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Steuern

Betriebsprüfung unter Corona: Wann prüft das Finanzamt?

Während der Corona-Pandemie gibt es weniger Betriebsprüfungen. Dennoch müssen kleinere Betriebe aufpassen, sonst fließt vielleicht der halbe Jahresgewinn in die Nachzahlung.

Inhaltsverzeichnis

  • Für Betriebsprüfungen durch Finanzämter gibt es keinen festen Turnus oder Zufallsstichproben. Stattdessen entscheidet der Fiskus anhand konkreter Gründe.
  • Das gilt auch in der Corona-Pandemie: weniger Prüfer, weniger Kontrollen, weniger Einnahmen – doch noch immer werden zig Tausende kleine Unternehmen geprüft.
  • Das kann teuer werden: Zum Beispiel zahlten geprüfte Kleinstbetriebe zuletzt im Durchschnitt mehr als 20.000 Euro Steuern nach einer Prüfung nach.
  • Drei Fragen entscheiden über eine Betriebsprüfung: Sind Steuererklärung und Jahresabschluss plausibel? Sind die Abweichungen begründet? Wie ist der Gesamteindruck der Unterlagen?
  • Letztes Warnsignal, dass die Gefahr eine Betriebsprüfung wächst: der Vorbehalt der Nachprüfung auf dem Steuerbescheid. Doch auch dann kann man noch gegensteuern.

Wer kennt sie nicht: die Angst vor der Betriebsprüfung. Wann ist es soweit? Werden die Prüfer etwas finden? Wie lange wird es dauern? Was wird es mich kosten? …

Man muss nicht unbedingt Schwarzgeld horten oder bewusst Steuern hinterziehen, um sich solche Fragen zu stellen. Denn Fehler können passieren – selbst einen rechtschaffenen Chef, einer peniblen Buchhaltung und einem sorgfältigen Steuerberater. Doch wer hat wirklich Grund zur Sorge – und wer nicht?

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Unter Corona: Wie wahrscheinlich ist eine Betriebsprüfung?

Jahr im Herbst das gleiche Spiel: Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht eine Erfolgsstatistik des Vorjahres.

2020 sahen die Ergebnisse der steuerlichen Betriebsprüfung allerdings etwas anders aus als gewohnt: Weniger Prüfer, weniger Kontrollen und deutlich weniger Einnahmen aus den Prüfungen weist die Statistik des Bundesfinanzministeriums (BMF) aus:

  • 12.664 Prüfer (-5,07% gegenüber 2019) kassierten von rund 153.000 Unternehmen (-15,82%) 11,3 Milliarden Euro (-25,66%).
  • Kontrolliert haben die Finanzämter 0,79 Prozent aller Kleinstbetriebe, 2,34 Prozent der Kleinbetriebe, 4,95 Prozent der Mittelbetriebe und 17,41 Prozent der Großbetriebe.
  • Rechnerisch wird ein Kleinstbetrieb damit nur alle 127 Jahre kontrolliert, ein Kleinbetrieb alle 43 Jahre, ein mittlerer Betrieb alle 20 Jahre und ein Großbetrieb alle 6 Jahre.

Zu welcher Gruppe ein Unternehmen zählt, hängt vom Umsatz und dem zu versteuerndem Gewinn ab. Handwerker gelten in der Regel als Fertigungsbetriebe. Für sie gelten seit 2019 folgende Grenzen:

  • Kleinstbetriebe: weniger als 44.000 Euro Gewinn oder 210.000 Euro Umsatz.
  • Kleinbetrieb: ab 44.000 Euro Gewinn oder 210.000 Euro Umsatz.
  • Mittelbetrieb: ab 68.000 Euro Gewinn oder 610.000 Euro Umsatz.
  • Großbetrieb: mehr als 300.000 Euro Gewinn oder mehr als 5,1 Millionen Euro Umsatz.

Vorsicht: Auch wenn kleine Unternehmen seltener überprüft werden – in Sicherheit wiegen dürfen sich die Inhaber kleiner Handwerksbetriebe nicht.Ob und wann ein Betrieb überprüft wird, entscheidet nicht die Statistik, sondern das Finanzamt. Und das für jeden einzelnen Betrieb ganz individuell und jedes Jahr aufs Neue.

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Die Regeln: Wie entscheidet das Finanzamt über eine Betriebsprüfung?

So unwahrscheinlich eine Betriebsprüfung für kleine und mittlere Betriebe rein statistisch auch ist: Mit Glück, Pech oder einem geheimen Turnus habe das nichts zu tun, sagt Dirk Witte. Er war früher selbst Betriebsprüfer und arbeitet heute als Steuerberater in Oldenburg.

Witte weiß: „Zu einer Außenprüfung im Betrieb kommt es nur bei einem konkreten Verdacht.“ Witte weiß auch, nach welchen Regeln das Finanzamt über eine Betriebsprüfung entscheidet:

  • Keine Zufallsprüfung: Ein Sachbearbeiter des Finanzamtes muss einen Betrieb zur Nachprüfung vorschlagen. Die Entscheidung trifft ein Vorgesetzter, denn Personal für die Prüfungen ist knapp. Zufälligen Stichproben zieht das Finanzamt nicht.
  • Keine schnelle Entscheidung: „Die Sachbearbeiter sollen mindestens drei Jahre im Zusammenhang betrachten“, sagt Witte. Eine Auffälligkeit in einem Jahr genüge nicht für eine Betriebsprüfung. Erst wenn ein Betrieb weiter aus dem Rahmen fällt, wird ihn ein Sachbearbeiter zur Prüfung vorschlagen.
  • Nur bei konkretem Anlass: Der Sachbearbeiter muss seinen Vorschlag gut begründen, zum Beispiel mit unerklärlichen Abweichungen von Branchenwerten. Gründe wie „der ist noch nie geprüft worden“ oder „die letzte Prüfung ist bei dem schon so lange her“ zählen dabei nicht, weiß Witte.

Wie wichtig eine gute Vorauswahl aus Sicht der Finanzämter ist, zeigen einige Zahlen: Laut Statistik des Bundesfinanzministeriums gab es 2020 fast rund 8,4 Million Betriebe. Das waren knapp 200.000 mehr als 2019. Denen standen 12.664 Betriebsprüfer gegenüber, fast 700 weniger als im Vorjahr.

Die Kriterien: Was kontrolliert das Finanzamt als Erstes?

Sobald eine Jahressteuererklärung, ein Jahresabschluss oder eine Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) beim Finanzamt eingeht, startet die Kontrolle. „Überprüft wird jeder Einzelne – ohne Ausnahme“, sagt Steuerberater Witte. Drei Punkte stehen dann auf der Checkliste.

1. Sind die Zahlen plausibel?

Ein Prüfprogramm kontrolliert die Zahlen auf Plausibilität: Sind Umsatz, Gewinn und Kosten in sich stimmig? Passen sie zu den Vorjahreswerten des Betriebs und zu den Richtwerten für Betriebe gleicher Größe und Branche?

2. Gibt es eine gute Erklärung?

Zahlen verraten nicht alles. Vielleicht ist ja der wichtigste Auftraggeber abgesprungen und der Gewinn deshalb eingebrochen. Oder ein Neukunde hat sich als Betrüger herausgestellt, nachdem das Material für den Auftrag schon bestellt war – was die hohen Materialkosten erklären würde. „Deswegen sind Erläuterungen zu ungewöhnlichen Zahlen wichtig“, sagt Witte. Ob es zu einer Betriebsprüfung kommt, hängt oft davon ab, wie gut oder schlecht ein Betrieb das Finanzamt informiert.

3. Wie ist der Gesamteindruck?

Auch das ist wichtig: Sind die Unterlagen und Belege sauber und ordentlich sortiert? Sind die Zahlen gut zu vergleichen, oder sind zum Beispiel die Tabellen jedes Jahr etwas anders aufgebaut?

Eine Jahressteuererklärung sei „wie ein kleines Kunstwerk“, sagt Steuerberater Dirk Witte. „Wenn sie optisch ansprechend ist, sagt der Sachbearbeiter oft schon auf den ersten Blick ‘sieht gut aus‘, und schlägt den Betrieb nicht vor.“

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