Davon dürften nach Einschätzung vom ZDB vor allem größere Betriebe profitieren.
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Politik und Gesellschaft

Baugenehmigungen: Mehr Wohnungen, weniger Einfamilienhäuser

Die Auftragsbücher der meisten Handwerksbetriebe sind prall gefüllt. Doch bleibt das so? Die Zahl der neu erteilten Baugenehmigungen gibt einen Hinweis.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Ein Minus bei den erteilten Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser und Wohnheime, aber ein Plus bei den Mehrfamilienhäusern – das offenbaren die Zahlen des Statistischen Bundesamts für das erste Halbjahr.
  • Der Umsatz der Baubetriebe wird sich nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes weiterhin positiv entwickeln. Allerdings dürften größere Betriebe mehr von der Entwicklung profitieren als kleinere.

168.491 neue Baugenehmigungen wurden im ersten Halbjahr laut Statistischem Bundesamt für Wohnungen erteilt. Damit ist deren Zahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent gesunken. Das entspricht einem Rückgang um rund 960 Baugenehmigungen.

Erteilte Baugenehmigungen: Das sind die Ergebnisse im Detail

Mit Blick auf große Bauprojekte ergibt sich dabei ein gemischtes Bild:

  • Mit einem Plus von 4,9 Prozent ist die Zahl der erteilten Baugenehmigungen für neue Mehrfamilienhäuser gestiegen. Sie lag in den ersten sechs Monaten bei 86.112, das sind 4024 mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Die Zahl der Genehmigungen für Wohnheime rutschte hingegen deutlich ins Minus. Sie ging um 3037 auf 5424 zurück.

Weniger Genehmigungen gab es auch für Einfamilienhäuser. Deren Zahl ist um 1,6 Prozent gesunken und liegt jetzt bei 44.585.

So schätzt der ZDB die Situation ein

Doch welche Auswirkungen könnten diese Zahlen haben? „Gerade in Ballungszentren boomt der Mehrfamilienhausbau“, sagt Ilona Klein, Sprecherin des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Das sei ein Betätigungsfeld von größeren Betrieben, die weiterhin mit steigenden Umsätzen rechnen könnten. Anders sieht es ihrer Einschätzung nach beim Einfamilienhausbau aus, der eher eine Domäne der kleineren Betriebe sei. Denn je nach Region stagnierten die Aufträge für Einfamilienhäuser seit mehreren Jahren beziehungsweise seien rückläufig. Das habe sich wie folgt auf die Umsätze ausgewirkt:

  • Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten konnten 2017 im Wohnungsbau 0,5 Prozent weniger Umsatz erzielen als 2016.
  • Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten erreichten dagegen ein Umsatzplus von 11,6 Prozent.

„Über alle Bausparten zeigt sich ein ähnliches Bild“, sagt Klein. So hätten Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten ein Plus von nur einem Prozent erzielt, wogegen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten um 8,5 Prozent zugelegt hätten. Unterm Strich rechnet Klein damit, dass sich die Umsätze im Baugewerbe weiterhin positiv entwickeln.

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