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Teilen statt besitzen

Der Werkstatt-Vagabund

Wozu in die eigene Werkstatt und teure Maschinen investieren, wenn sie gar nicht immer ausgelastet sind? Das dachte sich Tischlermeister Raphael Sydow. Und entwickelte mit anderen Betrieben ein Sharing-Modell.

Keine Leerstände, keine unnötigen Kosten:
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Keine Leerstände, keine unnötigen Kosten: - Ralph Sydow zahlt nur für die Werkstätten, wenn er sie auch wirklich braucht.
Ralph Sydow zahlt nur für die Werkstätten, wenn er sie auch wirklich braucht.
© Felix Pergande - Fotolia.com

Wer einen Tischlereibetrieb gründen will, braucht eine eigene Werkstatt? Raphael Sydow beantwortet diese Frage mit einem klaren nein. Vor etwa fünf Jahren machte er sich in Hildesheim mit der Firma „HI-Tischler“ selbstständig. Mittlerweile hat er sich einen Ruf erarbeitet, eine Firmenwebsite aufgebaut und einen Gesellen eingestellt.

Einen Teil seiner Aufträge kann der Tischlermeister direkt beim Kunden abwickeln: Dachbodenausbauten, Reparaturen, den Einbau von Fenstern und Türen oder den Holzfassadenbau. „Manchmal ist das zwar ein bisschen Improvisation, aber es funktioniert“, sagt der 31-Jährige.

Zwischen 60 und 70 Prozent der Aufträge betreffen allerdings die Möbelfertigung. Dafür braucht er eine Werkstatt. Doch die hat er immer noch nicht, nur eine kleine Scheune für das Montagematerial und die Maschinen.

Wie das funktioniert? Das erfahren Sie auf Seite 2.

Fünf Betriebe teilen ihre Werkstatt

Für diesen Teil hat der Unternehmer sich Partner gesucht: Fünf Tischlerbetriebe aus dem Stadtgebiet Hildesheim, die allesamt über eine Werkstatt verfügen. In diese Werkstätten mietet Sydow sich ein – bei Bedarf, das heißt sobald er den Auftrag für ein Möbelstück bekommt.  Die Abstimmung erfolgt per eMail oder telefonisch. „Wenn ich zum Beispiel eine Kommode bauen möchte, rufe ich einen von denen an und frage: Wie sieht das in nächster Zeit mit eurer Werkstattauslastung aus?“ Für die Nutzung zahlt er den Betrieben einen festen Stundensatz. Die Partner können dadurch ihre Kapazitäten besser auslasten.

Außerdem leihen sich die Partnerbetriebe untereinander auch Spezialwerkzeuge, Maschinen und Gerüste. Sydow nimmt für seine Maschinen einen Tagespreis. Sein Gerüst rechnet er pro Quadratmeter ab – plus Montagekosten, falls er den anderen diese Arbeit abnehmen soll. Und wer haftet für Schäden an den Maschinen oder gar für Personenschäden? „Das ist eigentlich überhaupt gar kein Problem“, sagt der Unternehmer. „Die meisten Betriebshaftpflichtversicherungen schließen Mietgeräte und Mietwerkzeuge mit ein.“

Lesen Sie auf Seite 3, was aus Sicht von Raphael Sydow die großen Vorteile des Teilens sind.

Kostenbelastung gering halten

Raphael Sydow leistet sich keine eigene voll ausgerüstete Werkstatt, sondern zieht von Betrieb zu Betrieb, um seine Arbeiten zu verrichten. Auf diese Weise spart er Kosten und steht dadurch weniger unter Erfolgsdruck: „Ich mache das, um meine Bonität zu sichern und die monatliche Belastung gering zu halten. Außerdem hätte ich mit Sicherheit eine geringere Auswahl an Maschinen, wenn ich selbst eine Werkstatt hätte. Maschinen, die nicht unbedingt erforderlich sind, aber das Leben angenehm machen.“

Was halten Sie von der Idee, Büroräume, Werkstätten, Maschinen amp; Co mit anderen Betrieben zu teilen? Und was für Erfahrungen haben Sie selbst damit gesammelt? Schreiben Sie uns!

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(afu)

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