Foto: PeTa

Work-Life-Balance

Alexander Flohr: Der kernige Pflanzenfresser

Handwerksmeister mit eigener Kochshow: Alexander Flohr zeigt in Internet-Videos vegane und gleichzeitig deftige Rezepte. Seine Ernährung hat aus ihm einen besseren Chef gemacht.

Auf einen Blick:

  • Flohr ging es gesundheitlich schlecht. Seit er sich vegan ernährt, ist seine „Power“ zurückgekehrt
  • In seiner Videoshow „Hier kocht Alex“ kreiert er aus pflanzlichen Zutaten deftige Mahlzeiten.
  • Flohr sagt: „Die Massentierhaltung ist pervers, kein Tier soll meinetwegen leiden.“

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15 Autominuten östlich von Berlin: Der Straßenbaumeister Alexander Flohr führt einen kleinen Betrieb im brandenburgischen Eggersdorf. Flohr ist ein Chef, der mit auf der Baustelle steht, der körperlich hart gefordert wird. Und er ist Veganer. Ein Widerspruch?

Radikaler Schnitt für die Gesundheit

Viele Menschen lehnen die Massentierhaltung ab, kommen aber an keiner Bratwurstbude vorbei. Können Sie das nachvollziehen?
Flohr: Mir ging es genauso. Der letzte Anstoß für mich war die gesundheitliche Schiene, es mir ging nicht gut. Ich hatte die Symptome, die viele übergewichtige Menschen kennen: Die Gelenke brennen, du schläfst schlecht, der Blutdruck ist zu hoch. Irgendwann war mir klar, dass ich meine Ernährungsgewohnheiten verändern muss.

Sie haben Ihre Ernährung allerdings radikal verändert.
Flohr: In der Küche experimentieren, das war schon immer mein Spaß. Ich habe einen Weg gefunden, so zu kochen, dass mir nichts fehlt, also auch vom Geschmack und vom Biss her. Und vor drei Jahren habe ich mich nebenbei zum Ernährungsberater mit dem Schwerpunkt pflanzliche Kost ausbilden lassen.

Auch radikal.
Flohr: Na ja, ich musste schon meiner Kinder wegen sicher sein, dass wir alle wichtigen Nährstoffe zu uns nehmen, wenn ich koche. Dann hat sich wirklich schnell gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Der Straßenbaumeister und Unternehmer Alexander Flohr hatte seine alte Energie wieder, aus mir ist ein neuer Mensch geworden.

„Die Mitarbeiter sehen meine Power“

Was sagen denn ihre Mitarbeiter, belächeln die ihren vegan lebenden Chef?
Flohr:
Wenn es so wäre, würde es mich nicht stören. Meine Leute sehen, wie es mir geht, sie sehen meine Power. Und ich hatte selbst Vorurteile. Die ersten Veganer, die ich Anfang der 90-er Jahre erlebt habe, löffelten irgendwelche Getreidebreie.

Sind Sie ein Prediger, versuchen Sie Ihre Mitarbeiter von Ihrer Lebensweise zu überzeugen?
Flohr:
Nein, von mir aus sage ich nichts. Wer interessiert ist, bekommt natürlich eine Antwort. Mein Sprachrohr ist die Kochsendung, wir drehen ja immer neue Folgen. Das überzeugt am meisten. Wenn die Leute leckeres Essen sehen, tropft denen der Zahn.

Wirken sich Ihre öffentlichen Auftritte eigentlich auf ihre Auftragslage aus? Sie werden ja immer bekannter.
Flohr:
Nein, gar nicht, meine Auftragsbücher waren schon immer voll, da konnte ich mich noch nie beklagen.

Schmeckt das überhaupt – ohne Fleisch?

Ich habe einer polnischen Freundin die Zutatenliste für Ihr Bigos-Rezept gezeigt...
Flohr:
…lassen sie mich raten, sie hat gesagt, das geht nicht.

Genau. Kein Fleisch, kein Geschmack, kein Genuss.
Flohr:
Ich habe das schon für mehrere Polen gekocht. Alle haben gesagt, das ist unglaublich, das schmeckt so authentisch, so echt. Einfach mal nachkochen.

Sie kochen eher deftig.
Flohr:
Den herzhaften Geschmack, den die Leute vom Schnitzel und vom Gulasch kennen, kriegen sie auch mit pflanzlichen Zutaten hin. Der Unterschied ist nur, dass ich mich zusätzlich noch gesund ernähre.

Aber das Kochen mit Fleisch ist schon leichter.
Flohr:
Eigentlich nicht. Ich kann das Stück Fleisch durch so viele Dinge ersetzen, durch das pflanzliche Steak, durch Buletten aus Linsen. Das ist nicht aufwendiger und auch nicht teurer.

Einer der stärksten Männer der Welt ist Veganer

Butter und Sahne sind doch Geschmacksträger. Wenn einem nichts einfällt, wird’s halt die Mehlschwitze mit Sahne und Kräutern.
Flohr:
Genauso koche ich auch oft, nur dass ich statt der Sahne das Mandelmus nehme – vom Geschmack her der Wahnsinn. Man muss sich einfach damit befassen. In jedem Keks stecken Eier und Milchprodukte, in jedem Keks steckt die Qual. Die Massentierhaltung ist pervers, viele Kühe leiden unter entzündeten Eutern und müssen ihr Leben lang Milch in Horrormengen produzieren. Ich brauche kein Fleisch und keine Tierprodukte, der Mensch braucht das nicht.

Wie kommt es eigentlich dazu, dass die Tierrechtsorganisation PeTA ihre Koch-Videos dreht und produziert?
Flohr:
Die PeTA-Leute habe ich auf der Hochzeit meines Kumpels Patrik Baboumian kennengelernt. Patrik ist ein bekannter Kraftsportler, einer der stärksten Männer der Welt – und auch Veganer.

Was gibt’s heute bei Ihnen?
Flohr (lacht):
Heute sind wir eingeladen. Aber morgen kommen gefüllt Pilze auf den Tisch. Lecker. Es gibt keinen Grund, Tiere zu quälen. Ich setze meine Stärke lieber ein, um Tiere zu schützen, wenn ich dann noch den Gesundheitsaspekt dazu nehme, kann ich nur sagen, ja, ich bin ein überzeugter Pflanzenfresser.

Zum Facebook-Auftritt: Hier kocht Alex.

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