Muskel- und Skeletterkrankungen sind der häufigste Grund, warum Handwerker krankheitsbedingt fehlen.
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Auswertung der IKK

Arbeitsunfähigkeit: Warum Handwerker bei der Arbeit fehlen

Wie lange sind Handwerker im Schnitt krank? Und was sind die häufigsten Gründe für eine Krankschreibung? Eine Auswertung der IKK classic liefert Antworten.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Im Handwerk war der Krankenstand 2017 laut IKK classic nicht höher als in anderen Branchen. Im Schnitt fallen Handwerker krankheitsbedingt aber länger aus.
  • Die Zahl der Langzeiterkrankungen bei Handwerkern steigt seit 2015, Gleiches gilt für das Durchschnittsalter der Versicherten der Innungskrankenkasse.
  • Im Vergleich mit anderen Gewerken ist der Krankenstand im Bau- und Ausbaugewerbe mit 6 Prozent am höchsten.
  • Muskel- und Skeletterkrankungen sind im Handwerk der häufigste Grund für eine Krankschreibung.

Wegen des Fachkräftemangels ist die Personaldecke bei vielen Betrieben ohnehin dünn. Fallen dann Mitarbeiter wegen Krankheit aus, haben Betriebe ein Problem – vor allem, wenn Mitarbeiter längerfristig fehlen. Doch was sind die häufigsten Gründe für Krankmeldungen im Handwerk? Gibt es Unterschiede zwischen den Gewerken? Und wie steht das Handwerk im Vergleich zu anderen Branchen da? Antworten auf diese Fragen liefert eine Auswertung der IKK classic für das Jahr 2017. Bei der Innungskrankenkasse sind nicht nur Handwerker abgesichert, sondern auch Beschäftigte aus anderen Branchen.

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So lange fallen Handwerker durchschnittlich aus

Die durchschnittliche Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle) lag im Handwerk demnach bei 1,4 AU-Fällen je Beschäftigtem. Damit sind IKK classic versicherte Handwerker genauso häufig krankgeschrieben wie Versicherte aus anderen Branchen. Allerdings fallen Handwerker in der Regel länger krankheitsbedingt aus als andere.

So betrug die durchschnittliche Falldauer bei Handwerkern im Jahr 2017 13,9 Tage. Bei IKK-Versicherten, die in anderen Branchen beschäftigt sind, waren es hingegen nur 12,6 Tage. Damit brauchen Handwerker nach einer Erkrankung im Schnitt einen guten Tag länger, um wieder fit zu werden.

Diese Zahlen führt die Innungskrankenkasse auf den Anteil der Langzeiterkrankungen im Handwerk zurück. Dort steigt der Anteil der Krankschreibungen, die länger als sechs Wochen andauern, seit 2015 kontinuierlich an. Während Langzeiterkrankungen im Jahr 2015 noch einen Anteil von 47,3 Prozent an den AU-Tagen im Handwerk hatten, waren es 2017 schon 50 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg das Durchschnittsalter der IKK-versicherten Handwerker von 41,8 auf 42,5 Jahre.

Der Krankenstand im Handwerk

Foto: Leupold, Daten: IKK classic

Im Schnitt fehlten Handwerker 2017 insgesamt 18,9 Tage, wie die Auswertung der IKK classic zeigt. Bei IKK-Versicherten, die in anderen Branchen tätig sind, waren es 18,2 Tage. Diese Zahlen schlagen sich auch im Krankenstand nieder. Im Handwerk beträgt der Anteil, der Arbeitsunfähigkeitstage an allen Tagen des ausgewerteten Jahres 5,2 Prozent. In allen anderen Branchen zusammen liegt der Krankenstand hingegen bei 5 Prozent.

Innerhalb des Handwerks gibt es allerdings Unterschiede: So ist der Krankenstand im Bau- und Ausbaugewerbe mit 6 Prozent am höchsten. In der Gewerbegruppe „Textil/Leder“ ist er am niedrigsten (4,5 Prozent).“

Die häufigsten Gründe für Krankschreibungen im Handwerk

Foto: Leupold, Daten: IKK classic

Muskel- und Skeletterkrankungen sind der häufigste Grund, warum Arbeitnehmer einen gelben Schein bekommen. Im Handwerk entfielen 2017 insgesamt 29,9 Prozent der Krankschreibungen auf dieses Krankheitsbild – damit haben sie noch häufiger mit Muskel- und Skeletterkrankungen zu kämpfen als der Durchschnitt der IKK classic-Versicherten (27,5 Prozent).

Im Ranking der Hauptkrankheitsarten, die bei Handwerkern Arbeitsunfähigkeitszeiten zur Folge haben, landeten Verletzungen und Vergiftungen mit einem Anteil von 15,9 Prozent auf Platz zwei. Gefolgt von Krankheiten des Atmungssystems (12,3 Prozent) sowie Psychischen und Verhaltensstörungen (9,4 Prozent).

Aus diesen Gründen sind Männer und Frauen arbeitsunfähig

Welchen Anteil diese Erkrankungen an den Arbeitsunfähigkeitstagen haben, variiert im Handwerk nach Geschlecht. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen sind Muskel- und Skeletterkrankungen der häufigste Grund für eine Krankschreibung. Allerdings fallen Handwerker mit einem Anteil von 31,6 Prozent an den AU-Tagen deutlich häufiger wegen dieses Krankheitsbildes aus als Handwerkerinnen (25,5 Prozent).

Bei den übrigen Krankheitsbildern gibt es im Handwerk hingegen deutliche Unterschiede im Ranking:

  • Bei IKK classic versicherten Männern waren „Verletzungen und Vergiftungen“ 2017 der zweithäufigste Grund für eine Krankschreibungen (18,2 Prozent). Auf Platz drei folgten „Krankheiten der Atmungssystems“ (11,5 Prozent). Am seltensten sind bei Männern im Handwerk Arbeitsunfähigkeitstage wegen „Psychischen und Verhaltensstörungen“ (7,6 Prozent).
  • Bei Frauen im Handwerk liegen „Psychische und Verhaltensstörungen“ zusammen mit „Verletzungen und Vergiftungen“ auf Platz zwei – ihr Anteil an den Arbeitsunfähigkeitstagen beträgt jeweils 14,2 Prozent. Es folgen Verletzungen und Vergiftungen (10,3 Prozent).

Junge Handwerker plagen Verletzungen, ältere haben Rücken

Die Zahlen der IKK classic decken zudem deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen auf. So sind die unter 20-jährigen Handwerker am häufigsten wegen „Verletzungen und Vergiftungen“ krankgeschrieben – der Anteil an den AU-Tagen 2017: 25,4 Prozent. Muskel- und Skeletterkrankungen spielten bei ihnen hingegen kaum eine Rolle (8,9 Prozent).

Ganz anders sieht es bei Handwerkern aus, die älter als 59 Jahre sind. Bei ihnen waren 35,3 Prozent aller AU-Tage im Jahr 2017 auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurückzuführen. Verletzungen und Vergiftungen waren in dieser Altersgruppe mit einem Anteil von 9,6 Prozent dagegen eher ein geringes Problem.

Arbeitsunfähigkeit: Diese Branchenunterschiede gibt es im Handwerk

Beim Anteil der Hauptkrankheitsarten, die im Handwerk zu Arbeitsunfähigkeiten führen, gibt es im Handwerk Unterschiede zwischen den Gewerbegruppen. In ihrer Statistik differenziert die Krankenkasse nach sieben Gruppen:

  • Bau/Ausbau
  • Elektro/Metall
  • Gesundheit/Reinigung
  • Glas/Papier
  • Holz
  • Nahrungsmittel
  • Textil/Leder

Muskel- und Skeletterkrankungen liegen in allen Gewerbegruppen klar auf Platz eins. Besonders hoch ist der Anteil der Krankschreibungen aufgrund dieses Krankheitsbildes jedoch im Bau- und Ausbaugewerbe: Dort sind 35,6 Prozent der Arbeitsunfähigkeiten darauf zurückzuführen. In der Gewerbegruppe Gesundheit/Reinigung hingegen ist der Anteil der Krankschreibungen wegen Muskel- und Skeletterkrankungen mit 27,2 Prozent am niedrigsten.

Der Anteil von Krankschreibungen wegen Verletzungen und Vergiftungen ist im Bau- und Ausbaugewerbe mit 20,6 Prozent besonders hoch. Am niedrigsten ist er in der Gewerbegruppe Gesundheit/Reinigung (10,9 Prozent).

Ein umgekehrtes Bild ergibt sich bei Psychischen und Verhaltensstörungen: Denn im Vergleich mit anderen Handwerksbranchen weist die Gewerbegruppe Gesundheit/Reinigung bei diesem Krankheitsbild mit 12,5 Prozent den höchsten Anteil bei den Krankschreibungen aus. Im Bau- und Ausbaugewerbe sind hingegen nur 6 Prozent der Arbeitsunfähigkeiten auf Psychische und Verhaltensstörungen zurückzuführen.

Der Anteil von Arbeitsunfähigkeiten wegen Krankheiten des Atmungssystems ist in der Gewerbegruppe Textil/Leder am höchsten (13,5 Prozent), dicht gefolgt von der Gruppe Gesundheit/Reinigung (13,3). Im Bau- und Ausbaugewerbe entfallen hingegen nur 9,2 Prozent der Krankschreibungen auf Atemwegserkrankungen.

Die ausführlichen Ergebnisse für die einzelnen Gewerbegruppen finden Sie in der Bildergalerie unter diesem Beitrag.

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