit der Nachfolgeplanung an, idealerweise schon mit Anfang 50. Dann haben Sie noch genug Zeit, sich um die Zukunftsfähigkeit Ihres Betriebs zu kümmern. Auch dabei kann Sie die Betriebsberatung Ihrer Handwerkskammer unterstützen.
  • Je früher Sie mit der Planung beginnen, desto leichter lässt sich der Nachfolgeweg in kleine Schritte aufteilen. So behalten Sie trotz knapper Ressourcen den Überblick und geraten nicht durch Zeitnot unter Druck.

4. Dran bleiben: Idealvorstellung überdenken

Egal wie früh Sie anfangen und wie viel Zeit Sie investieren: Eine Betriebsnachfolge verläuft praktisch nie zu 100 Prozent nach Plan, weiß Hörnschemeyer. Ein früher Start biete Ihnen jedoch die Chance, die Pläne immer wieder anzupassen, um dennoch die eigenen Ziele zu erreichen. Bei einem späten Start hingegen bleibe Ihnen oft nur noch eine Möglichkeit: Ihre Ziele herunterzuschrauben.

Hörnschemeyer rät:

  • Passen Sie Ihren Nachfolgefahrplan regelmäßig an.
  • Passen Sie auch Ihre Idealvorstellung vom Nachfolger und der Übergabe an. Zum Beispiel kann der Nachfolger fehlende Qualifikationen vielleicht nachholen, wenn ansonsten alles passt. Auch für die Übergabe und deren Finanzierung gibt es mehr als nur eine Lösung.
  • Nehmen Sie regelmäßig an Veranstaltungen und Workshops zum Thema Nachfolge teil. Der Austausch mit Gleichgesinnten führt oft zu neuen Impulsen für die weitere Suche.

5. Kommunizieren: mit dem Nachfolger sprechen, nicht über ihn

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg einer Betriebsnachfolge. Auch dabei sollten sich Betriebsinhaber stärker in die Lage des Nachfolgers versetzen, empfiehlt Hörnschemeyer. Ihre Tipps:

  • Arbeiten Sie die Vorteile der Übernahme für den Nachfolger gegenüber einer Neugründung heraus und kommunizieren Sie diese.
  • Sprechen Sie mögliche Nachfolgerkandidaten – auch im eigenen Betrieb – frühzeitig und vertraulich an. Betonen Sie dabei die Vorteile, die eine frühe Regelung der Nachfolge für den Nachfolger und den Betrieb hat.
  • Nehmen Sie sich Zeit für die Kommunikation mit dem Nachfolger. Die Übergabe ist kein Thema für Gespräche zwischen Tür und Angel.
  • Planen Sie den Nachfolgeprozess gemeinsam mit dem Nachfolger. Nehmen Sie sich dafür Zeit, am besten in Form regelmäßiger Termine.
  • Verkünden Sie den Nachfolger erst, wenn Sie sich einig sind. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein unsicherer Interessent endgültig Nein sagt.

6. Konflikte lösen: sachlich bleiben und Rat holen

Stellen Sie sich als Betriebsinhaber auf Konflikte im Nachfolgeprozess ein. „Das größte Konfliktpotenzial gibt es durch den Wertewandel zwischen den Generationen“, weiß Hörnschemeyer. Ihr Rat bei Konflikten:

  • Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Ihr Nachfolger andere Vorstellungen von der Unternehmensführung, der Ausrichtung oder dem Umgang mit Kunden und Team hat. Versuchen Sie Konflikte auf der Sachebene zu lösen.
  • Falls das nicht gelingt: Holen Sie sich Rat! Die Nachfolgemoderatoren der Handwerkskammern sind dafür gute Ansprechpartner. Unterstützung bieten auch die Mediatoren im Handwerk.
  • Sprechen Sie nicht schlecht über den Nachfolger gegenüber Kunden und Belegschaft. Das schadet nur seiner Akzeptanz und kann im Extremfall die Übergabe verhindern.

7. Ausstiegsstrategie: loslassen und delegieren

In vielen Handwerksbetrieben läuft wenig bis nichts ohne den Chef: Niemand weiß mehr über die Kunden, Mitarbeiter, die Strukturen und Abläufe im Betrieb. Daher kann es sinnvoll sein, als Übergeber dem Nachfolger noch eine Zeit lang zur Seite zu stehen.

Zum Problem werde diese Unterstützung jedoch, wenn der Übergeber keine „Ausstiegsstrategie“ hat, warnt Hörnschemeyer. „Nachfolger wünschen sich einen klaren Fahrplan mit vereinbarten Meilensteinen und regelmäßiger Kommunikation.“

Die Betriebsberaterin empfiehlt Übergebern, eine Ausstiegsstrategie konkret zu planen und mit dem Nachfolger abzustimmen:

  • Wann und wie reduziere ich meine Stunden?
  • Wer fängt die Aufgaben auf?
  • Was mache ich in der freiwerdenden Zeit?

Hilfreich sei es, wenn der Betriebsinhaber Aufgaben und wichtige Informationen schon vor der endgültigen Übergabe an seinen Nachfolger überträgt. Oder auch an Mitarbeiter, die dem Nachfolger dann weiter zur Seite stehen. „Betriebsnachfolge bedeutet, loszulassen und delegieren zu lernen“, betont Hörnschemeyer.

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