Die Energiekosten-News 2022 kompakt für das Handwerk zusammengefasst.
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Die Energiekosten-News 2022 kompakt für das Handwerk zusammengefasst.

Energiekosten aktuell

Steuererleichterungen für Betriebe in der Energiekrise

Welche Steuererleichterungen bieten die Bundesländer? + Umfrage Energiekosten + Kurzarbeit + Die wichtigsten Infos zur Energiekrise für das Handwerk.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Niedersachsen verspricht schnelle Steuer-Hilfe

26. September 2022: Weniger Steuervorauszahlungen, Stundung und ein Erlass von Steuern: So will Niedersachsen Betrieben in der Energiekrise helfen. Was machen die anderen Länder?

Das Land Niedersachsen will den von der Energiekrise betroffenen Unternehmen „mit steuerlichen Erleichterungen entgegenkommen“. Konkret nennt das Niedersächsische Finanzministerium:

  • die Herabsetzung der Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer,
  • die Stundung oder den Erlass fälliger Steuern,
  • den Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge.

Das Ministerium empfiehlt „wesentlich betroffenen“ Betrieben, sich mit ihrem Finanzamt in Verbindung zu setzen. Die Finanzämter würden „schnell“ und „mit Augenmaß“ entscheiden und ihren Ermessensspielraum „verantwortungsvoll” ausschöpfen.

Und was ist mit den anderen Bundesländern? Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) weist darauf hin, dass diese steuerlichen Möglichkeiten allen Unternehmen in allen Bundesländern zur Verfügung stehen. Niedersachsen habe in seinem Erlass lediglich die Finanzämter zu Augenmaß und Schnelligkeit bei solchen Anträgen aufgefordert.

Der ZDH geht davon aus, „dass auch in den anderen Bundesländern eine vergleichbare Behandlung von eingehenden Anträgen erfolgt, ohne dass öffentlich darauf hingewiesen wird“. Der Verband empfiehlt Handwerksbetrieben, solche Anträge mit Unterstützung eines Steuerberaters zu stellen. (jw)

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Viele Betriebe können Energiekosten nicht weitergeben

23. September 2022: Rund 60 Prozent der Handwerksbetriebe berichten von Umsatzausfällen infolge des Ukraine-Kriegs. Das hat eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) ergeben, an der sich Anfang September fast 4.200 Unternehmen beteiligten:

  • Im Mittel sind etwa 19 Prozent des für 2022 erwarteten Umsatzes verloren gegangen.
  • Am häufigsten meldeten die Lebensmittelhandwerke sinkende Umsätze (84 Prozent), das Kfz-Handwerk (70 Prozent) und die persönlichen Dienstleistungsgewerke (64 Prozent). Das sei vor allem eine Folge zunehmender Kaufzurückhaltung der Konsumenten.
  • Zudem führen die steigenden Beschaffungs- und Energiekosten zu Stornierungen, insbesondere in den Bauhauptgewerken, und zu Engpässen in Produktion und Auftragserbringung.

Zu den höheren Beschaffungskosten hat die Erhöhung der Bezugspreise für Strom und Erdgas beigetragen: So berichteten 71 Prozent der Befragten, dass ihre Versorger Preiserhöhungen angekündigt haben. Die bereits bekannten Preiserhöhungen für Strom und Gas liegen bei durchschnittlich 70 Prozent.

Nur 4 Prozent der Betriebe können ihre gestiegenen Kosten umfassend an ihre Abnehmer weitergeben, 70 Prozent immerhin anteilig.

Vollständig die gestiegenen Energiekosten weitergeben? Das können nur wenige Kunden.
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Vollständig die gestiegenen Energiekosten weitergeben? Das können nur wenige Handwerksbetriebe.

Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, die Mehrkosten gar nicht weitergeben zu können. Besonders stark betroffen sind hier die Gesundheitshandwerke (63 Prozent), die Kfz-Betriebe (40 Prozent) und die Lebensmittelgewerke (30 Prozent). In den Bau- und Ausbaugewerken betrifft das hingegen nur 20 bzw. 18 Prozent der Betriebe. (jw)

Vereinfachtes Kurzarbeitergeld wegen Energiepreisen verlängert

22. September 2022: Der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld wird nochmals verlängert - bis Ende dieses Jahres. Grund dafür ist die schwierige Situation, in die viele Betriebe wegen der hohen Energiepreise geraten sind, teilt das Bundessozialministerium mit. Eingeführt wurden die Regelungen wegen der Corona-Krise und dann wegen des Ukraine-Kriegs verlängert.

Konkret bedeutet das:

  • Die Zahl der Beschäftigten, die vom Arbeitsausfall betroffen sein müssen, bleibt von einem Drittel auf 10 Prozent abgesenkt.
  • Die Beschäftigten müssen vor Gewährung des Kurzarbeitergelds weiterhin keine Minusstunden aufbauen.

Weitere pandemiebedingten Sonderregeln waren bereits zum 30. Juni ausgelaufen.

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Weitere pandemiebedingten Sonderregeln waren bereits zum 30. Juni ausgelaufen.

Die Verordnung gilt für neue Anträge auf Kurzarbeitergeld, aber auch für Betriebe, die bereits jetzt in Kurzarbeit sind und diese verlängern müssen.

Arbeitgeber können die Anträge über ihre zuständige Agentur für Arbeit stellen. Da die Verordnung noch nicht in Kraft getreten ist, sind die Informationen im Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit bislang noch nicht angepasst. (kw)

Bäcker fordern „Energiekostendeckelung“

15. September 2022: Ihnen reicht’s: Mehr als 1.000 Bäckerinnen und Bäcker und ihre Mitarbeitenden haben Mitte der Woche in Hannover vor dem Neuen Rathaus gegen die hohen Energiekosten und die Energiepolitik der Bundesregierung demonstriert. Sie kamen mit mehr als 180 Fahrzeugen, die im Anschluss an die Demonstration mit einem Autokorso in der Hannoverschen Innenstadt auf sich aufmerksam machten. Unter dem Motto „Rettet uns Bäcker“ hatten der Bäckerinnungsverband Niedersachsen/Bremen und einige Handwerksbäckereien aus der Region Hannover zu der Kundgebung eingeladen. 

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Über 1.000 Bäcker mit ihren Mitarbeitenden haben in Hannover gegen die steigenden Energiekosten demonstriert und fordern die Politik zum Handeln auf.

Die Betriebe im Bäckerhandwerk haben mit steigenden Energiekosten zu kämpfen und können sie nach eigenen Angaben nicht vollständig an die Kunden weitergeben, erklärte Mitinitiator und Bäckermeister Axel Oppenborn von der Calenberger Backstube während der Bäcker-Demonstration in Hannover am Mittwoch. Die meisten Betriebe hätten die Preise schon deutlich angehoben. Doch das reiche nicht aus, um die Mehrkosten zu decken. Viele Betriebe rechneten für das kommende Jahr mit einer Erhöhung der Energiekosten um das Vier- bis Siebenfache.

Die Bäcker fordern Ausgleichszahlungen für die gestiegenen Gas- und Strompreise. Ihr Vorschlag: Ein Vergleich der aktuellen Gesamtenergiekosten mit denen von. „80 Prozent der Mehrkosten fordern wir als Ersatzleistung vom Staat zurück“, sagt Jan Loleit, Geschäftsführer des BKV-Nord (Norddeutscher Bäckerinnungsverband). Die restlichen 20 Prozent würden die Betriebe versuchen, selbst auszugleichen.

„Kunden können sich bald kein Bäckerbrot mehr leisten“

Bäckermeister Markus Grube aus Alfeld (Mitte) mit einigen seiner 220 Mitarbeitenden bei der Demo vor dem Neuen Rathaus.
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Bäckermeister Markus Grube aus Alfeld (Mitte) mit einigen seiner 220 Mitarbeitenden bei der Demo vor dem Neuen Rathaus.

Sorgen um die Nachfrage nach seinen Produkten macht sich Bäckermeister Markus Grube aus Alfeld in Südniedersachsen. „Seit März sinken die Kundenzahlen, sie halten ihr Geld mehr zusammen denn je“, sagt er. Den Umsatz habe sein Betrieb mit 18 Filialen und 220 Mitarbeitenden halten können – durch Preisanpassungen. Aber die Grenze sei erreicht: Wenn er seine Backwaren noch weiter verteuere, „kommt bald keiner mehr zum Handwerksbäcker“, sagt Grube. Neben der Unterstützung für Betriebe findet er, dass auch die „arbeitende Bevölkerung“ entlastet werden muss. „Denn sie sind auch unsere Kunden“, betont der Handwerksmeister.

„Wir haben Angst vor der Insolvenz“

Bäckermeister Alexander Weiß (2.v.l.) mit seiner Frau Inga Weiß (2.v.r.) und Mitarbeitenden des Betriebs aus Gehrden.
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Bäckermeister Alexander Weiß (2.v.l.) mit seiner Frau Inga Weiß (2.v.r.) und Mitarbeitenden des Betriebs aus Gehrden.

„Wenn die Preise weiter so steigen“, befürchtet Bäckermeister Alexander Weiß aus Gehrden in der Region Hannover, „zahlen wir drauf und die Insolvenz droht.“ Er und seine Frau Inga führen eine kleine Bäckerei mit 12 Angestellten. Die Ausgleichzahlungen, wie die Bäcker sie vorschlagen, findet er „gerecht für alle“, unabhängig von der Anzahl an Filialen und Mitarbeitenden. Schwarz auf Weiß habe er die Kostaufstellung für 2023 noch nicht. Weiß rechne aber, wie viele Kollegen, mit einem Anstieg der Energiekosten um das Fünffache.

Landesregierung sagt Unterstützung der Bäcker zu

Ihre Einladung zur Demonstration angenommen hatten auch Vertreter der niedersächsischen Landesregierung: Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU): „Wir stehen an der Seite des Bäckerhandwerks, wir müssen Arbeitsplätze und Betriebe erhalten“, sagte Weil. „Wir dürfen den Mittelstand nicht vergessen und dafür werde ich mich einsetzen“, betonte Althusmann.

Die Bäcker betonten, dass die momentane Situation die „schwerste Krise seit dem 2. Weltkrieg“ ist. „Seien Sie sich sicher“, sagte Bäckermeister Oppenborn am Ende der Veranstaltung, „wenn wir auf Landesebene kein Erfolg haben, dann ziehen wir nach Berlin und machen dort weiter.“ (ja)

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