Digitalisierung im Handwerk:
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Digitalisierung im Handwerk: 42 Prozent der Betriebe nutzen inzwischen Videokonferenzen für die externe Kommunikation.

Studie von ZDH und Bitkom

Handwerker fitter in der Digitalisierung: Jetzt steigt der Druck

Von Social Media bis Videotelefonie: Das Handwerk ist deutlich digitaler geworden, zeigt eine aktuelle Studie. Das schürt Erwartungen.

Auf einen Blick:

  • Die meisten Betriebe, die digitale Technologien nutzen, setzen auf Cloud Computing. Kostspielige Technologien kommen im Handwerk nur selten zum Einsatz.
  • Die Nutzung von sozialen Medien hat in den letzten beiden Jahren einen Schub bekommen, allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen kleinen und großen Betrieben.
  • Auch bei der Kommunikation werden zunehmend digitale Tools genutzt. Das hat die Beziehungen zu den Kunden verändert: Viele erwarten jetzt mehr als nur eine schnelle Rückmeldung von Handwerkern.
  • Handwerker bewerten die Digitalisierung im eigenen Betrieb durchschnittlich mit einer 3. Die Studie zeigt zudem, was Betriebe bei der Digitalisierung hemmt.

Cloud Computing, Trackingsysteme oder sogar Roboter?! 68 Prozent der Betriebe nutzen inzwischen mindestens eine digitale Technologie, vor zwei Jahren waren es mit 53 Prozent noch deutlich weniger. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Bundesverband Informationswirtschaft (Bitkom) gemeinsam in Auftrag gegeben haben. 503 Betriebe wurden dafür befragt.

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Diese Technologien und Anwendungen nutzen (kaum) Handwerker

Mit Abstand am weitesten verbreitet ist unter Handwerkern das Cloud Computing, 45 Prozent der Betriebe nutzen diese Technologie. Trackingsysteme haben 15 Prozent im Einsatz und fast ebenso viele setzen auf die vorausschauende Wartung von Anlagen (15 Prozent), bei der mit Sensoren und Datenanalyse drohende Ausfälle frühzeitig erkannt werden.

Kaum verbreitet hingegen ist die Nutzung von Robotern (6 Prozent) sowie von Virtual oder Augmented Reality (3 Prozent). Künstliche Intelligenz (1 Prozent) spielt im Handwerk fast keine Rolle.

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Mehr Onlinekommunikation: Das schürt Erwartungen bei Kunden

Ob Terminabsprachen oder fachlicher Austausch – in der Pandemie sind digitale Tools und Lösungen für die Kommunikation deutlich wichtiger geworden. Die Nutzung von Videokonferenzen ist im Vergleich zu 2020 laut ZDH und Bitkom am stärksten gewachsen: Bei der externen Kommunikation von 11 Prozent auf 42 Prozent. Über Messenger-Dienste wie Whatsapp, Signal oder Telegram tauschen sich inzwischen 63 Prozent der Betriebe mit Kunden oder auch Geschäftspartnern aus.

Die Tools haben allerdings auch die Beziehungen zu den Kunden verändert – vor allem was deren Erwartungshaltung angeht.

  • 97 Prozent der Befragten gab an, dass Kunden durch die Digitalisierung eine schnellere Rückmeldung erwarten.
  • 82 Prozent erleben, dass die Kunden eine schnellere Lieferung erwarten.
  • 77 Prozent stellen fest, dass Kunden ständige Erreichbarkeit (24/7) auf allen Kanälen erwarten.

So präsentieren sich Betriebe im Netz

Eine Website ist für Handwerksbetriebe inzwischen Standard. 97 Prozent verfügen laut Studie über einen eigenen Internetauftritt. Einen Eintrag in Online-Verzeichnissen wie gelbeseiten.de haben 76 Prozent. Und in sozialen Netzwerken machen inzwischen 40 Prozent der Betriebe auf sich aufmerksam.

Die Nutzung von Plattformen wie Facebook, Instagram oder Linkedin hat damit in den letzten beiden Jahren einen Schub bekommen, 2020 waren nur 30 Prozent der Betriebe dort aktiv. Allerdings gibt es Unterschiede bei der Nutzung: So können kleine Betriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern offenbar deutlich weniger Ressourcen dafür aufbringen (29 Prozent) als größere (57 Prozent).

Plattformen und insbesondere soziale Medien machen es den Kunden laut Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp besonders leicht, sich zu informieren und Termine zu buchen. „Um ihre Zielgruppe anzusprechen, sollten Handwerksunternehmen prüfen, auf welchen digitalen Plattformen es sich für sie lohnt, aktiv zu sein“, empfiehlt er.

Schulnoten für die Digitalisierung: So bewerten sich Handwerker

Bei der Studie wurde die Betriebe auch gefragt, welche Schulnote sie sich für die Digitalisierung im eigenen Unternehmen geben würden. Im Schnitt bewerteten sie sich mit einer 3,1. Dabei bewerteten sich größere Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten im Schnitt (2,7) besser als sehr kleine Betriebe mit bis zu vier Mitarbeitern (3,2).

Aus Sicht der Handwerker gibt es bei der Digitalisierung also noch Luft nach oben. Die Betriebe wurden bei der Studie auch gefragt, woran es ihrer Meinung nach hakt:

  • 81 Prozent halten viele digitale Anwendungen, die auf dem Markt verfügbar sind, für den eigenen Betrieb für überdimensioniert.
  • Knapp die Hälfte der Betriebe kann sich viele digitale Anwendungen nicht leisten.
  • 48 Prozent hat keinen Überblick darüber, was es gibt und was möglich ist.

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