Foto: Nico Stengert - Fotolia.com

Steuern

Betriebsprüfung: Wann prüft das Finanzamt?

Die Wahrscheinlichkeit einer Betriebsprüfung ist gering. Doch wie zuverlässig ist schon eine Statistik? Ob Sie wirklich mit einer Steuerprüfung durch das Finanzamt rechnen müssen, erfahren Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Finanzämter entscheiden sehr genau, welche Betriebe sie bei einer Betriebsprüfung kontrollieren. Einen festen Turnus oder Zufallsstichproben gibt es nicht. Entscheidend sind eine erste interne Prüfung und handfeste Gründe.
  • Drei Fragen entscheiden über eine mögliche Betriebsprüfung: Sind die Zahlen in der Steuererklärung und im Jahresabschluss plausibel? Gibt es gute Erklärungen für Abweichungen? Und wie ist der Gesamteindruck – ordentlich, sortiert und übersichtlich?
  • Wer eine Betriebsprüfung vermeiden will, sollte das Finanzamt über alles Ungewöhnliche, alle größeren Abweichungen und Besonderheiten in den eigenen Zahlen so früh wie möglich informieren oder aber spätestens der Steuererklärung entsprechende Erläuterungen beifügen.
  • Letztes Warnsignal, dass die Gefahr eine Betriebsprüfung wächst: der Vorbehalt der Nachprüfung auf dem Steuerbescheid. Doch auch dann kann man noch gegensteuern.

Wer kennt sie nicht: die Angst vor der Betriebsprüfung. Wann ist es soweit? Werden die Prüfer etwas finden? Wie lange wird es dauern? Was wird es mich kosten? …

Man muss nicht unbedingt Schwarzgeld horten oder bewusst Steuern hinterziehen, um sich solche Fragen zu stellen. Denn Fehler können passieren – selbst einen rechtschaffenen Chef, einer peniblen Buchhaltung und einem sorgfältigen Steuerberater. Doch wer hat wirklich Grund zur Sorge – und wer nicht?

Rein statistisch: Wie wahrscheinlich ist eine Betriebsprüfung?

Jedes Jahr im Herbst das gleiche Spiel: Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht eine Erfolgsstatistik des Vorjahres. 2015 sahen die Ergebnisse der steuerlichen Betriebsprüfung so aus: Von fast 192.000 Unternehmen wurden, 13,6 Milliarden Euro zusätzlich kassiert.

Was die Statistik und eigene Berechnungen noch verraten:

  • Kontrolliert haben die Finanzämter 1,03 Prozent aller Kleinstbetriebe, 3,22 Prozent der Kleinbetriebe, 6,35 Prozent der Mittelbetriebe und 21,33 Prozent der Großbetriebe.
  • Rechnerisch wird ein Kleinstbetrieb nur alle 97 Jahre kontrolliert, ein Kleinbetrieb alle 31 Jahre, ein mittlerer Betrieb alle 16 Jahre und ein Großbetrieb alle 4,69 Jahre.

Zu welcher Gruppe ein Unternehmen zählt, hängt von Umsatzerlösen und zu versteuerndem Gewinn ab. Handwerker gelten in der Regel als Fertigungsbetriebe. Für sie gelten folgende Grenzen:

  • Kleinstbetrieb: bis 36.000 Euro Gewinn oder 170.000 Euro Umsatzerlöse.
  • Kleinbetrieb: bis 56.000 Euro Gewinn oder 510.000 Euro Umsatzerlöse.
  • Mittelbetrieb: bis 250.000 Euro Gewinn oder 4,3 Millionen Euro Umsatzerlöse.
  • Großbetrieb: Mehr als 250.000 Euro Gewinn oder mehr als 4,3 Millionen Euro Umsatzerlöse.

Vorsicht: Auch wenn kleine Unternehmen seltener überprüft werden – in Sicherheit wiegen dürfen sich die Inhaber kleiner Handwerksbetriebe nicht.Ob und wann ein Betrieb überprüft wird, entscheidet nicht die Statistik, sondern das Finanzamt. Und das für jeden einzelnen Betrieb ganz individuell und jedes Jahr aufs Neue.

Die Regeln: Wie entscheidet das Finanzamt über eine Betriebsprüfung?

So unwahrscheinlich eine Betriebsprüfung für kleine und mittlere Betriebe rein statistisch auch ist: Mit Glück, Pech oder einem geheimen Turnus habe das nichts zu tun, sagt Dirk Witte. Er war früher selbst Betriebsprüfer und arbeitet heute als Steuerberater in Oldenburg.

Witte weiß: „Zu einer Außenprüfung im Betrieb kommt es nur bei einem konkreten Verdacht.“ Witte weiß auch, nach welchen Regeln das Finanzamt über eine Betriebsprüfung entscheidet:

  • Keine Zufallsprüfung: Ein Sachbearbeiter des Finanzamtes muss einen Betrieb zur Nachprüfung vorschlagen. Die Entscheidung trifft ein Vorgesetzter, denn Personal für die Prüfungen ist knapp. Zufälligen Stichproben zieht das Finanzamt nicht.
  • Keine schnelle Entscheidung: „Die Sachbearbeiter sollen mindestens drei Jahre im Zusammenhang betrachten“, sagt Witte. Eine Auffälligkeit in einem Jahr genüge nicht für eine Betriebsprüfung. Erst wenn ein Betrieb weiter aus dem Rahmen fällt, wird ihn ein Sachbearbeiter zur Prüfung vorschlagen.
  • Nur bei konkretem Anlass: Der Sachbearbeiter muss seinen Vorschlag gut begründen, zum Beispiel mit unerklärlichen Abweichungen von Branchenwerten. Gründe wie „der ist noch nie geprüft worden“ oder „die letzte Prüfung ist bei dem schon so lange her“ zählen dabei nicht, weiß Witte.

Wie wichtig eine gute Vorauswahl aus Sicht der Finanzämter ist, zeigen zwei Zahlen: Laut Statistik des Bundesfinanzministerium gab es 2015 fast 8 Million Betriebe. Betriebsprüfer beschäftigten die Finanzämter im gleichen Jahr genau 13.620.

Die Kriterien: Was kontrolliert das Finanzamt als Erstes?

Sobald eine Jahressteuererklärung, ein Jahresabschluss oder eine Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) beim Finanzamt eingeht, startet die Kontrolle. „Überprüft wird jeder Einzelne – ohne Ausnahme“, sagt Steuerberater Witte. Drei Punkte stehen dann auf der Checkliste.

1. Sind die Zahlen plausibel?

Ein Prüfprogramm kontrolliert die Zahlen auf Plausibilität: Sind Umsatz, Gewinn und Kosten in sich stimmig? Passen sie zu den Vorjahreswerten des Betriebs und zu den Richtwerten für Betriebe gleicher Größe und Branche?

2. Gibt es eine gute Erklärung?

Zahlen verraten nicht alles. Vielleicht ist ja der wichtigste Auftraggeber abgesprungen und der Gewinn deshalb eingebrochen. Oder ein Neukunde hat sich als Betrüger herausgestellt, nachdem das Material für den Auftrag schon bestellt war – was die hohen Materialkosten erklären würde. „Deswegen sind Erläuterungen zu ungewöhnlichen Zahlen wichtig“, sagt Witte. Ob es zu einer Betriebsprüfung kommt, hängt oft davon ab, wie gut oder schlecht ein Betrieb das Finanzamt informiert.

3. Wie ist der Gesamteindruck?

Auch das ist wichtig: Sind die Unterlagen und Belege sauber und ordentlich sortiert? Sind die Zahlen gut zu vergleichen, oder sind zum Beispiel die Tabellen jedes Jahr etwas anders aufgebaut?

Eine Jahressteuererklärung sei „wie ein kleines Kunstwerk“, sagt Steuerberater Dirk Witte. „Wenn sie optisch ansprechend ist, sagt der Sachbearbeiter oft schon auf den ersten Blick ‘sieht gut aus‘, und schlägt den Betrieb nicht vor.“

Dieser junge Handwerker zumindest kämpft mit dem Zollstock...
Foto: DDRockstar - stock.adobe.com

Humor

Die 8 besten Azubi-Witze

Man kann mit Auszubildenden lachen – aber manchmal auch über sie! Hier unsere liebsten Azubi-Witze! Kennen Sie auch einen?

Hat die FKS Ihnen schon mal einen Besuch abgestattet?
Foto: Andreas Scholz - stock.adobe.com, Montage: handwerk.com

Umfrage

Wurden Sie schon von der FKS geprüft?

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit prüft regelmäßig Baustellen und Betriebe. Haben die Fahnder Ihnen schon mal einen Besuch abgestattet?

Wann können Sie Ihren Mitarbeiter haftbar machen?
Foto: WITTAYA - stock.adobe.com

Personal

Teurer Fehler – wann haftet der Mitarbeiter?

Kann ein Mitarbeiter haftbar gemacht werden, wenn er einen teuren Schaden anrichtet? Eine Arbeitsrechtsexpertin gibt Auskunft.

18 Stuckateure schafften mit ihrem Stuckstab einen Eintrag in Guinness Buch der Rekorde.
Foto: Argus - stock.adobe.com

Panorama

Weltrekord: Stuckateure fertigen 105-Meter-Stuckstab

Azubis und Profis arbeiteten für einen Eintrag ins Guinness-Buch Hand in Hand. Handwerker wollten so auch für die Attraktivität der Bauberufe werben.